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Florian Parzer (c) Josef Beyer

„Es kann auch obsessiv werden […]“ – FLORIAN PARZER im mica-Interview

In einer kleinen Interview-Serie widmet sich MICA – MUSIC AUSTRIA österreichischen Produzentinnen und Produzenten und damit den Seiten von Musik, die meist im Schatten passieren. Zum ersten Gespräch traf Ada Karlbauer den Produzenten und Sound-Engineer FLORIAN PARZER, verantwortlich für die Kooperation mit vielen heimischen Acts wie SOHN, MAVI PHOENIX, BILDERBUCH und ALEX THE FLIPPER. Es ging um toxischen Perfektionismus, Hass auf junge Produzentinnen, den Produzenten als Eremiten, Beats für 2,99 US-Dollar, die es bis ganz nach oben schaffen, und natürlich um Playlists und generierte Musik.  

„Ich hatte nie den großen Plan, es ist einfach passiert.“ 

„Started from the bottom, now we’re here“, heißt es irgendwo. Wie DIY waren deine Anfänge? 

Florian Parzer: Meine ersten Versuche waren eigentlich komplett dilettantisch. Es hat alles mit meinem Bruder begonnen. Er hatte eine Band, obwohl eigentlich keiner in dieser so wirklich ein Instrument spielen konnte. Ich war damals dreizehn und irgendwer musste sich darum kümmern, dass man das Ganze auch hört. Also bin ich mit in den Proberaum gefahren und sie haben mir das Mischpult gezeigt. Ich habe mich damit zwar überhaupt nicht ausgekannt, aber so getan, als ob [lacht]. Durch die Notwendigkeit, mich damit auseinanderzusetzen, bin ich dann draufgekommen, dass es mir wohl doch liegt, und habe begonnen, meine eigenen Bands aufzunehmen und Freunden auszuhelfen. Ende der 2000er-Jahre habe ich mir gedacht: „Okay, das ist jetzt für drei, vier Jahre ganz gut gegangen.“ Es hat dafür gereicht, dass ich mir immer meine Miete zahlen konnte. Ich bekam aber das Gefühl, dass ich mir langsam überlegen sollte, was ich tatsächlich mit meinem Leben machen will, denn ich wusste, dass ich mit den kleinen Jobs für befreundete Bands nicht alt werden würde. Dann kam eines zum anderen und es ging immer weiter. Ich hatte nie den großen Plan, es ist einfach immer passiert.

Mit welchem Ereignis hat sich deine Arbeit schließlich professionalisiert?

Florian Parzer: Ich war mit Velojet, Bilderbuch und auch Trouble Over Tokyo, aus dem dann SOHN wurde, unterwegs. 2012 kam dann der Anruf, ob ich Zeit für eine SOHN-Show beim Eurosonic Noorderslag hätte. Zwei Wochen nach dem Festival wurden daraus sechzig Shows. 2014 kam dann sein Debüt „Tremors“ heraus, mit dem wir für 130 Shows auf vier Kontinenten auf Tour waren [lacht]. Von 2009 bis 2013 war ich eher im Indie-Bereich tätig, habe dort querbeet Sachen gemischt: Tracks für „Auf Pomali“, ein Album von Mitgliedern der Hörspielcrew und von Garish, das zweite Album von Across the Delta und auch das Debüt von Rika. Meine Bandbreite ging also von Indie bis zu Hip-Hop. Das war für mich auch ein extremer Lernfaktor, denn wenn man jünger ist, ist man auch oft engstirniger. Ich habe damals in meiner Blase gelebt und Pop war sowieso böse. Aber durch das Kennenlernen von Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Genres hat sich das aufgeweicht. Heute beurteile ich nicht mehr so sehr, ob es für mich gute oder schlechte Musik ist, sondern, ob sie gut gemacht ist oder nicht. Ich verschließe mich dem Mainstream nicht mehr kategorisch und verstehe, warum mir ein Song gefällt, auch wenn er cheesy ist.

Welche Faktoren sind in einer Zusammenarbeit für dich am wichtigsten?

