
departure macht jährlich aktuelle Entwicklungen in den Creative Industries zum Thema – der heurige Schwerpunkt widmet sich der Musikwirtschaft. Warum ist derzeit dieser Zweig von großem Interesse?
departure versucht speziell mit der einmal jährlich ausgerufenen focus-Förderung Themenfelder der Kreativwirtschaft zu identifizieren, in denen aktuelle Entwicklungen oder veränderte Rahmenbedingungen die Branchen vor neue Herausforderungen stellen, und damit vor allem auch Chancen für innovative Projekte bieten.
Die viel zitierte digitale Revolution hat sämtliche Prozesse und Strukturen der Musikwirtschaft erfasst, parallel dazu hat sich in Wien in den letzten Jahren eine unglaubliche inhaltliche Qualität entwickelt. Aus unserer Sicht ist es der richtige Zeitpunkt, mit Fördermitteln in der Höhe von EUR 800.000.- notwendige Impulse zu setzen und damit beizutragen, die Wiener Musikwirtschaft in einer schwierigen Phase des Umbruchs voranzutreiben.
Inwiefern ist der Call hinsichtlich der ökonomischen Situation der Musikindustrie auch als Aufruf zum Krisenmanagement zu verstehen?
Die Akteurinnen und Akteure der Wiener Musikwirtschaft benötigen weder Aufruf noch Weckruf. Aber in gewisser Weise geht es in dieser Situation natürlich um eine Art von Krisenmanagement. Zeiten der Rezession sind oft die notwendige Triebfeder für Unternehmen, sich neuen Geschäftsfeldern und/oder Modellen zu widmen, wenn die bewährten Wege nicht mehr in ausreichendem Maße funktionieren.
Das gemeinsam mit FachexpertInnen und der Szene erarbeitete White Paper „focus Musik – Neue Töne der Musikwirtschaft“ zeigt hierfür mögliche Szenarien und Perspektiven auf, die monetäre Förderung erleichtert die ersten Schritte.

Der Call adressiert an all diejenigen, die sich mit der Verbreitung und Verwertung von Musik in einem wirtschaftlichen Kontext beschäftigen. Auch technologische Entwicklungen, bis hin zum Instrumentenbau, stehen in unserem Fokus. Lediglich die reine Musikproduktion an sich ist von der Förderung ausgenommen.
Innovationen in den Bereichen Entwicklung, Vermarktung und Verwertungsstrategien sind laut Ausschreibung beim diesjährigen Call gefragt. Inwiefern gibt es offensichtliche strukturelle Defizite in der österreichischen Musikwirtschaft?
Die im White Paper dargestellten Potenziale wurden in der Entwicklung neuer Produkt-, Prozess- und Dienstleistungsangebote, sowie neuer Schnittstellen und innovativer Netzwerkkonzepte gesehen. Darüber hinaus werden erfolgversprechende Ideen zur Standortstärkung und zum Aufbau internationaler Themenführerschaften nachgefragt, weil gerade hier Bedarf an strukturellen Entwicklungen besteht.
Die im White Paper genannten Themenstellungen sind exemplarisch zu verstehen. Wir freuen uns natürlich auch über spannende Konzepte, die das aufbereitete Terrain verlassen.
Gibt es Erfolgs- bzw. Vorzeigebeispiele hinsichtlich Departure geförderter Projekte im Bereich der Musikindustrie?
Ja, insbesondere Dienstleistungen für Musikschaffende und Verwertungsmodelle für die Musikwirtschaft, die von departure beim Aufbau des Unternehmens und der Entwicklung neuer Geschäftskonzepte unterstützt wurden, entwickeln sich erfolgversprechend.depar

Wir erleben gerade ein neues Selbstverständnis in den lokalen Musikszenen. Viele junge, aber auch die bereits etablierten Initiativen und Labels arbeiten mit großem Engagement und beflügeln sich gegenseitig. Wenn in der jetzigen Situation eine derartige Aufbruchstimmung erzeugt werden kann, darf man wohl optimistisch auf die nächsten 10 Jahre blicken. Entscheidend für kommende Entwicklungen wird sein, in wie weit wir es schaffen, eine internationale Sichtbarkeit zur erreichen.
Inwiefern ist die Innovationsgeschwindigkeit der digitalen Welt auch eine Hürde? Heute vernünftig und zielgerichtet klingende Projekte können in einem Jahr bereits anachronistisch wirken …
Die Innovationsgeschwindigkeit der digitalen Welt ist in erster Linie ein Faktum, dem wir uns nicht entziehen können. Ob aus Sicht einer Förderinstitution, einer Expertenjury oder eines Unternehmens, das sich mit ganzer Kraft und mitunter hohem Risiko einem neuartigen Projekt verschreibt, ist es jedoch wichtig, nicht nur auf aktuelle Trends zu setzen, sondern dauerhafte Geschäftsmodelle zu suchen, die auch mittelfristig Bestand haben können.
Welchen Rat und welche Tipps möchten Sie den heurigen EinreicherInnen mit auf den Weg geben?
Mit dem focus Call bietet departure Förderungen für die besten und erfolgversprechendsten Projekte an, die derzeit in der Wiener Musikwirtschaft erdacht und entwickelt werden. Jede und jeder, die oder der ein innovatives Konzept plant, sollte diese Chance wahrnehmen. Um sicher zu sein, dass das Vorhaben auch den Förderbedingungen von departure entspricht, empfehlen wir, sich vorab Feedback von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der departure Förderabteilung zu holen. Nach telefonischer Terminvereinbarung können Antragsberatungen wahrgenommen werden, in denen neben der inhaltlichen auch die formalen Bedingungen abgeklärt werden. Bis 3. Oktober 2011 ist es möglich, Projekte für den focus Call unter www.departure.at einzureichen.
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Wirtschaftsagenutr Wien