Interview mit Andrea Rauter/Kulturforum London/Soundings

Soundings ist eine Plattform für zeitgenössische Musik, die 2004 vom Austrian Cultural Forum London gegründet wurde. In ihrem Rahmen werden junge KomponistInnen und PerformerInnen aus Österreich und Großbritannien in Workshops, Symposien und Konzerten präsentiert. Ein Interview mit Andrea Rauter vom Kulturforum London. Die Fragen stellten Helge Hinteregger und Sabine Reiter.

Wenn ich richtig informiert bin, gibt es “Soundings” seit 2004 als einzigartige Plattform des Austauschs für KomponistInnen und MusikerInnnen. Was war die ursprüngliche Intention dieser Konzertreihe und wer war die treibende Kraft am Beginn?

Nun, da muss ich ein wenig ausholen. Das Österreichische Kulturforum London hat 2003 die New Artist Series für junge österreichische und britische MusikerInnen gegründet. Die Idee dahinter war, junge Künstler aus Österreich und Großbritannien zusammenzubringen. Die Konzerte dieser Serie präsentieren je ein zeitgenössisches Werk, d.h. ausgewählte englische MusikerInnen spielen Stücke von zeitgenössischen/lebenden österreichischen KomponistInnen und vice versa. Dadurch soll der bilaterale Kulturaustausch und -dialog gefördert und Weltpremieren ermöglicht werden.

Im Laufe dieser Serie hat sich bestätigt, wie wichtig diese Begegnungen auf verschieden Ebenen für alle Teilnehmer sind. Diese Plattform wollte ich weiter ausbauen und so mir kam die Idee Soundings zu gründen. In einem Gespräch mit der österreichischen Pianistin Isabel Ettenauer und dem britischen Komponisten Joe Cutler konsolidierte sich die Idee: junge KomponistInnen und MusikerInnen sollten im Rahmen von Soundings Kompositionen in Workshops und Diskussionen gemeinsam erarbeiten und abschließend aufführen.

In diesen Workshops können auch praktische Erfahrungen in Bezug auf Studium, finanzielle und professionelle Unterstützung, Berufsausübung, Aufträge und Probezeiten etc. ausgetauscht werden. Im Jahr 2004 fand dann die erste Ausgabe von Soundings statt.

Seit wann ist das bmic (britisch music information center) Teil des Konzepts der Organisation?

Das bmic ist insofern involviert, als es uns gelegentlich in Bezug auf britische Komponisten berät und Soundings promotet. Wir hatten auch die Idee, ein Internetforum für Diskussions- und Informationszwecke für junge österreichische und britische KomponistInnen und MusikerInnnen einzurichten, ein Internet Soundings sozusagen. Das konnte allerdings aus finanziellen Gründen bisher nicht realisiert werden.

Wie erfolgt die Auswahl der teilnehmenden KomponistInnen? Werden Gemeinsamkeiten mit den britischen KollegInnen gesucht (oder auch divergierende Positionen)?

Bei der Auswahl beraten mich KomponistInnen, mit denen ich oft zusammenarbeite, sowie MICA und bmic. Es werden auch über Empfehlung angesehener Musikkritiker und etablierter Künstler der neuen Musik Interessenten eingeladen.

Die Komponisten kommen aus ganz unterschiedlichen Kompositionsrichtungen. Verschiede Schulen und Denkweisen führen zu lebhaften Diskussionen.

Es gibt ja öffentliche Proben, Workshops und Diskussionen zu den Konzerten. Wie wichtig sind diese Bereiche als kommunikatives Umfeld für die teilnehmenden britischen KollegInnen und das Publikum?

Diese Proben, Workshops und Diskussionen bilden den Kern von Soundings. Im Laufe von vier ganzen Tagen können sich die Teilnehmer in einer relativ familiären Atmosphäre besser kennenlernen, Vertrauen zueinander aufbauen, offen und ehrlich über ihre Arbeit sprechen. Der Unterschied zwischen einem österreichischen und britischen Musikerleben bringt immer einen regen Gedankenaustausch. Auch das Publikum ist fallweise eingebunden, kann an Diskussionen teilnehmen und Einsicht in die Musikerwelt gewinnen.

Die über die Jahre eingeladenen österreichischen KomponistInnen, wie Olga Neuwirth, Klangforum Wien, Johannes Maria Staud, Kurt Schwertsik stellen ja auch wunderbare Aushängeschilder der österreichischen “Neuen Musik” dar. Haben sich auch weitere Zusammenarbeiten mit den britischen KollegInnen nach der Teilnahme an “Soundings” ergeben?

