
Verglichen mit fast schon engelsgleichen Mundart-Rappern wie Texta, A Geh Wirklich? und Ähnliche es sind, legen die Vamummtn einen weitaus derberen Dialekt an den Tag, der vor allem durch Hooklines mit Wiedererkennungswert sowie Covers gegenwärtiger Partyhits unterstrichen wird. Sie teilen aus wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – direkt und ohne Beschönigung der Worte. Mit stets „vermummten“ Gesichtern und Namen wie Ansa, Zwara, Dreia und Viera sichert sich das Quartett aus Wien eine Anonymität, die bewusst zu ihrer Inszenierung gehört. Persiflage und Sarkasmus bilden den Grundstein der Combo, die behauptet, sich aufgrund der “schier unglaublichen Flut an selbstgemachten Möchtegern-Gangsterrap-Videos” gegründet zu haben. Seit sich Pseudo-Gangster à la Aggro Berlin aus Deutschland oder das österreichische Pendant dazu namens SBG Hot Boys in der Öffentlichkeit breit gemacht haben und die Authentizität der mächtigen Subkultur mit den Füßen treten, gilt es für die Wiener Jungs mit harten Bandagen dagegen anzukämpfen. Als Waffe wählen sie jedoch keine plumpen Diss-Tracks, kontern stattdessen lieber mit viel Schmäh und einen Patzen Selbstironie.
Mit diesen Seitenhieben auf den Gangsta-Rap haben sich Die Vamummtn zwar viele Feinde gemacht, dafür aber auf massig Freunde. Mit weit mehr als einer Million User-Klicks auf die selbstproduzierten Youtube-Videos, wurde die Crew 2007 zum Internetphänomen schlechthin. Erste landesweite Aufmerksamkeit erreichten die Vamummtn mit der „Krocha-Hymne“- eine Glanznummer, die es auf die Solarium gebräunten Neonkappler mit Vokuhila abgesehen hat. Die mediale Resonanz dieses Tracks war dermaßen groß, dass selbst ein Major-Label wie Universal Music Austria eines ist, nicht davon kalt blieb und den Vamummtn einen Single-Vertrag anbot. Dem nicht genug, haben die Wiener Großmäuler etwas erreicht, das in der österreichischen Musikwirtschaft zur Seltenheit gehört. In Zeiten des Digitalen Umbruchs, in denen die Tonträger-Verkaufszahlen in den bodenlosen Abgrund sinken, große Labels jedem noch so kurz andauernden Musik-Hype hinterherhecheln müssen und sogar per großem TV-Castingshows die nächsten individuellen Superstars des Landes gesucht werden, können sich die Rapper ganz locker-lässig mit bis zum Bersten gefüllten Hallen rühmen, ganz ohne groß die Werbetrommel für sich rühren zu müssen. Für die richtige Mund-zu-Mund Propaganda sorgt da schon ihre riesige Fanbase, die ihr Geld liebend gerne für Liveauftritte der Jungs und schrägen Merchandise-Produkten, wie etwa Wodka-Flaschen inklusive Bandlogo-Etiketten verjubelt.

Einen Platz in der Ö3-Rotation überlassen sie da mit Handkuss den Trackshittaz. Kinderklamauk versus Parental Advisory-Gütesiegel – da muss man ja auch irgendwo seine Abstriche machen. Aber ausverkaufte Konzerte in Österreich und Deutschland noch lange vor der ersten Albumveröffentlichung, übers 80.000 Facebook Freunde und höchste- Fanloyalität ist eigentlich schon das Höchste, das man sich als Hip Hop-Act des Alpenlandes, fernab von Ghetto und Crime erwarten darf.
„Rap ist (k)a Ponyhof“ erschien am 30. September 2001 auf dem bandinternen Label Schwabs Weg. (bw)
Serie:
http://www.vamummt4life.at/