„Ich war nie der Typ für große, dramatische, traurige Balladen“ – FELICE im MICA – Interview

Die Wiener Popsängerin FELICE hat mit neunzehn Jahren den Sprung über den großen Teich gewagt und ist nach New York gezogen. Inzwischen ist sie wieder nach Wien zurückgekehrt, nützt aber immer noch in Netzwerk in den USA, um Musik zu produzieren und zu promoten. In Wien studiert sie aktuell an der Friedrich Gulda School of Music. Ihre Musik ist geprägt von den Einflüssen der frühen 2000er. Dabei schafft Felice aber den Spagat zwischen nostalgischen Klängen und modernen Einflüssen. Im Interview mit Ylva Hintersteiner hat sie über ihre aktuelle Single „Just A Girl“ gesprochen, die am 27. Juni erscheint, darüber was sie nach New York verschlagen hat und darüber, wie sie Social Media nutzt, um eine vielfältige Fanbase aufzubauen.

Für alle, die dich noch nicht kennen – kannst du dich kurz vorstellen?

FELICE: Ja, gerne! Mein Name ist Felice, ich bin Popsängerin aus Wien und ich bin mit Ende neunzehn Jahren nach New York gezogen, um meinen Traum als Popsängerin zu verwirklichen. Meine Musik ist All About The Glamour, aber auch Authentizität ist für mich sehr wichtig, genauso wie Spaß. Upbeat und Dance – diese Dinge sind mir sehr wichtig.

Woher kommt dein generelles Interesse für Musik?

FELICE: Ich bin mit einem Jazz-Schlagzeuger als Vater aufgewachsen und habe aber auch schon als Kind extrem gerne Musik gehört. Mit vier Jahren habe ich angefangen, Klavier zu lernen, und mit acht begonnen zu singen. Mein Vater hat eine Art Jam-Session für Kinder ins Leben gerufen und sie „Kids Jam“ genannt. Dort habe ich mit anderen Kindern in meinem Alter gemeinsam Musik gemacht, und so hat es eigentlich angefangen, dass ich auf der Bühne stand und Popsongs gesungen habe. Ich war früher schon ein richtiger Lady-Gaga-Fan und war mit acht Jahren bereits in dieser Pop-Welt zuhause. Mit fünfzehn habe ich dann meine ersten professionellen Gesangsstunden genommen und zu diesem Zeitpunkt auch beschlossen, dass ich das hauptberuflich machen will.

Die Popsängerin Felice vor pinkem Hintergrund
Felice © opliegophoto

Hast du den Musikschulweg dann auch weiter verfolgt?

FELICE: Bis ich achtzehn war, besuchte ich ein normales Gymnasium, habe aber nebenbei meine eigenen Songs geschrieben und war mit fünfzehn Background-Sängerin für die amerikanische Künstlerin Gisele Jackson. Damals waren wir auf einer kleinen Tour durch Österreich und Serbien. Mit neunzehn habe ich dann begonnen, meine eigenen Songs aufzunehmen. Gleichzeitig habe ich für zwei Semester ein Studium am Jam Music Lab in Wien begonnen, bin aber danach nach New York gezogen und habe das Studium vorerst abgebrochen.

Es war die Musik, die mich hingezogen hat.

Was hat dich an New York so fasziniert?

FELICE: Ich weiß es gar nicht so genau, was mich wirklich an New York fasziniert hat. Aber schon mit fünfzehn war es mein Traum, nach New York zu ziehen. Ich war ein riesiger Ariana GrandeFan und durch sie bin ich auf Mariah Carey gekommen. Durch ihre Story bin ich auf die Idee gekommen, denn sie ist auch mit achtzehn Jahren alleine nach New York gezogen. Ich mag einfach generell die Musik sehr gerne, die aus Amerika kommt. Es war auch so gegen Ende der Corona-Pandemie und ich wollte einfach raus und war ready to go. Meine Eltern waren eigentlich dagegen, aber ich habe es trotzdem durchgezogen. Ohne richtigen Plan, aber es war die Musik, die mich hingezogen hat.

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Jetzt bist du aber wieder in Wien oder pendelst du zwischen New York und hier?

FELICE: Ich habe zwei Jahre in New York gelebt, gearbeitet und mir ein Leben aufgebaut und habe dort auch eine Musikschule besucht. Das war aber eher ein Art Programm und kein College. Aber ich hab einfach gemerkt, wie viel besser die Lebensqualität in Wien ist, deswegen bin ich doch wieder zurückgekommen. Aktuell pendel ich aber noch zwischen New York und Wien. Ich habe immer noch eine Wohnung dort und hab auch vor Kurzem neue Songs in New York aufgenommen. Ich habe gute Verbindungen in Amerika mit anderen Musiker:innen und Produzenten und habe dort auch ein Team. Also musikalisch arbeite ich sowohl in New York als auch in Wien.