Mehrmals. Unter anderem wurde Johannes Staud als Gastprofessor nach Birmingham eingeladen, Johanna Doderer bekam einen Kompositionsauftrag von Ensemble 10/10 für Liverpool 2008, Judith Unterpertinger ist composer in residence bei einem Londoner Universitätschor und hat auch für den Flötisten Rowland Sutherland ein Stück geschrieben. Claudia Molitor wurde mit einem neuen Kompositionsauftrag nach Wien eingeladen – um nur einige ganz aktuelle Beispiele zu nennen.

Welche Strategien verfolgt das Kulturforum London mit seinen Aktivitäten im Bereich Musik?

Neben der Förderung dieser zeitgenössischen klassischen Musik sehen wir es als unsere grundsätzliche Aufgabe, MusikerInnen und KomponistInnen jeglicher Musikrichtung, die in der (kritischen) Musikwelt bereits einen gewissen Ruf erlangt haben, die aber noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen, ein mögliches Sprungbrett  in London zu bieten. Wie das Austrian Cultural Forum London überhaupt ganz allgemein versucht, Künstler in allen möglichen Situationen zu unterstützen und ihnen beim Knüpfen und Etablieren von Kontakten zu helfen.

Welchen Anteil am Gesamtvolumen bzw. Gesamtbudget der Tätigkeit des Kulturforum London hat die Musik?

Etwas mehr als  ein Drittel.

Wird die zeitgenössische Musik gleichermaßen von allen Kulturforen gefördert, gibt es ein Gesamtkonzept das die Aktivitäten steuert oder gibt es hier Unterschiede?

Die Förderung neuer Musik ist eines der Schwerpunkte der Österreichischen Auslandskulturpolitik, die vom BMeiA vorgegeben wird. Diese Zielsetzung wird daher vom Österreichischen Kulturforum London (gerne) umgesetzt.

Gibt es Schwerpunkte im Bereich Musik? Genre, stilistisch, Veranstalterkooperationen?

Die Veranstaltungen am Kulturforum selbst konzentrieren sich aufgrund der räumlichen Rahmenbedingungen auf kleinere Kammermusik- und Jazzkonzerte, wobei etwa bei Soundings manchmal das ganze Gebäude zum ‚Konzertsaal‘ wird!

Das Österreichischen Kulturforum London kooperiert aber natürlich auch mit Orchestern und den wichtigen Konzerthallen, wie etwa der Wigmore Hall und King‘s Place in London, sowie mit Musikhochschulen und Veranstaltern in ganz Großbritannien, wo KünstlerInnen in einem größeren Rahmen auftreten können.

Wie sind die Konzerte in den allgemeinen kulturellen/musikalischen Kontext in London, in den Konzertbetrieb integriert? Welches Publikum kommt zu den Konzerten?

Die Konzerte im KF haben sich mittlerweile einen ausgezeichneten Ruf erworben und werden immer mehr zu einem integrierten („klein aber fein“) Bestandteil der Londoner Musikszene. Das Publikum, teilweise treues Stammpublikum, teilweise neugierige Neulinge, kommt aus allen Bildungsschichten und Altersgruppen.

London ist ja eine Stadt die gerade im Bereich Musik ein unheimlich großes Angebot hat und es ist sicher schwierig gerade im Bereich “neue Musik” passende Partner und Veranstaltungsorte zu finden. Wie lange ist der Planungsvorlauf und was sind wichtige Eckpunkte für eine erfolgreiche Umsetzung?

Es ist unheimlich wichtig, ständigen Kontakt mit Orchestern, Musikorganisationen und Musikverlegern wie zum Beispiel London Sinfonietta, SPNM – Promoting New Music, British Music Information Center, Universal Edition, Boosey & Hawkes etc. zu pflegen und stets aufs Neue Kooperationen zu suchen. Dies hilft beiden Seiten – und letztlich den (österreichischen) MusikerInnen.

Der Planungsvorlauf für Soundings beträgt etwa 8 Monate und umfasst sowohl inhaltliche als auch logistische Aspekte. Die Eckpunkte der Planung sind Komponisten auszuwählen, das Repertoire zu bestimmen und den finanziellen Rahmen festzulegen. Danach werden MusikerInnen kontaktiert, engagiert und Noten verteilt. Technische und musikalische Anweisungen sind oft nicht leicht zu übersetzen. Teilnehmer bekommen Kontaktlisten um Probleme und Fragen rasch lösen zu können. Flüge und Unterkunft müssen gebucht und koordiniert werden. Schließlich werden Programme entworfen und die Webseite erstellt.

Soll “Soundings” auch in anderen Städten mit vorhandenen österreichischen Kulturforen stattfinden und in wie weit gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen Städten im konzeptionellen Bereich und in der Umsetzung von Präsentationsfestivals wie “Soundings”?

