Wiener Festwochen (8. Mai -14. Juni 2009) und 34. Musikfest im Konzerthaus

Wiener Festwochen (8. Mai -14. Juni 2009) und 34. Musikfest im KonzerthausDas Gesamt-Programm der Wiener Festwochen ist seit einigen Tagen bekannt  und wurde diese Woche auch in Pressekonferenzen präsentiert. Das Musikprogramm der Festwochen (Stéphane Lissner) spart bei Opern eher und geht bei Wolfgang Schlags “Into the City” dafür aber in den Gemeindebau (Wohnanlage “Am Schöpfwerk”) und widmet sich sozial Schwachen. Das vom Konzerthaus ausgerichtete Musikfest widmet sein Programm vor allem Haydn, dessen 200. Todestag ja allerorten begangen wird.

Das 34. Internationale Musikfest steht unter dem Motto “Eliten”. “Wir laden zu einer Auseinandersetzung mit diesem ambivalenten Begriff ein”, meint Intendant Bernhard Kerres, “in die wir uns selber kritisch mit einbeziehen wollen. Joseph Haydn, der im Mittelpunkt des Festivals steht, konnte sich dank einer Elite seiner Zeit ungehindert seinem Schaffen widmen. Und noch lange nach Haydns Zeit war es ein Privileg der Aristokratie und des Bürgertums, klassische Musik zu hören. Wir stellen die Frage, ob Musik heute immer noch mit Eliten verbunden ist.”

Die Elite sind im Konzerthaus hier vor allem die auftretenden Künstlerinnen und Künstler: Schon das Eröffnungskonzert mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt und dem Solisten Clemens Hagen beweist das, die Philharmoniker werden auch unter Daniele Gatti, Pierre Boluez, Seiji Ozawa konzertieren. Les Musiciens du Louvre unter der Leitung von Marc Minkowski werden Anfang Juni eine Gesamturaufführung der für London entstandenen zwölf letzten Symphonien Haydns präsentieren.

Im Bereich Neue Musik und aus Jazz und Worldmusik gibt es einiges, etwa spezielle Projekte mit Otto Lechner und dem Ensemble des XX. Jahrhunderts unter Burwik, Giora Feidman,  im (kleineren) Schubert-Schwerpunkt mit der Gruppe Franui. Das Klangforum Wien bietet im Zeitraum des Musikfestes zwei Konzerttermine unter Sylvain Cambreling. Musiker des Freiburger Barockorchesters (das in zwei Konzerten sehr spannende Haydn-Werke aufführen wird) spielen auch Salvatore Sciarrino oder Musik von Hugues Dufourt über “L’Afrique &  L’Asie”.  Das Ensemble Modern geht mit einem neueren Stück von Beat Furrer, aber auch besonders mit Stücken von Vladimir Tarnopolski oder Samir Odeh-Tamimi “into Istanbul”, was zum allgemeinen Türkei- und Migrantenschwerpunkt der Festwochen passt.


Unter HK Gruber und ausschließlich mit Stücken seines langen Mitbegründers und Mitglieds Kurt Schwertsik feiert “die reihe” ihr 50-jahriges Bestehen, zu dem das Ensemble ein Auftragswerk bei Schwertsik bestellt hat und mit dem Bariton Georg Nigl zur Uraufführung bringen wird. Und als Dirigent des Klangforums und als Jonathan Peachum wirkt KH Gruber auch bei der konzertanten Aufführug von Kurt Weills “Die Dreigroschenoper”, bei der hochkarätige Solisten (darunter Ian Bostridge als Macheath, Dorothea Röschmann, Angelika Kirchschlager oder Florian Boesch und Christoph Bantzer) zu erwarten sind.
 
