
Musikfiles auszutauschen und auch im Netz zur Verfügung zu stellen ist für viele Musikschaffende längst eine Notwendigkeit – um gemeinsam an Tracks zu arbeiten, um neue Ideen zu diskutieren, um digitale Promos zu verteilen oder um Fans und Interessierten neue Songs vorzustellen. Oft gestaltet sich das Prozedere aber kompliziert. Einschlägige Dienste weisen nicht selten eine Beschränkung bei der Uploadgröße der Audiodateien auf oder sind in ihrer Handhabung unnötig umständlich. Das Start-up Soundcloud bemüht sich um einfache Lösungen für das Bereitstellen und den Tausch von Musikfiles und versucht auch, die Kommunikation rund um die Musik zu fördern.
Gegründet wurde Soundcloud 2007 vom Sounddesigner Alex Ljung und dem Musiker Eric Wahlforrs. Ihren Sitz hat die Onlineplattform in Berlin. Die Gründer vergleichen ihren Dienst gerne mit Flickr und YouTube, die für Fotos und Videos ähnliche Services bieten. Mit dem Unterschied, dass sich Soundcloud im Gegensatz zur Fotosharingplattform und dem Onlinevideodienst an Profis wendet und auch vorwiegend von diesen genutzt wird. Mittlerweile ist Soundcloud zu einer festen Größe für Musiker im Netz geworden. Vor allem Musikschaffende aus dem Bereich der elektronischen Musik nutzen das Service. Zuletzt war von einer Million Nutzer weltweit die Rede.
Einer der davon ist der in Wien lebende DJ, Produzent und Betreiber der “Generell Deep Radio4sho” auf play.fm, Roman Rauch. Er gehört zu den “early adoptern” des Dienstes und verwendet Soundcloud seit mittlerweile mehr als zweieinhalb Jahren. Rauch nutzt den Dienst um Mixtapes und neue Tracks im Netz zu verlinken. Über Soundcloud stellt Rauch auch Promos zur Verfügung und diskutiert mit Freunden und Kollegen über Musik.
Stream und Download
Bei Soundcloud können Tracks in allen gängigen Formaten auf die Plattform geladen werden. Unterstützt werden etwa MP3, wav/aiff (16, 24 & 32 bit), Flac und Ogg. Beim Hochladen kann festgelegt werden, wer in welcher Form Zugriff auf die Audiodatei bekommt. Die Files können öffentlich oder auch nur ausgewählten Personen zugänglich gemacht werden.
Standardmäßig werden die Musikfiles im MP3-Format mit 128 kbps gestreamt. Über das Anklicken der entsprechenden Option können die Files aber auch zum Download im Originalformat freigegeben werden.
Die Upload-Limits bemessen sich nicht nach der Filegröße sondern nach der Länge der Stücke. Bei der kostenlosen Basisversion betragen sie 120 Minuten, beim “Solo-Tarif” für Musiker (Neun Euro monatlich) zwölf Stunden, in der “Pro Plus”-Variante (59 Euro monatlich) sind Uploads unbeschränkt möglich. Wahlweise könne die Tracks auch zu Sets verbunden werden.
Player für Websites und Postkasten für Tracks
Widgets, die in drei individuell anpassbaren Formate angeboten werden, bieten die Möglichkeit, Tracks und Sets in externe Websites einzubinden und sie auch dort abzuspielen. So können neue Produktionen beworben und Kontakte zu Fans und Interessenten hergestellt werden. Rauch, der auch das Soziale Netzwerk Facebook und den Microbloggingdienst Twitter nutzt, ist auf diese Art bereits mit Labels ins Gespräch gekommen.
Daneben stellt Soundcloud seinen Nutzern eine sogenannte Dropbox zur Verfügung, die als eine Art Postkasten für neue Tracks fungiert. Über die Dropbox können andere Musiker – auch solche, die nicht bei Soundcloud registriert sind – Tracks hinterlegen. Mithilfe eines Widgets kann die Dropbox auch auf externen Seiten eingebunden werden.
can’t get enough ep by roman rauch
Kommunikation rund um Musik
Bei Soundcloud wird aber auch die Kommunikation rund um Musik großgeschrieben. Audiofiles werden visuell als Waveform dargestellt, so können beliebige Stellen der Tracks punktgenau angesteuert und etwa Rhythmuswechsel oder Übergänge gezielt kommentiert werden. “Wenn ich bei Tracks nicht weiter weiß und Feedback brauche dann geb ich das Material an ausgewählte Leute weiter”, erzählt Rauch.
Vernetzte Musiker
Soundcloud ist auch eine Art Soziales Netzwerk. Die Aktivitäen befreundeter Nutzer können über das eigene “Dashboard” verfolgt und deren Tracks auch direkt angesteuert werden. Rauchs Freundeskreis auf Soundcloud besteht aus etwa 40 bis 50 Leuten. “Mit vielen habe ich auch in Wien Kontakt, andere hab ich beim Auflegen kennengelernt”, sagt der DJ und Produzent.
Verbesserungsmöglichkeiten sieht er bei den Abstufung der Nutzungsberechtigungen für die Audiodateien, wenn es etwa um die Möglichkeit des Downloads von Tracks geht. “Es wäre gut, wenn man dabei verschiedenen Gruppen verschiedene Rechte geben könnte.”
Auch für die Zusammenarbeit an Tracks sei Soundcloud nur bedingt geeignet, meint Rauch, da nur Audiodateien hochgeladen werden können. Bei Kollaborationen müssten Projektfiles hin- und hergeschickt werden, die auch andere Dateitypen enthalten: “Da verwende ich andere Dienste, etwa Dropbox.”
Gut findet er auch die Übersichtlichkeit und die Möglichkeit die Files im Netz zu verlinken. Vor allem aber schätzt der DJ und Produzent, dass es sich bei Soundcloud um eine Plattform für Profis handelt: “Ich bekomme keine Spamcomments, wie auf anderen Plattformen, sondern richtig produktive Kommentare.”
FACTBOX SOUNDCLOUD
In einer Basisversion steht Soundcloud kostenlos zur Verfügung. Premiumangebote für Musiker, Labels und Unternehmen kosten zwischen 29 Euro (Lite) und 500 Euro (Pro Plus) pro Jahr pro Jahr und bieten neben ausführlicheren Zugriffsstatistiken unter anderem bessere Kontrolle darüber, wer auf die Tracks in welcher Form (Download, Stream) zugreifen kann.

Roman Rauch ist langjähriger DJ und Musikproduzent in Wien. Gemeinsam mit Josef Eisl und Sam Irl betreibt er die “Generell Deep Radio4sho” auf play.fm und ist Resident-DJ und Veranstalter des neuen Clubs “Market” am Naschmarkt. Veröffentlicht hat Rauch auf Tjumy (A) und Lux (NL), Kollaboration dem Münchner Produzenten Bartellow unter dem Namen “Edizione Crumar”. Demnächst erscheint eine 12″ Vinyl von Rauch auf dem neuen englischen Label Luv Dancing sowie Remixe für Donn T und Swede:art.
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