Prekäre Perspektiven? Zur sozialen Lage von Kreativen

Am 22. und 23.06.2009 hat das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur zu einer Konferenz zur sozialen Lage der Kreativen in Österreich geladen, bei der in fünf Arbeitsgruppen von Vertretern von Interessensgemeinschaften, Forschungseinrichtungen, Expertenorganisationen, Kultureinrichtungen und Politik die verschiedenen Perspektiven und Handlungsoptionen diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet werden sollten.  

Die Arbeitsgruppen wurden in folgende thematische Schwerpunkte unterteilt:
. Künstlerische Arbeit und Sozialversicherungssysteme
. Arbeits- und Einkommenslosigkeit
. Kunst im Kontext – Wertschöpfung und öffentliche Förderung
. Frauen in der Kunst
. Mobilität von KünstlerInnen

In ihrer Eröffnungsrede betonte Bundesministerin Claudia Schmied, dass es sich bei dieser Konferenz um ein Arbeitstreffen handelt, das es sich zur Aufgabe gestellt hat, konkrete Lösungsmodelle zur problematischen sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler in Österreich zu erarbeiten. Erste wichtige Schritte wurden bereits durch das Ministerium eingeleitet, etwa die Erhöhung des Budgets für den Künstlersozialversicherungsfonds sowie erste Reformen im Sozialversicherungsgesetz. Weiters wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe mit VertreterInnen aus unterschiedlichen Ministerien geschaffen um gemeinsam Lösungsmodelle zu erarbeiten.

Der anschließende Vortrag der Soziologin Alexandra Manske beschäftigte sich mit der  Situation der KulturarbeiterInnen in Deutschland mit Untersuchungsschwerpunkt Berlin.

In der anschließenden emotional geführten Podiumsdiskussion wurden vor allem die Problematiken der Sozialversicherungsanstalten bei der Einordnung und im Umgang mit den Künstlerinnen und Künstlern debattiert. Hervorgehoben wurde, dass in unterschiedlichen Arbeitsgruppen und Konzeptpapieren (Weißbuch) seit den 70iger Jahren Lösungsmodelle vorgeschlagen wurden, aber eine Umsetzung in welcher Form auch immer noch nicht stattgefunden hat.

Die Leiterin der Kunstsektion im bmukk, Andrea Ecker, betonte in ihrer Rede zur Zielsetzung der Konferenz, dass das bmukk in Reaktion auf die im Herbst 2008 veröffentlichte Studie zur sozialen Lage der KünstlerInnen in Österreich Sofortmaßnahmen gesetzt habe: seit April wird in interministeriellen Arbeitsgruppen (IMAG) zu den Problemfeldern Arbeitsrecht, Arbeitslosenversicherungsgesetz, AMS und Sozialversicherung gearbeitet. Die ersten Treffen zeigten große Informationsdefizite in vielen Bereichen auf, der Aufklärungs- und Interpretationsbedarf sei hoch. An der Zusammenführung aller versicherten KünsterInnen unter ein Sozialversicherungsdach für KünsterInnen wird bereits konkret gearbeitet. Darüber hinaus habe Ministerin Schmied mit einer Budgeterhöhung, erweiterten Maßnahmen zur Mobilitätsförderung, einer Aufstockung der Mittel für den heimischen Film, Fördermittel für interdisziplinäre Projekte, der Entwicklung von Gender Budgeting in der Verwaltung und einer Erhöhung von Einzelstipendien auf die Studie reagiert.

Erwähnte Studie wurde auf der Konferenz von zwei ihrer VerfasserInnen, Susanne Schelepa (L&R Sozialforschung) und Gerhard Wohlfahrt (Universität Graz) präsentiert. Als größte Probleme wurden dabei die sozialversicherungsrechtliche Situation, dabei vor allem die Frage der Pensionsversicherung, die mehrfachen Pflichtversicherungen wegen Mehrfachbeschäftigungen sowie die Absicherung im Alter und bei Verdienstausfall ausgemacht.

In einem Vortrag zum Thema “Sozialer Status und Mobilität der Kulturberufe in Europa – Konzepte und vermeidbare Erfahrungen” präsentierte Andreas Joh. Wiesand vom European Institute for Comparative Cultural Research (ERICarts) einen Überblick über unterschiedliche europäische Systeme und verwies auf einige aus seiner Sicht empfehlenswerte Konzepte, wie das Luxemburger Förder-Modell oder die belgische KünstlerInnen-Organisation Smart asbl. (fh)