Bild Neiyla
Neiyla (c) Fabian Zebenholzer

„Ich vertraue beim Songschreiben meinem Bauchgefühl.“ – NEIYLA im mica-Interview

Sie wollte einfach nicht länger warten, bis ein Wunder geschieht und nahm die Dinge selber in die Hand. Die junge Linzer Liedermacherin NEIYLA unternahm alles, um ihrer musikalischen Karriere einen Stups zu geben und begann mit 16 eigene Konzerte zu organisieren. Zuerst in Linz, später auch in London, Berlin und anderswo. Mit ihrer im vergangenen Jahr veröffentlichten Debüt-Single „Good Thing“ schaffte sie es dann auf Anhieb in die Playlists einiger bedeutender österreichischer Radiostationen. Mit „Losing You“ erschien soeben ihre neue Single. Im Interview mit Michael Ternai erzählt NEILYA über ihren Traum, Musikerin zu werden, ihr gewachsenes Selbstvertrauen und die Ideen, die ihr in den Kopf schießen.

Zunächst einmal, wie geht es dir mit der aktuellen Situation? Wie gehst du mit ihr um?

Neiyla: Danke, es geht gut. Wobei die ganze Corona-Situation mein Leben – wie das auch aller anderen Musikerinnen und Musiker – ordentlich auf den Kopf gestellt hat. Der Alltag ist komplett verändert und die Zeit ist für Musik und Kunst aktuell schwer. Weil ich aber an dem Ganzen nicht viel ändern kann, habe ich mich bemüht, Positives aus der ganzen Situation herauszuziehen. Und ich denke, dass mir das ganz gut gelungen ist. Ich habe mich neu ins Songwriting verliebt und verbringe jetzt wieder extrem viel Zeit damit, Lieder zu schreiben. Die letzten Monate haben mich in gewisser Weise entschleunigt und mich auf meinen ursprünglichen Weg zurückgebracht. Ich habe begonnen, erstmals meine eigene Musik zu veröffentlichen, auch wenn es aktuell schwierig ist, hier etwas neu zu bewegen.

Warst du immer schon musikbegeistert? Oder hat man die Musikbegeisterung bei dir erst entfachen müssen? 

Neiyla: Die Begeisterung für Musik war eigentlich immer schon da. Und ich denke, ich habe da viel von meinem Vater mitbekommen, der selber Gitarrist war. Musik und Singen waren immer ganz wichtige Bestandteile in meinem Leben. Ich habe eigentlich schon in der Volksschule versucht, Songs zu schreiben. Natürlich waren diese Songs noch weit davon entfernt, dass man sie irgendeiner Form veröffentlichen hätte können, aber Musik war für mich schon damals sehr wichtig. Mit 15 habe ich dann richtig losgelegt, wobei ich schon auch weiterhin mit gewissen Selbstzweifeln zu kämpfen hatte. Ich hielt es einfach nicht für möglich, dass ich jemals als Künstlerin allein mit eigener Musik etwas erreichen könnte. Deshalb habe dann vorwiegend in Bands gespielt, was auch sehr schön war, weil wir doch einiges umhergekommen sind. 2020 war dann aber aus bekannten Gründen Schluss. Es war dann mit einem Schlag quasi alles, was ich mir über die Jahre aufgebaut habe, weg. Ich habe die Zeit aber dafür genutzt, mich wieder auf das zu besinnen, warum ich eigentlich Sängerin geworden bin. Und so bin ich wieder zu meiner eigenen Musik zurückgekommen.

Und mit welcher Musik bist du aufgewachsen? Welche Künstlerinnen und Künstler haben dich geprägt?

Neiyla: Die erste Künstlerin, die mich von klein auf wirklich begeistert und geprägt hat, war Whitney Houston. Als ich sie zum ersten Mal gehört habe, sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Später waren es dann Sängerinnen wie Beyoncé und Alicia Keys. Die beiden sind einfach bewundernswerte Frauen, die ihren eigenen Stil haben und sehr authentisch sind. 

Du bist trotz deines jungen Alters schon einiges herumgekommen. Wie ist es dazu gekommen, dass du unter anderem schon ein paar Mal in London gespielt hast? 