Bis dato sind noch keine Kooperationen mit anderen Kulturforen geplant. Dies würde wohl auch den logistischen Rahmen sprengen. Sehr wohl haben wir aber bereits einmal (im Jahr 2005) mit dem Royal Northern College of Music in Manchester zusammen gearbeitet.

Jetzt, 2009, ist es ja auch gelungen in Wien eine Konzertreihe in der Alten Schmiede mit britischen und österreichischen VertreterInnen zu präsentieren. Wie schwierig hat sich die Organisation gestaltet und soll dieser Austausch ein weiterer Fixpunkt werden?

Es war ehrlich gesagt nicht leicht und wir haben das Zustandekommen dieses Austauschs vor allem Nigel Townson, dem scheidenden Direktor des Wiener Büros des British Council sowie dem österreichischen Komponisten Gerald Resch zu verdanken. Wir hoffen sehr, dass sich Soundings in Wien ebenso etabliert wie in London, wo wir heuer bereits die sechste Ausgabe haben. Damit wäre dann das eigentliche Ziel von Soundings, nämlich die nachhaltige Etablierung eines regelmäßigen musikalischen Dialogs zwischen österreichischen und britischen MusikerInnen und zeitgenössischen KomponistInnen erreicht!

 

 

London
Tuesday 5 May

Artists Fidelio Trio
Darragh Morgan, violin
Robin Michael, cello
Mary Dullea, piano
Peter Furniss, clarinet
Loré Lixenberg, mezzo-soprano
Claire Sterling, viola

Concert
Claudia Molitor
Eigentlich Lieben Sich Katzen und Mäuse for solo voice, 7?mins

Emily Howard
Broken Hierarchies II for piano trio WP, 6?mins

Thomas Amann
Andere Räume for flute, clarinet, violin and viola, 4?½ mins

Gerald Resch
Bruchstücke for solo voice, 5?mins

Manuel de Roo
Vorschlag 2 for flute, clarinet, violin, cello, and guitar, 4?mins

Emily Howard
Wild Clematis in Winter for voice and piano, 3?mins

David Fennessy
The Eye of The Duck for flute/piccolo, clarinet, violin, cello and piano, 10?mins

Wednesday 6 May

Artists Fidelio Trio
Darragh Morgan, violin
Robin Michael, cello
Mary Dullea, piano
Manuel de Roo, guitar

Concert

Claudia Molitor
After the Strangely Monumental for piano trio WP, 9?mins

Thomas Amann
Schöner Wolken-Vogel for solo violin, 7 ½ mins

Emily Howard
Sky and Water for solo piano, 7?mins

Gerald Resch
Fünf Versuche nach Italo Calvino for piano trio, 15?mins

David Fennessy
Continuity Error for flute and guitar, 3?mins

David Fennessy
The Room is the Resonator for cello and electronics, 7?mins

Manuel de Roo
4.736.251 for guitar and piano, 16?mins

Thursday 7 May
Open Plenum with musicians and composers led by Annette Morreau and Andrea Rauter

Vienna
Friday 8 May

Artists Fidelio Trio
Darragh Morgan, violin
Robin Michael, cello
Mary Dullea, piano

Concert

Joe Cutler
Archie for piano trio, 5?mins

Emily Howard
Broken Hierarchies II for piano trio, 6?mins

Marcel Reuter
Infra la Neve for violin and piano, 6?mins

Gerald Resch
Fünf Versuche nach Italo Calvino for piano trio, 15?mins

Claudia Molitor
After the Strangely Monumental for piano trio WP, 9?mins

Thomas Amann
Schöner Wolken-Vogel for solo violin, 7?½?mins

Johannes Maria Staud
Für Bálint András Varga for piano trio?, 6?mins

Ed Bennett
For Marcel Dzama for piano trio and electronics, 10?mins

Saturday 9 May

Artists Mary Dullea, piano
Loré Lixenberg, voice
Manuel de Roo, guitar
Rowland Sutherland, flute

Concert

Joe Cutler
Clavinova Music for solo piano, 3?mins
Johanna Doderer
Orchester Lieder for mezzo-soprano and piano, 5?mins

David Fennessy
Continuity Error for flute and guitar, 3?mins

Emily Howard
Sky and Water for solo piano, 7?mins

Reinhard Fuchs
Traumsequenz for mezzo-soprano and flute, 10?mins

Ed Bennett
I Need This for voice and tape, 10?mins

Joe Cutler
Songs from the Kioti for solo flute, 8?mins

Claudia Molitor
Eigentlich Lieben Sich Katzen und Mäuse for voice, 7?mins

Manuel de Roo
4.736.251 for guitar and piano, 15?mins