Bild b. good vogel
b. good vogel (c) Pressefoto

B. GOOD VOGEL – „What a pitty“

Nein, der musikalisch konventionelle Weg ist es definitiv nicht, den das Zweiergespann B. GOOD VOGEL auf seinem neuen Album „What a pitty“ (Gehdanke Records) geht. Was die beiden Musiker MARC VOGEL und LUKAS SCHIEMER auf erfrischend unangepasste Art abliefern, ist ein Lehrbeispiel im Zeichen der hohen Kunst der Improvisation eigener Note. 

Wer sich dieses Album zu Gemüte führt, darf wirklich mit allem rechnen, nur nicht mit dem musikalisch Herkömmlichen oder Gewohnten. Marc Vogel (Schlagzeug, Sampling Pad) und Lukas Schiemer (Saxofon, Keys, Stimme) – die beiden Köpfe hinter b. good vogel – tauchen auf ihrem Album tief in die Welt der Improvisation ein, an einen Ort, an dem die musikalischen Regeln und stilistischen Eindeutigkeiten vollkommen außer Kraft gesetzt zu sein scheinen. Das Zweiergespann aus Vorarlberg formt sich aus den Elementen des Jazz und der experimentellen Elektronik seinen eigenen Ausdruck, der seine Lebendigkeit vor allem aus dem unkonventionellen musikalischen Dialog der beiden Protagonisten gewinnt und im Ergebnis das Bekannte weit hinter sich lässt.

Die musikalische Eigenwilligkeit zum Programm gemacht

Albumcover What a pitty
Albumcover “What a pitty”

Was b. good vogel genüsslich zelebrieren, ist das strukturierte Chaos fern aller traditionellen musikalischen Ansätze. Der Sound, der zum Erklingen gebracht wird, ist einer, der in unterschiedlichsten Intensitäten zu Tage tritt und außerordentlich viel Raum für eine Menge Schräges bietet. Und obwohl so etwas wie Melodien und ein eigängiger Rhythmus – wenn überhaupt – nur in Spurenelementen vorhanden sind, offenbaren die Stücke dann dennoch eine gewisse Musikalität, die – immer wieder versetzt mit diversen Sprachsamples – auf seltsame Weise eine Anziehungskraft entwickelt. Anders als viele andere Formationen, die das freie Spiel praktizieren, verzichten Marc Vogel und Lukas Schiemer auf das übersteuerte Noisige, auf das ungestüme Wilde, sie wandeln auf einem eher reduzierten klanglichen Pfad, auf einem, der seine Kraft und auch seine Atmosphäre mehr aus der Zurückhaltung gewinnt.

„What a pitty“ ist ein Album geworden, auf dem die musikalische Eigenwilligkeit zum Programm gemacht wird. b. good vogel unterstreichen, dass sie definitiv anderes im Sinne haben, als einfach nur zu unterhalten. Ihr musikalischer Ansatz ist ein aus dem Rahmen des Üblichen fallender, einer, der zugegebenermaßen fordert. Aber genau dieser Aspekt macht diese Veröffentlichung auch zu einer nachhaltig spannenden.

Michael Ternai

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