“Wienerlieder für Leute, die keine Wienerlieder hören”, so oder ähnlich könnte das Motto des Wiener Ensembles Kollegium Kalksburg lauten. Am 25. Dezember sind die drei Bühnenexzentriker wieder einmal zu Gast auf der Bühne des Wiener Porgy & Bess. Wie kaum eine andere heimische Formation vermag das Trio auf ihre eigene unnachahmliche Weise, Wahnsinn und Tradition zu vereinen.
Das Ensemble Kollegium Kalksburg besitzt die seltene Gabe, das Genre des Wienerliedes auch solchen Leuten näher zu bringen, die im Grunde genommen wenig bis gar nichts mit dieser Musikrichtung am Hut haben. Seit über zehn Jahren steht das Schaffen von Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Wolfgang Vincenz Wizlsperger ganz im Zeichen der Wiener Gesangs- & Musiktradition. Vielleicht ist es die besonders witzige Art und Weise, wie die Wiener Seele bis in ihre tiefsten Abgründe mit einem stets ironischen Unterton beleuchten. Humor ist eben, wenn man trotzdem lacht. Untermalt werden diese voller Witz steckenden Texte eben vom typischen Wienerlied, welches der Tradition verpflichtet, sich seit Anbeginn nicht wirklich geändert hat. Das Kollegium Kalksburg vermag es aber, diese auf einem hohen künstlerischen Unterhaltungsniveau darzubringen und sie in die heutige Zeit zu transportieren.
Nebenbei sind Ditsch, Skrepek und Wizlsberger allesamt hervorragende Musiker, die auch vor klanglichen Experimenten nicht zurückschrecken. Da werden schon einmal Dinge wie ein Kamm oder eine Säge zweckentfremdet und als Instrument genutzt. Grenzen, wenn es darum geht, auf der Bühne eine skurrile und zugleich unterhaltsame Vorstellung abzuliefern, haben sich die drei Herrschaften keine gesetzt. Dabei wechseln die Musiker gekonnt zwischen originellen Eigenkompositionen, entschlossen interpretierten Raritäten und verfremdeten Klassiker-Zitaten. Für die Texte zeigt sich Sänger und Bühnenexzentriker Vinzenz Wizlsperger verantwortlich, die Musik stammt aus der Feder des kongenialen Duo Heinz Ditsch und Paul Skrepek. Und natürlich darf bei alledem der beste Freund des Wieners, ein Achterl, nicht fehlen. Prost!
Michael Ternai
Foto Kollegium Kalksburg: Peter Kubelka

