Am 7. Oktober 2026 präsentiert BENEDIKT FEHRINGER das Debüt-Albums seines Projekts FEHRINGER’S KALTE KÜCHE in der Sargfabrik. Im Interview mit Jürgen Plank erzählt der aus Niederösterreich stammende Trompeter von seinen musikalischen Wurzeln in der Blasmusik und davon, dass ihn Latino-Rhythmen immer fasziniert haben. Anklänge in diese Richtung finden sich am Album, tragen die Instrumental-Stücke doch Titel wie „Cuba Libre“ oder „Empanadas Pentagonales“. Ein besonderes Stück ist für Fehringer „Griasskoch von da Mama“, das ihn an die Kindheit im Retzer Land erinnert. Musikalische Mitstreiter:innen sind Antonia Moschen (Violine), Thomas Zahel (Akkordeon), Elias Zahraddnik (Gitarre), Alex Putz (Kontrabass) und Teresa Müllner (Perkussion).
Wo liegen deine musikalischen Wurzeln und was hast du vor dem aktuellen Projekt gemacht?
Benedikt Fehringer: Meine musikalischen Wurzeln liegen in der Blasmusik. Mein Opa war Schlagzeuger, er hat in jungen Jahren für eine Big Band gespielt. Und er hat Tanzmusik und Blasmusik gemacht. Er hat mich als Kind sehr geprägt und ich habe mit vier Jahren ein Schlagzeug am Dachboden vom Opa entdeckt. Beim anderen Opa habe ich eine Trompete gefunden, ich habe mit zwölf Jahren angefangen zu spielen. Mein Trompetenlehrer, den ich dann gehabt habe, war ein irrsinnig cooler Typ. Er war sehr musikalisch und hat in Leuten Begeisterung geweckt. Und er hat gefördert, dass man auch ein wenig über den Tellerrand schaut. Das hat dazu geführt, dass ich als Volksschüler auch Trompetenlehrer werden wollte und nach der Matura habe ich dann Popularmusik-Trompete studiert.
Wie kam es zu deiner Beschäftigung mit globalen Klängen und Traditionen wie Klezmer oder Latino-Rhythmen?
Benedikt Fehringer: Ich habe Klassik und Popularmusik studiert und ich bin immer zwischen zwei Sessel gesessen, sozusagen. Bei den Klassikern war ich der Popularmusiker und bei den Popularmusikern war ich der Klassiker. Dementsprechend wollte ich alles, was in mir vorgeht, verbinden. Ich komme aus der Volksmusik, von der Blasmusik. Und ich habe immer eine große Leidenschaft für Latin gehabt. Es hat lange gebraucht und die Ideen sind lange gereift und irgendwann ist das aktuelle Projekt entstanden und gewachsen.
„ES HAT MICH WÄHREND DES STUDIUMS MEHR GEREIZT, LATIN ZU SPIELEN ALS DIE JAZZ-STANDARDS, DIE EH JEDER UND JEDE SPIELT“
Latino-Bezug habe ich mir als Stichwort notiert, der ist durch die folgenden Liedtitel gegeben: „Cuba Libre“, „Empanadas Pentagonales“, „Saudade do As(s)ado“. Warst du schon in Lateinamerika und hast du dort mit Leuten gespielt?
Benedikt Fehringer: Nein, tatsächlich nicht. Es hat mich während des Studiums mehr gereizt, Latin zu spielen als die Jazz-Standards, die eh jeder und jede spielt. Ich habe vor vielen Jahren mal beim Tonkünstler-Orchester substituiert. Wir haben Konzerte im Musikverein und in St. Pölten gespielt, mit Roberto Fonseca. Er war einer dieser Buena Vista Social Club-Pianisten und das war ein cooles Erlebnis und so habe ich ihn kurz kennenlernen dürfen.

Deine Instrumente sind die Trompete und das Flügelhorn. Die Trompete wird in Lateinamerika gespielt, etwa in Mexiko und Kuba. Auch im Süden der USA, am Balkan und in den Alpen. Wie leicht oder schwer ist es für dich, die Trompete in verschiedenen Musiktraditionen zu verwenden? Ist die Trompete vielleicht eines der besten Instrumente, wenn man internationale Klänge will?
Benedikt Fehringer: Auf jeden Fall. Ich glaube, die Trompete ist sehr dienlich, was das betrifft. Und vielleicht ist die Trompete der Grund, warum ich so viel Verschiedenes mache und warum ich in diese verschiedensten Stile gehe. Weil es möglich ist und weil die Trompete eines der flexibelsten Instrumente ist. Gerade das Flügelhorn ist gar nicht so verbreitet, aber es macht für mich eine ganz eigene Klangwelt auf. Die sich im Gesamtklang mit der Kalten Küche sehr gut vermischt. Deshalb spiele ich bei der Kalten Küche hauptsächlich Flügelhorn.
Du komponierst die Stücke, wie erarbeitet ihr die Werke miteinander?
