„Musik ist Energie und diese möchte ich gerne weitergeben“ – SIMON FRICK im mica-Interview

Der Geiger Simon Frick lenkt durch seine individuelle Art seine Geigen zum Klingen zu bringen die Aufmerksamkeit auf sich. Kreativ jongliert er mit musikalischen Ideen, Effektgeräte bereichern seine Spielart. Vor allem die Bogentechnik und eine spezifische Art der Tongebung verraten Simon Fricks Herkunft aus der Klassik. Er hat klassische Geige studiert und sein Wissen durch ein Jazz-Studium bei Andreas Schreiber in Linz komplettiert. Ein enormer Forschergeist und eine Liebe zu unterschiedlichsten Musikstilen, die vom Heavy Metall über Rock, Pop, Jazz bis hin zur Klassik reicht, sind der Nährboden für seine energiegeladene Musik. Im Gespräch mit Silvia Thurner erzählt der achtundzwanzigjährige, gebürtige Bludenzer von seiner Ausbildung, seinen musikalischen Vorlieben, eigenen Werken, Spielarten und dem Umgang mit elektroakustischen Soundeffekten.

Geige ist für den experimentellen Jazz und die Improvisation ein reizvolles, aber seltenes Instrument. Warum eigentlich?
Das habe ich mich auch schon gefragt. Vielleicht liegt es daran, dass da die Tradition der Geige sehr klein ist. In der klassischen Ausbildung ist diesbezüglich nichts vorgesehen. Außerdem braucht es viel Zeit und Energie bis man sich auf einem Streichinstrument soweit bewegen kann, dass es Sinn macht, sich gezielt mit Improvisation zu beschäftigen. Ein Streicher der in diese Richtung forschen möchte, muss das daher sehr aktiv angehen und auch einen langen Atem haben. Aber es zahlt sich auf jeden Fall aus. Im experimentellen Bereich gibt es für die Geige noch viel unbewandertes Terrain. Andi Schreiber hat mir in diese Richtung sehr viele Möglichkeiten aufgezeigt.

Wo liegen deine persönlichen musikalischen Prioritäten?

Die Priorität liegt bei der Umsetzung von Projekten und Ideen, die mich begeistern. Stilistisch möchte ich mich da nicht einschränken. Es gibt so viel Musik, die mich interessiert. Quer durch die Bank von Jazz bis Rock, Klassik, Neue Musik und alles dazwischen.

– Moderne Geräte erweitern den musikalischen Horizont –

Auf deiner Homepage ist zu lesen, dass du ein Fan elektroakustischer Effekte bist und gerne mit viel Strom so richtig Gas gibst. In welcher Form setzt du die Elektronik in der Musik ein?
Für mich ist der Einsatz von Effektgeräten in jeder Hinsicht eine Bereicherung, sie sind Teil meines Instrumentariums und ermöglichen vieles. Zum Beispiel kann ich dadurch mit der E-Geige Bass und auch „funky“ Gitarre spielen. Sie helfen, wenn etwas rockig oder groovig klingen soll. Was das anbelangt sind aber eigentlich die Spielweise und das Timing ausschlaggebend.

Oft klingt deine E-Geige wie eine E-Gitarre. Was beschäftigt dich an der Klanggebung der E-Geige besonders?
Mir gefällt einfach wie eine verzerrte Lead-Gitarre klingt und das Tolle ist, dass so ein Sound auch aus der Geige heraus kommt, wenn die Klanggebung stimmt. Ich möchte die Musik machen, die mich begeistert und da die Geige mein Instrument ist, muss es auf der Geige gehen. Das Schöne ist, dass es auch geht. Es ist eine reine Frage der Spielweise.

Je nach Stil orientiere ich mich klanglich auch an anderen Instrumenten, wie eben der E-Gitarre oder auch dem Saxophon. Für Grooves verwende ich teilweise auch perkussive Bogentechniken, oder nehme die Geige einfach wie eine Gitarre in die Hand und schlage die Riffs mit einem Plektrum.

Auf welche Weise beschäftigen dich Fragen über Grenzbereiche der Tonentstehung und Tonqualitäten?
Ein Geräusch ist für mich gleichberechtigt mit klar gespielten Tönen. Es ist ein Klang und besitzt Energie. Verstärkung erweitert das dynamische Spektrum auch nach unten. Rein akustisch kann man oft nicht unter einen dynamischen Level gehen, ohne unhörbar zu werden. Wenn aber das Instrument verstärkt wird, ist es bei intimen Stellen oft das Spannendste, die Saite nur zu streifen, so dass mehr Luft als Ton zu hören ist.

– Genregrenzen verschmelzen –

Wo siehst du Verbindungen und Schnittpunkte zwischen experimenteller Musik, Rock, Pop, zeitgenössischer Musik und Jazz?
Komponist, Musiker und Improvisator waren auch in der klassischen Musiktradition oft ein und dieselbe Person. Im Laufe der Geschichte gab es da dann eine Teilung. In der modernen Jazzkomponistenszene fügt sich das wieder zusammen. Das alte Musikerprofil wird wieder das neue. Es gibt separierte Szenen, aber es gibt auch einen Bereich, wo sich alle treffen. Da verschmilzt die Jazzavantgarde mit der zeitgenössischen Musik, mit Rock usw. Ich möchte mir da auch keine Grenzen setzen und einfach machen, was mir in den Sinn kommt.

Du magst die Lautstärke gerne. Welches Verhältnis hast du zur Stille?
Ich mag die rockige, aggressive Energie und die Lautstärke, aber Stille finde ich mindestens genauso spannend. Oft sind es die magischsten Momente im Konzert, wenn niemand spielt und sich auch im Publikum keiner bewegt.

– Mit dem Duopartner David Helbock um die halbe Welt –

Mit welchen Projekten beschäftigst du dich derzeit?
Ich spiele viel im Duo mit David Helbock. Wir sind mit unserem Programm im letzten Jahr viel herum gekommen, spielen häufig im deutschsprachigen Raum, hatten auch bereits Auftritte in Osteuropa, im Iran, in Chile, Argentinien und in New York. Im Dezember gehen wir voraussichtlich nach Indien.
Mit Alfred Vogel und Lucas Dietrich war ich vor kurzem im Trio „Le Noir“ als Österreich-Support der australischen Rockband „Wolfmother“ unterwegs. Darüber hinaus spiele ich auch in einigen anderen Bands, unter anderem bei Peter Madsen’s „CIA“, „Moving Landscape“ und erst kürzlich mit Christoph Cech’s „Janus-Ensemble“. Außerdem bin ich dabei ein Solo-Projekt zu realisieren.

Danke für das Gespräch.

Dieses Interview ist zuerst in der Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft, September 2012, erschienen.

Factbox
Freitag, 21.9.2012 Duo Frick/Helbock, Pförtnerhaus Feldkirch, 19:30 Uhr
Duo. DIAGONAL. David Helbock, Simon Frick. Traumton Records, 2011.
Vogelperspektive, vol 3. „LE NOIR“. Simon Frick, Lucas Dietrich, Alfred Vogel. Boomslang Records, 2012.
Simon Frick, solo. 2012 (www.simonfrick.com)