Kultur "ins Ungewisse hinab" – Zur Situation des Radio-Symphonieorchesters Wien

Offener Brief des Kunstsenats Wien (OTS) – Einer öffentlich bekannt gemachten Information zufolge steht in Kürze die Ausgliederung des RSO aus dem ORF zur Diskussion. Dieses Orchester ist derzeit das einzige Österreichs, das regelmäßig und auf hohem Niveau Musik lebender Komponisten, der klassischen Moderne und selten gespielte Werke der Vergangenheit aufführt. Es stellt daher einen unverzichtbaren Faktor im österreichischen Kulturleben dar. 
Viele europäische Rundfunkanstalten erhalten ihre Orchester um derartige Aufgaben zu erfüllen. Es herrscht Einigkeit darüber, dass dieser Bereich unter den gegebenen Voraussetzungen nur jenseits kommerzieller Zwänge erschlossen und gepflegt werden kann.

Folgerichtig sind Orchester, die sich ihm widmen, in Institutionen verankert, die einen öffentlichen Auftrag haben das vitale Kulturgut und Kulturerbe nachhaltig zu pflegen.

Der ORF ist eine solche. Das RSO besteht in seinem Rahmen seit 40 Jahren und erfüllt den Kulturauftrag seither offensichtlich in vorbildlicher Weise.

Das neue Regierungsprogramm bekräftigt die “Selbstverpflichtung zur Berücksichtigung österreichischer Musik – und Filmproduktionen”. Darüber hinaus stellt es fest, dass “Beteiligungen und Ausgliederungen auf ihre Notwendigkeit zu hinterfragen” sind.

Für den Fall einer Ausgliederung des RSO existieren keinerlei langfristig verbindliche finanzielle und strukturelle Konzepte, die eine weitere Erfüllung der genannten Aufgaben garantieren. Eine nicht ausreichend geprüfte Entscheidung in dieser Richtung würde einer Existenzgefährdung des Orchesters Vorschub leisten und es zwingen, sich in der Programmierung populistischen Tendenzen zu beugen.

Um es nicht zum Spielball von Spekulationen werden zu lassen, sondern es seinem Aufgabenbereich zu erhalten und in seinem gegenwärtigen Bestand zu sichern, ist heute mehr denn je eine explizite Verankerung des RSO im Rundfunkgesetz zu fordern.

Für den Kunstsenat der Präsident Hans Hollein, insbesondere die Mitglieder Friedrich Cerha, Heinz Karl Gruber und Kurt Schwertsik