13. Komponistenforum Mittersill ging am Samstag mit tollen Ergebnissen zu Ende

In Mittersill schloss am Samstagabend das heuer bereits ins 13. Jahr gekommene Komponist/innenforum nach neun Tagen Dauer. Wie immer umsichtig, vielfältig und mehrere interessante Seiten des Mottos, heuer: Stimme(n) Atmen, erhellende und auslotende Konzerte, Aktionen und Gespräche (darunter ein Symposion mit Gästen und Vorstellungsabende mit den Teilnehmern) gelangen Wolfgang Seierl und seinen Mitarbeitern auch heuer, allein schon durch die Zusammensetzung der geladenen Residenzkünstler (nicht nur im Kompositionsgenre allein tätig) und einer Reihe von Gästen.

Unter letztere fielen etwa der namhafte Vertreter der Interpretation indischer klassischer Musik Ritwik Sanyal, oder die verdiente, in Wien schon lange tätige Sopranistin Christine Whittlesey in einem Konzert in der Annakirche, Schulchor und Ensemble St. Ursula aus Salzburg, Franzobel mit einer Lesung von satirischen Texten, nicht zu vergessen sechzehn 12-13jährige Mädchen aus dem “Kreativzweig” der Hauptschule Uttendorf, die unter Anleitung von kompetenten Betreuern (Oliver Kraft, Birgit Mühlmann-Wieser) ein tolles Bewegungstheaterprogramm erarbeiteten und ertanzten und auch in Mittersill mit Hingabe vorführten.

 

Aber kommen wir zu den heurigen ResidenzkünstlerInnen: Eingeladen waren Elisabeth Harnik, die vielseitige junge Grazer Komponistin und Pianistin, Christian Ofenbauer, der das Symposion sehr belebte, aber wegen eines Termins nicht bei den Schlusskonzerten sein konnte, weiters der aus Venezuela, stammende, schon lange in Wien ansässige “Turntablist”, Elektroniker und Komponist Jorge Sánchez-Chiong. Weiters “Parkdeck” aus Deutschland, bestehend aus Alois Späth (Bariton, auch Elektronik) und Joachim Höchbauer (Bass), fallweise noch ergänzt durch den Elektroniker Thomas Wagensommerer als Videomacher (für einen urkomischen kurzen Film mit Zweigesang im Stall vor den Kühen oder vor den Supermarktkassen in Mittersill) und der “Hausphilosoph” und in Yoga und mythischen Lehren (inklusive Mesmerismus) beim Forum tätige und auch beim Schlusskonzert wunderbar in ein Stück eingebaute und dort lesende bayerische Theologe Karl Baier. Last but not least die Schweizer Komponistin und Geigerin Helena Winkelman (in Mittersill heftig an einem Auftragswerk für London feilend und übend) und die in Mexico geborene und in Wisconsin/USA als Professorin für zeitgenössische Musik lehrende Komponistin und Dirigentin Laura Elise Schwendinger.

 

Einatmen – Ausatmen.

 

Was da diese im Einzelnen, auch sehr viel davon gemeinsam einträchtig erarbeitende und in produktivem Austausch stehende Künstlergemeinschaft, die  unvergleichlich fürs leibliche und geistige (Vogelbeerschnaps!) Wohl vom Gastgeberteam des Schachernhofs umsorgt wurde, an Ergebnissen lieferte, konnte sich beim “Ausatmen”, zwei abschließenden Konzerten am Freitag und Samstag im Musikum Mittersill sehen und hören lassen. Es macht der diesjährigen Ausgabe des Komponistenforums alle Ehre. In einer “Nacht der experimentellen Musik” konnte das Publikum einige Zusammenstellungen wer mit wem musiziert sogar im Blind Date durch Nummernlose entscheiden. Zudem waren als Gäste noch die hervorragende Sopranistin Agnes Heginger und der ein wenig zu sehr als “Rampentier” hervortretende Didi Bruckmayr, sowie Evira Fuji & Herbert Weixelbaum mit “game boy-discs” (ja, so was gibt`s!) eingeladen.

 

Beim Schlusskonzert spannte sich der Bogen der acht Uraufführungen von Elektronik und Turntables (genial und einfühlsam gerackert hatte Jorge Sánchez-Chiong), zu Mischungen dieser devices mit Sängern und Instrumenten. An der Flöte wirkte auch die begabte Hemma Geitzenauer an der G-Bassettflöte und insgesamt fünf Blockflöten mit. Bemerkenswert unter den rein akustischen und leisen Kompositionen: Von Elisabeth Harnik  das Trio für Gesangsduo und G-Bassett sowie ein weiteres Stück für Sprecher und windmaschinenbetriebene Flöten, deren Klangspektrum durch sukzessives Entfernen von Klebeband in immer weitere Höhen geschraubt wurde – “wie wundersam der wind”. Auch der Beitrag von Laura Elise Schwendinger für Gesangsduo, Flöte und ebenfalls von sehr präzise und klangschön gespielte Violine, gespielt von Helena Winkelman dirigiert von der Komponistin, überzeugte. Und wer diesmal nicht kam ist selber schuld.
Heinz Rögl
(dieser Beitrag erschien – mit unwesentlichen Kürzungen und Änderungen – am 22.9. auch in den Salzburger Nachrichten)

 

Das Programm des Abschlusskonzertes im Detail:

Tetrapark von Parkdeck, Hemma Geitzenauer und Jorge Sánchez-Chiong,
wie wundersam der wind von Elisabeth Harnik, Karl Baier und Hemma Geitzenauer
sozzkxyorr mit Jorge Sánchez-Chiong und Thomas Wagensommerer
Mittersill#13 mit Elisabeth Harnik und Jorge Sánchez-Chiong
not all there von Elisabeth Harnik
Cow Music von Laura Schwendinger
und das Video einparken von Ensemble Parkdeck

 

Fotos © Hörbst und Husinksy