Benedikt Fehringer: Auf diesem Album gibt es acht Lieder, bei zwei Liedern habe ich alles komplett vorgegeben. Das sind zufälligerweise die zwei Titellieder „Kaviar und Champagner“ und „Griasskoch von da Mama“. Bei Stücken wie „Papaya“ und „Single Malt“ haben wir den Sound miteinander entwickelt. Ich komme mit einer Melodie, mit einer groben Idee, einer Akkordskizze zur Probe. Dann probieren wir den Song einfach. Dann habe ich es meistens so gemacht, dass ich einfach gefragt habe: was denkt ihr euch? Antonia, die Geigerin, hat ein sehr gutes Ohr und sagt dann gleich: die Wendung taugt mir nicht so, da höre ich einen anderen Akkord, probieren wir das mal so und so. Sie hat dann das Ruder übernommen und ich habe mich komplett herausgenommen.
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Wenn die Stücke instrumental sind, bekommen die Titel eine besondere Bedeutung. Das erste Stück heißt „Cuba Libre“. Man könnte auch eine politische Botschaft – für ein freies Kuba – herauslesen. Inwiefern schwingt das für dich mit?
Benedikt Fehringer: Ich habe mich ein bisschen mit dem Namen befasst und die Geschichte hinter dem Getränk gelesen. Es ist tatsächlich so, dass „Cuba Libre“ sozusagen als stiller Protest unter Exilkubanern getrunken wurde. Für mich ist das Projekt Kalte Küche nicht politisch. Ich bin zwar ein politischer Mensch und habe meine klare Meinung, aber für mich geht’s in dem Projekt um das Verbindende. In dem Fall geht es wirklich um das Getränk. Bei „Cuba Libre“ sehe ich einfach dieses Bild: Auf der Rückbank von so einem alten Chevrolet Cabrio fährst du durch Havanna und hast ein kühles Getränk in der Hand. Mit diesem treibenden Bass-Groove.
„ICH BIN DIESE KULINARISCHE WELTREISE FÜR MICH DURCHGEGANGEN UND HABE ICH MIR GEDACHT: VON DAHEIM HABE ICH NOCH NICHTS“
Das Gegenteil zu Havanna ist vielleicht das „Griasskoch“-Lied sozusagen. Ist das eine Referenz auf deine Kindheit und hast du das damals gegessen?
Benedikt Fehringer: Das ist ein ganz persönlicher Song. Das ist der letzte Song, den ich geschrieben habe, den Song habe ich zwei Wochen vor dem Studiotermin geschrieben. Ich habe gedacht, ich brauche einen ruhigen Song. Ich bin diese kulinarische Weltreise für mich durchgegangen und habe ich mir gedacht: Von daheim habe ich noch nichts. Und dann ist mir irgendwie diese Kindheitssituation in den Sinn gekommen: Meine Mutter isst sehr gerne Griesskoch, sie kocht das heute noch und hat das früher für die Kinder gemacht. Besonders im Herbst und Winter, wenn’s draußen gedämmert hat und zuzieht und ein Gewitter kommt. Dann haben wir ein Griesskoch gekriegt, mit ein bisschen Kakao drauf. Ich habe versucht diese Erinnerung zu vertonen.
Wie ist das beim Kaviar?
Benedikt Fehringer: Zu Kaviar, muss ich sagen, habe ich gar nicht so eine Affinität. Da war es so, dass ich das Lied geschrieben habe und danach habe ich erspürt: Was sehe ich? Das war für mich die rauschende Party mit Sekt, Kaviar und Champagner und mit der Dekadenz in den Kleidern der 1920er-Jahre. Das war der Grund für diesen Titel.

Wie ist es mit Volksmusik? Spielst du diese Richtung auch noch oder nicht mehr?
Benedikt Fehringer: Ich bin ja Retzer, ich bin an der Grenze zu Tschechien aufgewachsen, mit böhmisch-mährischer Blasmusik. Diese Polka-Märsche habe ich schon mit fünf Jahren gespielt, da war ich voll drinnen. Mit der alpenländischen Musik bin ich erst ein bisschen später in Berührung gekommen. Polka-Märsche spiele ich, wenn ich daheim bin, noch hin und wieder. Das passiert leider nur mehr sehr selten, was mir leid tut, weil ich das gerne mache. Ich habe früher einige kleine Blasmusikformationen gehabt. Alpenländische Volksmusik spiele ich noch sporadisch.
Die Region Böhmen und Mähren ist kulinarisch interessant und historisch eng mit Österreich verknüpft. Wäre das ein Hinweis fürs nächste Album?
Benedikt Fehringer: Mal schauen. Das Schöne ist, dass ich nicht explizit denke: Ich schreibe jetzt ein Lied für diese oder jene Region. Sondern ich habe eine Idee und die entwickelt sich. Und diese kulinarische Vielfalt ist für dieses erste Album von ganz alleine entstanden. Fürs zweite Album, sofern es eines geben wird, schauen wir mal. Die Band ist motiviert, ich bin es auch. Böhmen und Mähren ist durchaus eine interessante Region, sie ist vor allem kulinarisch sehr interessant.
Herzlichen Dank für das Interview.
Jürgen Plank
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Fehringer’s Kalte Küche live
07.10.2026, Sargfabrik, Wien, 19:30h
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