„Ich denke, man kann immer wachsen, wenn man schaut – okay, was kann ich mir von wo holen?”

Aktuell studierst du in Wien an der Friedrich Gulda School of Music – welchen Schwerpunkt verfolgst du da und hat sich dazu dein Zugang zu deiner Musik geändert?

FELICE: Ich studiere Jazz- und Pop-Gesang an der Friedrich Gulda School of Music, aber bei mir ist jedenfalls der Schwerpunkt auf Pop. Ich hab schon das Gefühl, dass es mich beeinflusst hat, weil ich sozusagen gezwungen war, Songs und Genres zu lernen, die ich sonst normalerweise nie gelernt hätte. Gerade im Bereich Jazz ist es bei mir wirklich so, dass ich wenig bis keinen Bezug dazu hatte, obwohl mein Vater Jazzmusiker ist. Ich hatte einfach nie wirklich das Interesse daran. Aber wenn man dann gezwungen wird, etwas zu lernen, dann merkt man auch, wie viel man an der Aufgabe wachsen kann. Ich denke, man kann immer wachsen, wenn man schaut – okay, was kann ich mir von wo holen? Das merke ich auch bei den theoretischen Fächern. Zu schauen, wie es dann meinen Gesang beeinflusst. Meine Intonation hat sich beispielsweise extrem gebessert. Aber auch über die Geschichte der Musik habe ich viel gelernt. Bisher hat es mich jedenfalls sehr positiv beeinflusst.

Deine aktuelle Single „Just A Girl“ ist ebenfalls in New York von Arkeyz produziert worden – wie ist es dazu gekommen?

FELICE: Das ist eine sehr witzige Geschichte. Ich hab den Produzenten vor zirka einem Jahr kennen gelernt. Es war meine Endzeit in New York und ich wusste bereits, dass ich wieder nach Wien zurückkehren werde. Mir ging es auch gesundheitlich nicht ganz gut, aber ich hab mich trotzdem dazu entschieden, auf eine Fashion-Show von einer Designerin zu gehen, die mich dazu eingeladen hat. Dort hat mich dann ein Fotograf angesprochen, den ich auch schon von früher kannte und der wollte mir unbedingt einen Produzenten vorstellen. Ich war am Anfang super eingeschüchtert, aber ich habe ihn dann doch angesprochen. Wochen später haben wir geschrieben und er wollte einen Song machen, aber ich hab ihm ehrlich gesagt, dass ich zu dem Zeitpunkt für eine Produktion kein Budget hatte. Das war in New York generell ein wenig eine Schwierigkeit. Aber wir sind in Kontakt geblieben und heuer hat er wieder gemeint, wir sollten gemeinsam einen Song machen und ich habe zugestimmt. Er hat halt echt mit bekannten Künstler:innen zusammengearbeitet, etwa mit Justin Bieber oder Usher. Diese Chance musste ich einfach wahrnehmen. Wir haben dann ausgehandelt, dass er es für ein leistbares Budget machen kann und so hat es dann begonnen. Der Song ist eigentlich auf einem Beat entstanden, den ich vor drei Jahren in New York entdeckt habe. Davon habe ich die Hook genommen und sie ihm auf der Gitarre vorgespielt. Er war begeistert und hat dann noch eine Songwriterin mit ins Boot geholt und zu dritt haben wir dann an den Song gearbeitet. Es hat zwar ein bisschen gedauert, der Refrain war zuerst ein anderer, aber den haben wir dann zum aktuellen geändert und jetzt ist die Single fertig.

Die Popsängerin Felice kniet auf einem blauen Sessel
Felice © opliegophoto

Die Single hat etwas mehr Rock-Elemente, als die vorigen Releases – war das absichtlich?

FELICE: Ja! Es ist lustig, weil ich vor etwa einem Jahr angefangen habe, E-Gitarre zu lernen. Ich weiß eigentlich gar nicht warum – mir war einfach langweilig. Jedenfalls habe ich es gelernt und dem Produzenten die Hookline so vorgespielt, und es dürfte ihm gefallen haben. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn insgeheim war es schon ein bisschen mein Plan, diese Rock-Elemente mit Pop zu kombinieren. Das macht auch den Song aus – der Kontrast zwischen dem Girlyhaften und dem Rockigen.

Dieser 2000er-Style hat etwas Unbeschwertes, aber auch ein wenig Sarkastisches – in einer verspielten Weise.