Florian Parzer: Am wichtigsten für mich ist es, dass ich persönlich die Musik gut finde. In der Zeit als Nu Metal wieder modern geworden ist, wurde ich oft für Jobs angefragt. Ich habe diese aber abgesagt, obwohl sie besser bezahlt gewesen wären. Ich dachte mir, jemand, der einem Genre nähersteht und es abfeiert, erledigt auch einen besseren Job, weil die- bzw. derjenige sich im Vergleich zu mir viel mehr damit auseinandersetzt. Es gibt ja auch große Unterschiede von der technischen Seite her und der Herangehensweise in Bezug auf den Sound. Natürlich könnte man sich das alles anlernen, auch wenn man es ästhetisch nicht unbedingt schön findet. Aber jemand, der das im Blut hat, liefert einen perfekten Job ab.
Als meine Zusammenarbeit mit SOHN begonnen hat, ist die Album-Produktion ein bisschen eingeschlafen. Es ist aber auch nur logisch, dass niemand mit der Albumproduktion auf mich wartet, wenn ich 180 Tage im Jahr nicht im Land bin.

Eines ist offenkundig: Es gibt sehr wenige Produzentinnen in Österreich. Woran könnte das liegen?

Florian Parzer: Ich würde mir wünschen, es wäre anders. Ich denke, ein Grund ist, dass Frauen zu wenig für den Bereich interessiert werden. Bis vor zehn Jahren war es ja eher die Ausnahme, dass Frauen in Bands gespielt haben. Für mich war beispielsweise Marlene Lacherstorfer [damals Velojet, heute Clueso, Soap & Skin, Alma etc.; Anm.] eine der wenigen Ausnahmen und ich empfand das damals sehr erfrischend. Nur, diesen Umstand allein als erfrischend zu empfinden, ist schon absurd.  Es hat sich in den letzten fünfzehn Jahren zwar Gott sei Dank einiges getan – man denke nur an My Ugly Clementine, Dives und viele mehr –, aber wir sind immer noch weit entfernt von einem gesunden Verhältnis. Dieser Geist schwappt allerdings nicht so richtig in die technischen Bereiche über.  

Viele werden in den immer noch stark männlich dominierten Szenen auch einfach nicht ernst genommen und unterschätzt.

Florian Parzer: Das hat bestimmt viel damit zu tun. Das war bei Mavi Phoenix auch lange Zeit so. Und ich muss echt sagen „Hut ab“, weil da gab es am Anfang so viel hate. Man muss sich vorstellen, da probiert ein zum damaligen Zeitpunkt junges Mädchen selbst etwas zu produzieren: Natürlich hat das qualitativ nicht sofort das höchste Level. Aber es probiert zumindest jemand etwas und hat eine Vision, damit erfolgreich zu werden. Man kann nicht von Anfang an die oder der Beste sein, es geht vielmehr darum, sich zu trauen, mit etwas rauszugehen. Mit der Zeit professionalisiert sich das von selbst. Wenn man viel Zeit mit etwas verbringt, was einem wichtig ist, wird man automatisch besser und man findet eine eigene Identität. Nach dem Coming-out als Transgender hat Mavi Phoenix wieder hate abbekommen und Follower verloren, was ich komplett lächerlich finde. Entweder man findet die Musik gut oder eben nicht. Es sind leider immer nur kleine, kleine Tropfen und es wäre schön, wenn es schneller gehen würde. Aber man darf sich auf keinen Fall entmutigen lassen.

Deine Zusammenarbeit mit Bilderbuch hat genau zu dem Zeitpunkt geendet, als „Maschin“ herauskam und damit der große Erfolg. Bereust du das?

Florian Parzer: Nein, überhaupt nicht. Aber damals haben schon alle gesagt: „Es ist doch Wahnsinn, dass du von BILDERBUCH weggegangen bist.“ Zu dem Zeitpunkt hatte ich eben Verpflichtungen mit SOHN, wo wir zu einer kleinen, eingeschworenen Familie zusammengewachsen sind. Es war zeitlich einfach nicht mehr möglich, andere Künstlerinnen und Künstler adäquat zu betreuen. Mittlerweile arbeite ich wieder mit Bilderbuch zusammen, wobei sich in der Zwischenzeit natürlich extrem viel geändert hat. Ich kenne die Jungs jetzt seit über zehn Jahren und ich war mit ihnen von frühen Tagen an unterwegs, als wir noch im Sprinter Kilometer abgespult und vor dreißig Leuten im Jugendzentrum gespielt haben [lacht]. Heutzutage ist das eine extrem professionelle Organisation. Das ist einfach eine ganz andere Ebene. Es ist alles ist getimter, es gibt glasklare Visionen und langfristige Pläne und Ideen. Mit SOHN war es eher so, dass wir unterwegs waren, nebenbei Shows gespielt haben und alles ist irgendwie in Echtzeit entstanden und passiert ist.