“Sing along” als Volksschulkinder- samt Lehrpersonen-Initiative des Konzerthauses wird “Blauli” heißen. “Sing along” lädt übrigens natürlich auch zu Weihnachten (21. Dezember) alle zum gemeinsamen Liedersingen. Und: Heute Abend (19.12.) schon hört man im Mozart-Saal des Konzerthauses Richard Strauss’ in Wien kaum einmal  aufgeführtes Hornkonzert Nr. 2 in Es-Dur (1942) mit der semi-professionellen, vor allem aus musikbegeisterten Amateur-InstrumentalistInnen bestehenden Konzertvereinigung im Wiener Konzerthaus unter Tiziano Duca, das man sich nicht entgehen lassen sollte.         
Musikprogramm der Festwochen

Bei Opern heuer eher “bescheiden”: Auf dem Programm ein Gombrowicz-Stück mit Musik von Philippe Boesmans (“Yvonne, die Burgunderprinzessin” unter der Regie von Luc Bondy), weiters kommt ein in Edinburgh 2008 mit dem britischen “Hilliard-Ensemble” uraufgeführtes Musiktheaterprojekt von Heiner Goebbels auch nach Wien, sowie als Wiederaufnahme die Purcell-Oper “Dido und Aeneas” unter William Christie.


Wolfgang Schlag macht bei “Into the City” Ausstellungen, ein “asiatisches Grätzelfest” und vor allem “Stadt der Musik – Der Gemeindebau klingt”. Die Wohnanlage Am Schöpfwerk kommt in den Genuss von musikalischen Darbietungen. Von den Dächern und Plätzen bis in die Wohnungen, Geschäfte und Lokale bespielen Musiker den privaten und öffentlichen Raum. Das Schöpfwerk ist eine Stadt in der Stadt, deren Bewohner aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, miteinander leben und miteinander feiern. Einbezogen sind Initiativen, die zu diesem Zusammenleben beitragen: Stadtteilzentrum Bassena, Nachbarschaftszentrum, Jugendzentrum, Muslimisches Zentrum, Kirche am Schöpfwerk, Gebietsbetreuung Meidling und Büchereien Wien. 
Schon im Jänner 2009 startet dieses Projekt:  Mehr als 3.000 Wiener Musikschüler bieten den Bewohnern des Schöpfwerks “Gebrauchsmusik” an. Solisten und Ensembles, bestehend aus Lehrern und Schülern, spielen bei Taufen, Verlobungsfeiern, Begräbnissen, Beschneidungsfesten, zivilgesellschaftlichen Ereignissen, Seniorentreffen usw.
 
Fein wird es auch am Yppenplatz zugehen, mit SOHO Sounds: Popkultur und Feminismus aus Serbien und der Türkei in einem Konzert / Istanbul, Belgrad, Berlin. Ein Kunstprojekt Linz- Wien- Kosovo wird im Museum für Volkskunde mit den teilnehmenden Künstlern präsentiert werden. Ein “Klangerlebnis Stephansdom” bietet Tan Duns Water Passion (österreichische Erstaufführung, amadeus ensemble-wien unter Walter Kobéra).

Starker Bezugspunkt der Wiener Festwochen ist eben besonders durch Stefanie Carp das Schauspiel, es wird,  weltweit eingeladen, tolle und interessante Projekte unter dem Titel “Inventur der Lebensmodelle” geben. Zwei Eigenproduktionen sind geplant – und bei dem einem kann man sich sicher sein, dass viele “Lieder” erklingen werden: Christoph Marthaler & Anna Viehbrock werden einen Blick auf unsere vergangene kleinliche Konsumkultur (“Riesenbutzbach – Eine Dauerkolonie”) werfen, im Rosenhügelstudio der Filmstadt Wien werden sich die Marthaler-Leute “mit den Ängsten, Obsessionen und mit paranoider Besitzstandswahrung der mitteleuropäischen Spätmenschen beschäftigen.” Das andere Projekt darf Peter Sellars machen, er inszeniert Shakespeares “Othello” mit einem Seitenblick auf Obama (hr).