Deine Musik, aber auch dein Styling hat einen starken Y2K-Bezug und erinnert mich an weibliche Pop-Größen der frühen 2000er wie Gwen Stefani und Anastacia – was fasziniert dich an dieser Musikrichtung und diesem Style?

FELICE: Ich liebe alles was 2000er ist. Dieser 2000er-Style hat etwas Unbeschwertes, aber auch ein wenig Sarkastisches – in einer verspielten Weise. Dieser übertriebene Glam, dieser Fun, die Girlyness – das fasziniert mich. Ich bin halt auch mit der Musik von Gwen Stefani und Anastacia unter anderem aufgewachsen und hab das einfach gerne gehört. Ich war nie der Typ für große, dramatische, traurige Balladen, sondern immer in dieser Musik zuhause, weil sie mich gut fühlen lässt. Es ist so unbeschwert, so fun und genauso finde ich sollte auch das Leben sein.

„Es gibt einem halt auch einfach die Chance, Leute zu erreichen, die man als Independent-Artist sonst nicht nie erreicht hätte.”

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Neben der Musik bist du auch auf Social Media recht präsent – macht dir das Spaß, diese Plattformen zu bespielen?

FELICE: Ja, auf jeden Fall. Ich finde, dass Social Media heutzutage zum Artist-Sein dazugehört und es fast unmöglich ist, das zu umgehen. Da hat sich halt einfach sehr viel geändert. Es gibt einem halt auch einfach die Chance, Leute zu erreichen, die man als Independent-Artist sonst nicht nie erreicht hätte. Man kann ein Video filmen und das könnte dann viral gehen – und das ist eine Möglichkeit, die es früher nicht gegeben hat. Das finde ich schon cool und ich mache es auch gerne. Natürlich ist es oft Arbeit, aber ich habe mich inzwischen mit der Idee angefreundet. Je authentischer ich auf Social Media werde, desto mehr positives Feedback bekomme ich auch. Dadurch habe ich auch einige Fans dazugewinnen können und die warten auch schon sehr gespannt auf die neue Single. Die sind alle supersüß und ohne Social Media wäre das nicht möglich gewesen.

Kannst du sagen wo deine Fanbase zuhause ist?

FELICE: Auf Spotify habe ich die meisten Hörer:innen in den USA. Einige natürlich auch in Wien, aber generell auch über Europa verteilt. Witzigerweise viele auch in Großbritannien, Schweden und Kroatien. Ich glaube, das meine TikTok-Videos auch eher in Europa ausgestrahlt werden, da ich sie von hier poste. Aber meine Fans kommen aus allen möglichen europäischen Ländern und das ist schon richtig cool.

Die Popsängerin Felice vor pinken Hintergrund
Felice © opliegophoto

Hast du schon Pläne, wie dein musikalischer Weg weitergehen soll?

FELICE: Ich hab jedenfalls jetzt einmal in New York vier Singles produziert. Also „Just A Girl“ und dann noch drei weitere Songs, die ich nach und nach rausbringen werde. Im Moment ist es strategisch für mich besser, bei Singles zu bleiben, weil ein Album ist vom Budget her schon sehr teuer. Natürlich würde ich gerne mal ein Album releasen, aber schauen wir mal, wann das soweit ist. Jetzt ist der Fokus jedenfalls einmal auf dem Single-Release und ich hoffe auch, den Song in Wien mehr promoten zu können, um mich da auch noch stärker zu etablieren. Ein Label-Vertrag wäre dann natürlich auch interessant, im nächsten Schritt. Und das Lied soll in einer amerikanischen Fernsehshow vorkommen – das ist auf jeden Fall geplant, dass wir es dort einreichen. Und wir arbeiten gerade daran, einmal im Monat im G5 in Wien eine Session zu veranstalten, so in Richtung Pop/Funk. Anfang des Monats sollte die dann immer stattfinden. Die erste Session ist am 9. Juli.

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Hast du noch abschließende Worte an deine Fans?

FELICE: Jedenfalls ein großes Dankeschön an alle. Wir haben sogar so eine Art Diva-Kult gestartet. Ich glaube, weil ich mich selbst so authentisch präsentiere, beeinflusse ich dadurch auch meine Fans. Für mich ist es auch das Wichtigste, so zu bleiben und sich Dinge zu trauen. Ich hoffe noch mehr Leute inspirieren zu können, auch aus ihrer Komfortzone zu treten und für sich etwas zu tun.

Perfekte Schlussworte – danke für das nette Gespräch!

Ylva Hintersteiner

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Live
09.07.25 Wien – Pop Session, G5

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Links
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