„[…] das Gefährliche ist, Sachen nicht beenden zu können.”

An der Produzenten-Tätigkeit haftet das romantische Bild des einsamen Eremiten. Kannst du dich damit identifizieren? 

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Florian Parzer (c) Michael Obex

Florian Parzer: Ja, genau. Ich mag das eigentlich ganz gern, es gibt sogar Studien dazu. Wenn man das Technische mit dem Kreativen verbindet, verursacht das im Gehirn eine meditative Wirkung und man vergisst auf alles rundherum. Man bekommt sozusagen einen Tunnelblick. Man nimmt das außen nicht mehr richtig wahr. Das ist für Außenstehende oft ein bisschen befremdlich. Es kann auch obsessiv werden, denn das Gefährliche ist, Sachen nicht beenden zu können. Mir fällt es leichter, wenn ich für Künstlerinnen und Künstler arbeite, denn dann haben die das letzte Wort, auch wenn ich selber manchmal nicht zu hundert Prozent zufrieden bin. Wenn ich selbst die Entscheidungsgewalt habe, dann verläuft das oft anders und es gibt Revision nach Revision.

Wird dieser Perfektionismus manchmal toxisch?

Florian Parzer: Ja, definitiv. Im Studio hat man einfach die Möglichkeit, komplett zu versinken. Mir hat die Live-Erfahrung da schon auch dabei geholfen, aus meinem eigenen Perfektionismus zu einem gewissen Grad herauszukommen. Wenn du nur eine Chance hast, dann triffst du Entscheidungen auch automatisch schneller und intuitiver. Wenn ich dann im Live-Bereich auf Menschen treffe, die hauptsächlich im Studio arbeiten, kann es passieren, dass der Soundcheck plötzlich drei Stunden statt einer Stunde dauert.

Gibt es im direkten Vergleich auf internationaler Ebene große Unterschiede?

Florian Parzer: In L.A. haben viele beispielsweise den Anspruch, immer „größer“ zu werden. Dort geht es hauptsächlich darum, mit bestimmten Namen zusammenzuarbeiten. Dagegen ist Österreich sehr familiär, die Szene ist meiner Meinung sehr gesund gewachsen. Als ich begonnen habe, gab es fünf einigermaßen relevante Bands, viel Neid untereinander und sehr wenig Aufmerksamkeit. Heutzutage wird handgemachte österreichische Musik vom Publikum viel besser wahrgenommen als noch vor zehn Jahren. Zu jener Zeit hieß es noch: „Für Österreich ganz gut.“ Die Bands, Künstlerinnen und Künstler sowie Produzentinnen und Produzenten haben sich auf allen Ebenen verbessert. Es liegt also nicht nur daran, dass gerade eine spezielle Aufmerksamkeit auf der österreichischen Szene liegt. Die Qualität hat in allen Bereichen einfach stark zugenommen, wobei der Faktor Internet dabei sicher eine Rolle spielt. Jede und jeder kann inzwischen zu Hause produzieren und es ist eigentlich irrelevant, woher man kommt.

„Früher war Studioarbeit komplett elitär.“

Durch das Internet wurde der Zugang zu Produktion und Studioarbeit vom abgehobenen Expertentum befreit. Was sind deine Gedanken dazu?

Florian Parzer: Früher war Studioarbeit komplett elitär. Man musste als Künstlerin bzw. Künstler viel Geld in die Hand nehmen, ein Label für die Finanzierung finden oder eben ein Praktikum machen und darauf hoffen, sich irgendwie hochzuarbeiten. Im Kontrast dazu sieht man heute an den Billboard-Charts, dass nicht mehr nur große Produktionen die ersten Plätze belegen, sondern auch Künstlerinnen und Künstler, die für 2,99 US-Dollar einen Beat kaufen und drüberrappen. Irgendeine Freundin bzw. irgendein Freund produziert es dann. Oder es sind Heimstudioproduktionen wie bei Lorde oder Billie Eilish.

