Musikleben mit Kindern – wie geht es Musiker*innen im Berufsalltag? Teil 5: Nora Mayer & Peter Mayer (Peter Mayer Hofkapelle)

In der Serie „Musikleben mit Kindern“ geht mica – music austria der Frage nach, wie es professionellen Musiker*innen geht, wenn sie Kinder haben. Die Sopranistin und Gesangspädagogin NORA MAYER und der Gitarrist PETER MAYER (PETER MAYER HOFKAPELLE) geben uns im fünften Teil der Serie Einblick in ihren Berufsalltag mit Kindern. Welchen Weg haben sie als Musikerin und Musiker mit Kindern eingeschlagen? Welche Prioritäten verfolgen sie und wo kommt es ihnen entgegen, dass ihre eigenen Eltern ganz in der Nähe wohnen?

PETER Mayer (Peter Mayer Hofkapelle)

Was hat sich für dich verändert, seitdem du Vater geworden bist?

Peter Mayer: Das nach Hause kommen – von Proben/Konzerten/Arbeit – hat sich stark verändert, weil daheim jetzt immer was los ist. Die Zeiten, zu denen man sich einfach so mal entspannen kann, wo man in der eigenen Wohnung Freiraum für sich und seine Ideen hat, die gibt es so eigentlich nicht mehr. Man lernt, besser zu planen, für jemanden zu sorgen, und man lernt, was es heißt, nicht nur um sich selbst und seine Projekte zu kreisen – was wir Künstler*innen ja doch recht gern tun.

„Viele sagen ja, mit den Kindern ist die Karriere vorbei. Bei meiner Frau geht die Karriere jetzt nach dem Kinderkriegen erst richtig los und das finde ich schön.“

Werden Mütter in der Musikszene anders behandelt als Väter?

Peter Mayer: Nachdem ich Vater bin, kann ich das nicht sehr authentisch beantworten. Ich denke aber, dass der Musikbereich im Vergleich zur Bauwirtschaft, Finanzwirtschaft oder Politik doch sehr bewusst mit dem Genderthema umgeht. Meine Frau ist Sopranistin. Da gibt es dann auch keine männliche Konkurrenz. Viele sagen ja, mit den Kindern ist die Karriere vorbei. Bei meiner Frau geht die Karriere jetzt nach dem Kinderkriegen erst richtig los und das finde ich schön.

Auf Tour mit (kleinen) Kindern? Abends im Konzert und Kinderbetreuung? Welche Netzwerke nützen Musiker*innen?

Peter Mayer: Omas, Opas, Onkeln, Tanten, Freunde. Unsere Kinder sind es von Anfang an gewöhnt, allen lieben Menschen in unserer Umgebung zu vertrauen.

Was würdest du dir von Veranstalter*innen wünschen und wo muss man dringend etwas verändern?

Peter Mayer: Wir haben bisher nur gute Erfahrungen mit Veranstalter*innen und Kindern gemacht. Unser sechsmonatiger Sohn hat damals einer Veranstalterin sogar auf’s private Sofa gemacht, während wir ein Haus weiter auf der Bühne standen. War dann aber alles kein Problem.

„Kinder sind nur ein paar Jahre lang klein und brauchen einen. Da ist es schön, einmalig und wertvoll, wenn man da ist und sich nicht nur um seine Karriere sorgt.“

Braucht es allgemein mehr Sensibilität in der Szene? Was fehlt? Wird auf Special Needs eingegangen?

Peter Mayer: Es wäre natürlich schön, wenn man als Eltern von sehr kleinen Kindern genauso viel Zeit und Energie für Projekte aufbringen kann wie Menschen, die keine Kinder haben. Aus manchen Projekten fällt man automatisch raus, wenn man nicht acht Stunden am Tag Zeit hat zu proben. Sollte sich die Szene da ändern? Würde das dann organisatorisch für Projektleiter*innen zu schwierig werden? Ich weiß es nicht. Aber vielleicht ist es auch so, dass man für alles, was man im Leben haben will, auch etwas geben muss. Und eines ist sicher: Kinder geben einem sehr viel zurück.

