Unfassbar. Christoph Moser, der wohl beliebteste Tiroler der Stadt, der einzige A&R, den es in Österreich noch gab, der Musikverrückteste unter den Musikverrückten, ist nicht mehr unter uns. Vergangene Woche ist er von uns gegangen. Im Alter von nur 46 Jahren ist er im Urlaub in Vietnam ertrunken.
Sein unerwartetes Ende ist zunächst einmal eine menschliche Katastrophe. Wie schmerzlich solch ein Verlust für Freunde und Familie ist, können eigentlich nur die nachvollziehen, die sich selbst schon in solch einer Lage befanden. Den wenigen aber, die noch nie den Tod eines wirklich nahen Menschen beklagen mussten, sei gesagt: Es ist wie ein Kahlschlag, der einem die Luft zum Atmen nimmt und einen auf lange Zeit lähmt, einem die Kraft für alles, sogar das eigene Fortleben nimmt. Mein Mitgefühl ist bei all jenen, denen es jetzt gerade und auf unbestimmte Zeit hinaus genau so geht.
Aber auch jenen, die Christoph nicht ganz so nahe standen, ist ein grundsympathischer, hochgeschätzter Freund und Kollege abhanden gekommen. Auch sie werden seine direkte und ehrliche Art, seinen rastlosen Unternehmergeist und vor allem sein Lachen vermissen. Mosers Tod ist letztlich aber nicht nur eine menschliche, sondern auch eine musikwirtschaftliche Katastrophe.
Unvergessen der Moment, als er mir bei unserem ersten Treffen seine Visitenkarte in die Hand drückte, auf der stand: Christoph Moser – Label, Vertrieb, Promotion. Als ich das las, musste ich laut lachen und hab ihn gefragt, ob er denn das wirklich alles selber mache oder wer sich das ausgedacht hätte. Kein guter Einstieg eigentlich. Trotzdem lachte er. Mindestens so laut wie ich. Ein halbes Jahr später wusste ich: Der macht das wirklich alles selbst. Christoph Moser war Hoanzl. Oder zumindest seine gute Seele. Moser machte Hoanzl zu dem, was die Firma heute ist: der einzige verbliebene Indie-Vertrieb (inkl. Label) mit Power nämlich, der sich mittlerweile von Franz Ferdinand bis Netnakisum um alles kümmert, was noch in den Regalen steht, österreichisch ist, gut ist oder beides.
Unvergessen auch eines unserer nächsten Aufeinandertreffen. Mit einem Packen CDs unterm Arm kam ich zu ihm noch Hause, um ihm die Tonbandtest-Teilnehmer vorzuspielen und sein Feedback zu erfragen. Ergebnis des Abends: Fatima Spar hatte einen Plattenvertrag und aus einer Listening Session war ein ausgiebiges Essen mit mehreren Flaschen Wein geworden, dessen Ende mit einem unvergleichlich ekelhaften Schnaps begossen wurde, von dem ich erst jetzt durch Boris Jordans Nachruf erfahren habe, dass es der Wildschönauer Krautinger war, dem auch er einmal ausgiebig zugesprochen hatte. Da musste man offenbar durch, wenn man bei Christoph zu Gast war.
Wie groß die Katastrophe seines Ablebens aber tatsächlich ist, können nur die Musiker, die er gepusht, wie kein anderer umhegt und umpflegt hat, und für die er sich Tag und (vor allem auch) Nacht im wahrsten Sinne des Wortes den A… aufriss, beurteilen. Sie wissen am besten: Christoph Moser war besessen im positivsten Sinne, ein Musikverrückter, wie es sie nur noch ganz selten gibt.
Einen umtriebigeren Menschen habe ich in meinem Leben nicht kennen gelernt und werde ich mit Sicherheit auch nicht mehr kennen lernen. Wenn er überhaupt einmal zu Hause war, dann wohl nur, so hatte es den Anschein, um kurz Luft zu holen für das nächste Event, die nächste Band, den nächsten Deal.
Und seine Deals waren fair, sein Handschlag galt mehr als jeder Vertrag. Und er hatte Visionen: Er initiierte Projekte, brachte Musik dorthin, wo Bedarf für sie war. Dienz und Harri Stojka sind nur zwei Beispiele für eine ganze Latte von internationalen Erfolgsgeschichten.
Nicht der schnelle Erfolg zählte bei ihm, sondern die Qualität. Natürlich unterlag auch er einem gewissen wirtschaftlichen Druck, aber man hatte bei ihm immer den Eindruck, dass es da noch etwas anderes gab: dieses gewisse Funkeln in den Augen, das nur kindlich reine Begeisterung zu erzeugen vermag.
Vor allem auch das werden wir alle, die ihn mochten und mit ihm ab und an über einem oder mehreren Bieren über Musik sinnierten, schmerzlich vermissen. Klar: All die ambitionierten Bands werden ihn vermissen, denn es gibt in dieser Stadt wohl kaum eine Band von Bedeutung, die er nicht zumindest einmal live gesehen hatte. Aber auch das Nachtleben wird ihn vermissen. Ohne ihn ist es ein gutes Stück langweiliger geworden in den Bars und Clubs da draußen. Eigentlich lief man ihm ja ständig über den Weg.
Viel zu früh musste er gehen. Viel zu früh wäre Christophs Tod aber auch gekommen, wäre er doppelt so alt gewesen, denn “der Moser” hatte noch viel, sehr viel vor. Genug für zwei Leben. Die Lücke, die sein Tod gerissen hat, ist kaum nicht schließen. Zu groß ist sie. Es bleibt zu hoffen, dass es zumindest der eine oder andere versuchen wird. Etwas zu bewegen, meine ich, und trotzdem ein durch und durch feiner Kerl zu bleiben.
Mir verbleibt nicht viel, außer heute abend “a kloans Bier” auf ihn zu trinken und sich hoffentlich mit anderen Verrückten noch lange die unzähligen Geschichten, die es mit ihm und über ihn gibt, zu erzählen. Lieber Christoph, ruhe in Frieden.
Markus Deisenberger