„Früher musste man einfach längere Wege gehen, um an Informationen zu gelangen […]“

Dieser vermeintlich niederschwellige Zugang zur Produktion prägt auch die Gesamtästhetik der Musik: andere Formen und Styles setzen sich durch.

Florian Parzer: Yung Hurn entstand beispielsweise aus so einem Mindset. Der Lex Lugner, der das produziert, hat, glaube ich, von sich selber mal gesagt, dass er zu Beginn eigentlich gar nicht so genau gewusst hat, was er da macht und wieso es funktioniert. Aber scheinbar gefällt es den Leuten. Inzwischen prägt es ganze Musikszenen.
Die Aufmerksamkeitsspanne wird meines Erachtens in allen Bereichen immer kürzer und ich habe bemerkt, dass auch die Songs, die ich zum Mischen bekomme, in den letzten fünf Jahren immer kürzer wurden. Früher war es normal, dass eine Radiosingle vier Minuten dauert, irgendwann dann drei und jetzt sind wir teilweise schon bei zwei Minuten angelangt, wo ich mich frage: „Was will man da noch erzählen?“ Früher hatte man mehr Zeit: Intro, erste Strophe, Chorus, zweite Strophe, Bridge, Chorus und so weiter. Und jetzt ist es: Intro, Chorus, erste Strophe, Chorus, Bridge, Chorus – und aus. Es wird alles immer kompakter im Mainstream-Bereich. Natürlich gibt es auch Ausnahmen von Musiksparten, in denen diese Gesetze irrelevant bleiben. Früher musste man einfach längere Wege gehen, um an Informationen zu gelangen, und hat es deshalb auch anders genossen. Wir erziehen uns selbst dazu, Medien anders zu konsumieren, und da ist Musik scheinbar keine Ausnahme.

Die kollektive Endzeitstimmung beim Blick auf die aktuelle Musikindustrie wird langsam langweilig. Welche positiven Perspektiven gibt es hier?

Florian Parzer: Prinzipiell hat es gutgetan, dass durch diese Entwicklungen mehr Leute zum Musikmachen gekommen sind. Ich zähle zu der glücklichen Generation, die noch beides erlebt hat. Ich hatte zwar erst mit achtzehn mein erstes Handy, war aber trotzdem schon immer ein Computer- und Internet-Kid. Früher war das Internet aber einfach noch zu ganz anderen Zwecken da: Kommunikation und Vernetzung mit irgendwelchen Leuten am Ende der Welt. Das würde man heute auch nicht mehr in der Form machen. Ganz im Gegenteil, Social Media haben für mich ziemlich an Relevanz verloren, denn durch die Algorithmen und Blasenbildung sehe ich nicht mehr das, was ich ursprünglich sehen wollte, sondern das, wovon andere denken, dass ich es interessant finden könnte bzw. dass irgendwer damit Geld machen kann. Das findet in ähnlicher Form ja auch in der Musikindustrie statt, indem man sich immer auf Trend-Genres wirft, also dorthin, wo das schnelle Geld zu Hause ist. Die Tendenz, gleich mitzumachen, wenn ein Stil funktioniert, wie zum Beispiel bei Dubstep oder Trap, ermüdet mich extrem, weil sie dazu beiträgt, dass alles immer einheitlicher klingt.

Die Wechselwirkung zwischen der Promotion-Arbeit von Major-Labels und dem kommerziellen Musikjournalismus ist in diesem Zusammenhang auch zentral, gerade im Branding und in der Genre-Frage.