Die Zeiten haben sich geändert, Social Media bedient das Privatleben als auch das professionelle Umfeld. Wie gehst du damit in Hinblick auf deine Doppelrolle als Papa und Musiker*in um?

Peter Mayer: Unsere Kinder und unser Familienleben existieren nicht auf Social Media. Wir benutzen Facebook, Insta und Co. nur als berufliches Werkzeug. 

Gibt es sonst noch etwas, das du mit uns teilen möchtet?

Peter Mayer: Sehr oft mache ich mir selber den Vorwurf, zu wenig für unsere Kinder da zu sein, und dann erinnere ich mich: Für alles im Leben gibt es eine bestimmte Zeit und die sollte man sich auch nehmen. Kinder sind nur ein paar Jahre lang klein und brauchen einen. Da ist es schön, einmalig und wertvoll, wenn man da ist und sich nicht nur um seine Karriere sorgt.

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Nora Mayer (Peter Mayer Hofkapelle, Sopranistin, Gesangspädagogin)

Was hat sich für dich verändert, seitdem du Mutter geworden bist?

Nora Mayer: Eigentlich verändert sich alles, wenn man Kinder bekommt. Ich habe vor allem lernen müssen, die Zeit besser einzuteilen und zu planen.

„Wir haben ein sehr gutes Netzwerk aus Familie und Freunden.“

Werden Mütter in der Musikszene anders behandelt als Väter?

Nora Mayer: Also das habe ich nie zu spüren bekommen, aber ich könnte mir vorstellen, dass Mütter von sehr kleinen Kindern für gewisse Projekte gar nicht gefragt werden?! 

Auf Tour mit (kleinen) Kindern? Abends im Konzert und Kinderbetreuung? Welche Netzwerke nützen Musiker*innen?

Nora Mayer: Wir haben ein sehr gutes Netzwerk aus Familie und Freunden. Anfangs haben wir Baby samt Babysitter zu den Auftritten mitgenommen, in der Pause gestillt usw. Und sehr bald haben sie bei Oma und Opa übernachtet – das war dann schon eine Erleichterung!! Wir haben das Glück, dass beide Eltern-Paare in der Nähe wohnen und die Kinder sehr gerne dort sind.

„…ich stelle für mich den Anspruch, dass ich trotz Kindern meinen Beruf so professionell weiterführen möchte, wie vor den Kindern. Ich möchte da gar keine Sonderbehandlung.“

Was würdest du dir von Veranstalter*innen wünschen und wo muss man dringend etwas verändern?

Ich habe nicht das Gefühl, dass von Veranstaltern was verändert werden muss …

Braucht es allgemein mehr Sensibilität in der Szene? Was fehlt? Wird auf Special Needs eingegangen?

Nora Mayer: Ich weiß nicht, ich stelle für mich den Anspruch, dass ich trotz Kindern meinen Beruf so professionell weiterführen möchte, wie vor den Kindern. Ich möchte da gar keine Sonderbehandlung. Für mich stellt sich die Frage nach Special Needs usw. nicht. Es ist mit Kindern mehr Organisationsaufwand, Musikerin zu sein, das sicher, ja. Aber ich denke, gute Planung mit einer großen Portion Unkompliziertheit ist ein gutes Rezept! 

Die Zeiten haben sich geändert, Social Media bedient das Privatleben als auch das professionelle Umfeld. Wie gehst du damit in Hinblick auf deine Doppelrolle als Mama und Musiker*in um?

Nora Mayer: Meine Kinder sind auf meinen Social-Media-Seiten nicht präsent, das möchte ich auch nicht! Ich finde es nicht gut, wenn die Fotos meiner Kinder irgendwo im Internet herumschwirren. Wenn sie jemand kennen lernen möchte, muss er bzw. sie schon ein paar Kilometer fahren und uns persönlich besuchen kommen 😉 

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