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„Wir haben alle Lust auf neue Sounds“ – MAX HOLZ im mica-Interview

Vor Kurzem hat die Wiener Band MAX HOLZ ihr Debütalbum „Winter“ veröffentlicht. Im Gespräch mit Jürgen Plank erzählten MARTIN MIKULIK und GREGORIO LUBROTH, wie die Musik von MAX HOLZ entsteht, welche Querverbindungen in Richtung Blues, Jazz und Operngesang bestehen und welche historische Figur hinter dem Bandnamen steckt.

Welche Bandnamen wurden von Max Holz ausgestochen?

Gregorio Lubroth: „Campagna“ haben wir nicht genommen, das bedeutet so viel wie Landschaft auf Italienisch. Max Holz war von Anfang an unser Favorit. Dieser Name eröffnet natürlich sofort die Frage: Wer ist das? Wer in der Band ist Max Holz? Oder ist das eine historische Persönlichkeit? Eigentlich ja, denn das war ein Kommunist in Berlin in den 1930er-Jahren, aber das hat mit uns nichts zu tun. Es ging um die Phonetik des Namens und um die Verbindung zum Material Holz.

Martin Mikulik: Wir verwenden alle Holzinstrumente.

Das aktuelle Album „Winter“ wurde im Wiener fluc präsentiert. Wie war die Release-Show?

Martin Mikulik: Es war super, anfangs hat es zwar ein paar Pannen gegeben, aber dann haben wir einen sehr guten Sound gehabt. Für einen Mittwoch mitten in der Grippezeit war das Konzert auch gut besucht, an die hundert Leute, bunt gemischt: von Anfang zwanzig bis fünfzig. Wir haben mit der Vorgruppe Cousines like Shit auch einige Nummer gemeinsam gespielt. Es hat alles einen spontanen Charakter gehabt.

Wie sind Sie zu Max Holz gekommen und was läuft aktuell bei Ihren Soloprojekten?

Martin Mikulik: Ich bin durch Felix Kabas zu Max Holz gekommen, er hat auch eine Zeitlang bei meiner alten Band Radical Chique mitgespielt, mit der gab es das letzte Konzert im Jänner 2018. Ich bin im Jahr 2014 zu Max Holz gestoßen.

Wie war der Beginn für Sie?

Martin Mikulik: Wir haben gleich mal ein Bandwochenende in Salzburg gemacht, in der Nähe von Saalfelden. Da haben wir im Wohnzimmer alles aufgebaut, inklusive Schlagzeug, und haben gejammt und auch miteinander gekocht. Das war ein gutes Teambuilding, kann man sagen. Jetzt möchte ich mich wieder mehr auf Soloaktivitäten konzentrieren, im Herbst kommt wahrscheinlich ein Soloalbum.

Bei Max Holz ist auch ein Akkordeon unter den Instrumenten, gehen Sie zur Inspiration zu Konzerten beim Akkordeon Festival?

Martin Mikulik: Inspiration, ja, aber wir versuchen auch, Friedl Preisl dafür zu gewinnen, dass wir nächstes Jahr beim Akkordeon Festival spielen können. Unser Akkordeonist Felix Kabas ist ein regelmäßiger Besucher des Akkordeon Festivals.

„Ich singe ein bisschen wie Pavarotti in der Duschkabine.“

Was inspiriert Sie als Band?

Martin Mikulik: Musik, die uns inspiriert, kommt von der Band Beirut und auch von der New Yorker Band Hazmat Modine. Erdige, bluesige Bands. Wir haben von Blues bis Operngesang alles in unserer Musik drinnen, wobei Operngesang vielleicht ein wenig hochgestapelt ist. Ich singe ein bisschen wie Pavarotti in der Duschkabine. Aber mit Leidenschaft. Das geht dann vielleicht eher in Richtung Tiger Lillies als Einfluss. Mark Lanegan hat man uns als Einfluss auch schon nachgesagt.

Ihre Musik ist sehr tanzbar, hat das Publikum im fluc getanzt?

Martin Mikulik: Ja, live ist die Musik noch tanzbarer als auf Platte, denn das ist eine Winterplatte, die ist ruhig und eher zurückhaltend, wenn auch mit einigen Steigerungen drinnen. Auf die nächste Platte kommen einige Nummern, die etwas schneller sind.

Zum ersten Stück „Allmighty“ habe ich mir „Gospel“ als Stichwort notiert. Ist das für Sie ein Anknüpfungspunkt?

Martin Mikulik: Auch, ja. Ich habe mich schon immer sehr stark mit Jazz, Blues, Gospel und Soul verbunden gefühlt und habe diese Musik immer gerne gehört.

Es gibt zur Hälfte Instrumentalstücke auf Ihrem Album. Warum ist das so?