Florian Parzer: Das stimmt schon. Früher war es so, dass die klassischen Musikmedien wie Musikexpress, Visions etc. ein sehr breites Spektrum abgedeckt haben, das ging von Metal über Indie bis hin zum Hip-Hop. Irgendwann kam dann die Zeit der eher spezialisierten Blogs. SOHN wurde beispielsweise massiv durch Blogs gehypt und es gab in kürzester Zeit eine weltweite Aufmerksamkeit, noch bevor ein erster Release da war. Durch Mittel des reinen Musikjournalismus wäre das in der Form nicht möglich gewesen. Plötzlich ging es allerdings nur mehr darum, in die wichtigen Blogs reinzukommen, um relevant zu sein und einen Hype zu generieren, da natürlich auch die Musikpresse dadurch beeinflusst wurde. Dasselbe Phänomen gibt es auch bei den Playlists auf Spotify. Am Anfang noch von privaten Userinnen und Usern zusammengestellt, geht es inzwischen nur mehr darum, in die großen, wichtigen Playlists reinzukommen, um möglichst viele Streams zu generieren.

„Inzwischen wird oft der Zeitpunkt übersehen, ein Album oder einen Track rauszubringen, weil alle versuchen, alles richtig zu machen […]“

Es geht hier nicht mehr nur ums Reinkommen, sondern der Sound selbst wird schon für die Playlist produziert, generierte Musik eben.

Florian Parzer: Wenn sich neue Möglichkeiten bieten, werden die Menschen auch versuchen, diese auszunutzen. Es ist allerdings auch ein Kreativitätskiller und ein Killer für Neues. In diesem Zusammenhang finde ich es sehr mutig, wie Bilderbuch damit umgeht. Immer wenn mir Demos vorgespielt wurden, habe ich mir nur gedacht: „Ihr seid einfach wahnsinnig.” [Lacht]. Aber im positiven Sinne, weil nie Trends hinterhergelaufen wird. Sie scheißen einfach völlig drauf. Wenn man zehn Bands nebeneinanderstellt, würden sich wahrscheinlich acht davon für eine sichere Variante entscheiden. Bilderbuch sind einfach Menschen, die sich nie mit dem Status quo zufriedengeben. Für mich sind sie daher eine Ausnahmeerscheinung in der heutigen Zeit. Ebenso Mavi Phoenix im Sinne der Selbstproduktion und Selbstbestimmtheit. Es ist schön zu sehen, wenn die Message, die ein Album transportiert, wichtiger ist als das Schielen auf kommerziellen Erfolg. Das passiert heutzutage leider immer seltener.
Inzwischen wird oft der Zeitpunkt übersehen, ein Album oder einen Track rauszubringen, weil alle versuchen, alles richtig zu machen und zu schauen, wann welcher Style am besten funktionieren könnte. Es werden dann hippe Produzenten à la James Blake engagiert. Alle sprechen darüber und am Ende kommt das Album dann nicht raus.

Welche Produzentinnen und Produzenten sind eigentlich gerade am hippsten?

Florian Parzer: Es gab immer so Koryphäen für einen jeweiligen Zeitraum. Lange Zeit war es Timbaland, dann Pharrell Williams, Mark Ronson war auch voll dabei. Aber jetzt im Moment, muss ich gestehen, verfolge ich das alles nicht mehr wirklich. Ich habe das Gefühl, dass ich in meiner Freizeit einen Ausgleich von Musik benötige. Alle zwei Monate denke ich mir dann: „Ich habe eigentlich überhaupt keinen Plan, was gerade so abgeht.“ Ich schaue mir dann die Billboard-Charts an und skippe mich durch. Das ist meistens eine schnelle Angelegenheit. Das ist eine der traurigen Seiten meines Berufs. Ich denke, als ich noch nicht in diesem Bereich gearbeitet habe, hat mich Musik noch ganz anders „gecatcht“. Ich kann Musik auch einfach nicht mehr objektiv hören. Als ich ein Teenager war, war das noch anders. Ich erinnere mich noch an das erste Coldplay-Album, das ich bei einem Studi-Job bei der Post immer gehört habe. Die Stimmung dieses Albums ist für mich so stark mit gewissen Situationen aus dieser Zeit verbunden und so etwas erlebe ich einfach nicht mehr. Es berührt mich einfach kein Album mehr so. Aber ich höre auch eigentlich keine kompletten Alben mehr [lacht]. Dieses Gefühl hätte ich gerne wieder. Ich hätte gerne, dass ich Musik höre und einfach begeistert bin.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ada Karlbauer

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