Neiyla: Ich hatte immer den Wunsch, Sängerin zu werden, und wie ich vorher schon erwähnt habe, habe ich mir das selber lange nicht zugetraut und mich selber in meinen Möglichkeiten sehr limitiert. Ich war immer sehr schüchtern und habe geglaubt, dass ich auf jemanden warten muss, der mich entdeckt. Nur ist es schwierig, im Kinderzimmer entdeckt zu werden. Irgendwann habe ich dann doch meinen ganzen Mut zusammengesammelt und bin mit meiner Demo durch ganz Linz gelaufen und habe in jedem Lokal nachgefragt, ob ich dort spielen darf. Und zu meiner Überraschung hat das wirklich funktioniert. Mit der Zeit ist das immer mehr geworden, bis ich dann das Gefühl bekam, dass ich gerne nach London will. Und für dort habe ich es genauso gemacht. Ich habe unzählige Venues angeschrieben. Und das hat auch funktioniert. Ich bin also schrittweise vorwärtsgekommen. Ich habe gelernt, dass man nicht auf jemanden warten darf, der die eigenen Träume erfüllt, sondern, dass man die Dinge selbst in die Hand nehmen muss.

Bild Neiyla
Neiyla (c) Fabian Zebenholzer

Du hast ja schon im letzten Jahr deine erste Single „Good Things“ herausgebracht. Die ist wirklich gut angekommen und hat auch den Weg ins Radio gefunden. Wie sehr hat dich dieser Start überrascht? 

Neiyla: Ich war extrem überrascht und berührt. Zudem auch extrem dankbar. Ich habe in die ganze Sache sehr viel Zeit und Arbeit hineingesteckt, aber eher mit dem Hintergedanken, dass ich es zumindest versucht habe. Ich habe eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass die Arbeit dann so schnell Früchte tragen wird. Ich habe daraus gelernt, dass ich ruhigen Herzens auch ein bisschen größer denken kann und darf.

„Ich bin zwar sonst auch ein sehr verkopfter Mensch, aber gerade beim Songschreiben nicht.“

Wie schreibst du deine Songs? Geht das auf Knopfdruck oder brauchst du eine bestimmte Stimmung dafür? Und worüber schreibst du?

Neiyla: Ich schreibe generell über Dinge, die mich beschäftigen und bewegen. Aber ich habe mich noch nie wirklich bewusst hingesetzt und gesagt: „So, jetzt schreibe ich einen Song.“ Es ist vielmehr so, dass mir die Ideen einfach in den Kopf schießen. Und das kann zu jeder Zeit und an jedem Ort sein. Als ich noch in der Schule war, habe ich mal vorgetäuscht, dass ich auf Klo muss, und habe vor dem Klassenzimmer dann die Songidee ins Handy gesungen. Und auch aus der Straßenbahn bin ich oft schnell ausgestiegen, um eine Idee niederzuschreiben. Ich vertraue beim Songschreiben meinem Bauchgefühl. Ich merke, dass sehr viele Musikerinnen und Musiker bei Songschreiben oftmals sehr verkopft sind. Bei mir schießt plötzlich eine Idee ein und wenn ich das Gefühl habe, sie ist cool, dann verfolge ich sie weiter. Ich bin zwar sonst auch ein sehr verkopfter Mensch, aber gerade beim Songschreiben nicht. Da geht es allein ums Spüren, Ausprobieren und Herumspielen.

Inwieweit spielt Perfektionismus bei dir eine Rolle? Oder bis du jemand, der sich mehr vom Gefühl leiten lässt?

Neiyla: Es ist eine Mischung aus beidem. Ich will schon, dass die Dinge perfekt sind. Und ich glaube, dass das manchmal für die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, nicht so einfach ist. Aber das Grundgerüst eines Songs entsteht großteils aus dem Bauchgefühl heraus. Aber es ist auch sehr viel Übung. Wenn man sieben Jahre lang an Songs schreibt, dann hat man irgendwann einmal das Gefühl dafür, was funktioniert und was nicht.

Es sind bis jetzt zwei Singles von dir erschienen. Und ich denke, dass du noch etliche andere Songs in der Hinterhand hältst. Gibt es schon Pläne für ein Album? 

Neiyla: Im Moment arbeite ich an einer EP, wobei aber jeder Song, der auf dieser sein wird, auch als Single erscheint. Aber natürlich ist es mein Ziel, irgendwann auch ein ganzes Album rauszubringen. Und es würde mich riesig freuen, wenn ich noch viel andere meiner Songs veröffentlichen könnte. Genug hätte ich ja mittlerweile. Aber im Moment liegt der Fokus jetzt einmal auf dieser EP. Gut Ding braucht Weile.

Wie sehen deine nächsten Pläne aus? Wie sehr fieberst du der Bühne wieder entgegen?

Neiyla: Ich vermisse die Bühne sehr. Erst wenn man etwas nicht mehr kann, merkt man, wie schön es eigentlich ist. Ich freue mich irrsinnig auf den Moment, in dem ich wieder ein Konzert spielen kann. Ich habe auch das Gefühl, dass ich durch diese Ruhepause wieder stärker zurückkommen werde, und es ist mein Plan wieder live zu spielen, sobald es wieder möglich ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Michael Ternai

++++

Links:
Neiyla
Neiyla (Facebook)