KO·AX – „wohin“

Es gibt Musik, die sich recht mühelos in bestehende Kategorien einordnen lässt. Und es gibt Musik wie jene von KO·AX, die sich einer solchen Zuordnung bewusst entzieht. Auf ihrem neuen Album „wohin“ (Listen Closely), mit dem das Wiener Trio zugleich sein zehnjähriges Bühnenjubiläum begeht, entwickeln Lukas Leitner (Klavier, Synthesizer), Walter Singer (Kontrabass) und Lukas Laimer (Schlagzeug) erneut einen Klang, der zwar deutlich im zeitgenössischen Jazz verwurzelt ist, von dort aus aber in ganz unterschiedliche Richtungen weiterführt.

Dabei geht es weniger um das Nebeneinander verschiedener Stile als um deren Verschmelzung zu einer eigenen musikalischen Sprache. Reduzierte Motive können sich allmählich verdichten, elektronische Flächen treffen auf den warmen Klang des Kontrabasses, präzise gesetzte Strukturen auf freies Spiel. Bisweilen lassen die Stücke die Konzentration der Minimal Music erkennen, dann wieder treten rhythmische Muster oder harmonische Verschiebungen in den Vordergrund, die an der einen Stelle stärker an Neue Musik, an einer anderen an Rock erinnern. Nichts davon wirkt wie ein aufgesetzter Verweis auf andere musikalische Welten. Die unterschiedlichen Elemente gehen vielmehr so selbstverständlich ineinander über, dass am Ende vor allem der charakteristische KO·AX-Sound bleibt.

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Besonders reizvoll ist, wie KO·AX ihre Kompositionen aus kleinen musikalischen Ideen heraus immer weiterentwickeln. Melodische Passagen können dabei unvermittelt in verdichtete rhythmische Strukturen kippen, ruhige Abschnitte werden von plötzlichen Dynamikwechseln abgelöst. Mal bewegt sich das Trio mit großer Zurückhaltung, mal steigert es die Intensität bis an die Grenzen des klanglich Verdichteten. So bleiben die Stücke ständig in Bewegung und überraschen immer wieder mit Richtungswechseln.

„wohin“ ist damit weit mehr als eine weitere Standortbestimmung nach „Loose Frames“ und „immersion“. KO·AX setzen ihren eigenständigen Weg konsequent fort und zeigen dabei einmal mehr, wie weit sich zeitgenössischer Jazz öffnen lässt, ohne seine Verbindung zu improvisierter Musik und musikalischer Interaktion aufzugeben.

Michael Ternai

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