Gregorio Lubroth: Die Stimme soll als Instrument eingesetzt werden, sie ist ein Instrument. Der Gesang ist genauso wichtig wie Gitarre oder Geige, das ist in einer Balance. Wenn wir ein Lied über ein italienisches Dorf machen und die Stimme passt hinein, dann ist sie dabei. Aber manche Stücke funktionieren ohne Stimme sehr gut.

„Unsere Stücke haben nicht die klassische Songform mit Strophe, Refrain, Strophe.“

Entsteht Ihre Musik im Proberaum?

Martin Mikulik: Sehr viel entsteht bei den Proben. Man kommt selten mit einem fertigen Stück zu einer Probe. Unsere Stücke haben nicht die klassische Songform mit Strophe, Refrain, Strophe. Es geht eher ein Teil in den anderen über und manches kommt überhaupt nur einmal vor. So ist unser Zugang. Jetzt haben wir ein Experiment mit deutschsprachigen Stücken vor, der Fokus wird zwar auf englischsprachigen Stücken bleiben, aber wir versuchen etwas. Zwei italienische Stücke haben wir schon am Album.

Wenn Texte vorkommen, dann sind diese sehr reduziert. Oft nur aus zwei bis drei Sätzen bestehend.

Martin Mikulik: Das ist ein Minimalismus, der seine Wurzeln im Blues hat. In einem sich wiederholenden Element hat, beim call and response.

Gregorio Lubroth: Genau, das ist das call and response bei Musik, die afrikanische Wurzeln hat. Der Text ist auch rhythmisch und ein Klangelement. Der Text hat schon eine Bedeutung, aber der Klang ist genauso wichtig wie der Inhalt. Bei „High Water“ zum Beispiel verschmilzt der Gesang mit dem Bass und dem Schlagzeug. Martin singt oft im Falsett, die Stimme muss nicht markant sein, sie kann auch spielerisch sein.

„Die Kompositionsphasen sind sehr kooperativ, wir machen das miteinander.“

Das Stück „Second Thought“ ist in zwei Varianten auf dem Album vertreten. Warum haben Sie davon zwei Versionen veröffentlicht?

Gregorio Lubroth: Das zeigt auch, wie wir arbeiten. Die Kompositionsphasen sind sehr kooperativ, wir machen das miteinander. Beim Entwickeln eines Liedes kann es sein, dass wir das schnell spielen, in einem ¾-Takt. Oder langsam, in einem 4/4-Takt. Wir experimentieren viel und in diesem Fall war da einfach eine Variation gegeben.

Könnte es in Zukunft Elektronik bei Max Holz geben?

Martin Mikulik: Ich höre viel elektronische Musik und die gefällt mir auch gut, aber ich habe selbst keinen Zugang dazu, in diese Richtung zu produzieren. Das wäre dann eine sechs

te Person in der Band, die Elektronik produzieren könnte.

Gregorio Lubroth: Es kann in zwei Richtungen gehen, zwei Extreme, die wir versuchen können: Können wir das, was wir spielen, noch mehr reduzieren? Was passiert, wenn wir weniger Instrumente haben? Wenn die Musik wirklich nur akustisch ist, ohne Verstärkung? Und was passiert, wenn wir Effekte, Looping-Geräte live verwenden? Das haben wir aber bei diesem Album noch nicht gemacht.

Beim Anhören des Albums habe ich mich gefragt, ob jemand in der Band Klezmermusik als Hintergrund hat.

Gregorio Lubroth: Ich habe Klezmer gespielt, aber akademisch. An der Universität habe ich in einem Klezmer-Ensemble gespielt. Unser Akkordeonist Felix hat ein gutes Ohr für diese Art von Folk-Melancholie.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Gregorio Lubroth: Ich glaube, es laufen zwei Pläne parallel: Es geht darum, live zu spielen, und darum, neue Musik zu entwickeln. Wir haben alle Lust auf neue Sounds. Jeder von uns hat schon wieder ein paar Lieder komponiert, die darauf warten, bearbeitet zu werden.

Martin Mikulik: Wir werden auch wieder nach Salzburg fahren und uns für drei oder vier Tage intensiv mit unserer Musik beschäftigen.

Gregorio Lubroth: Wir werden sehen, was dabei herauskommt. Letztes Mal war es sehr produktiv.

Martin Mikulik: Vielleicht weil Saalfelden nicht weit entfernt war.

Gregorio Lubroth: Wir haben auch gut gekocht.

Martin Mikulik: Gregorio ist ein sehr guter Koch!

Wenn Sie die Musik von Max Holz als Gericht darstellen müssten: Welches Gericht würden Sie wählen?

Gregorio Lubroth: Es wäre sicher ein Gumbo. Nicht weil unsere Musik viel mit Louisiana zu tun hat, sondern weil Gumbo eine Mischung ist. Es hat französische, afrikanische, englische und lateinamerikanische Einflüsse – alles in einem Topf. Wir sind als Band auch ein Topf mit verschiedenen Zutaten.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

 

Links:

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