Bild Elis Noa
Elis Noa (c) Vilma Pflaum

ELIS NOA – „What Do You Desire?“

Das Album „What Do You Desire?“ von ELIS NOA erschien am 14. August 2020 auf „Las Vegas Records“. Und man darf, obgleich es das Debütalbum ist, von einer heiß ersehnten Scheibe sprechen. Denn die Single „Motto“ aus dem Jahr 2017 hat bereits durch ihre Eigenständigkeit bleibenden Eindruck hinterlassen. Dieses Duo hat seinen Weg gefunden.

Tell me, my muse, what do you  desire?

Eine unaufdringliche ästhetische Linie zieht sich durch das gesamte Album. Eigenständiges und effektvolles Songwriting. Niemals kitschig. Erfrischend artifiziell, elektronisch und gleichzeitig mit einer analogen Wärme. Geschmackvolle, berührende Songs. Inspiriert von den ganz großen dieses Genres. Bon Iver und James Blake.

Die ergreifenden und reduzierten Arrangements lassen viel Platz für die Stimme von Elisa Godino. Platz, den diese auch nuancenreich auszufüllen weiß. Mal beflügelt von Erinnerungen an körperliche Begierde. Dann wieder gedämpft und voller Eifersucht. Man nimmt es ihr ab. Und das ist auch das Konzept dieses Langspielers. Die Texte thematisieren unterschiedliche Erfahrungen, und die damit einhergehenden Gedanken, Fragen und Wünsche, einer Beziehung zu einer Muse.

Tell me, my muse!“, hört man die Sängerin Elisa zu ihrer Muse im Prolog zu „What Do You Desire“ sprechen.

Albumcover "What Do You Desire"
Albumcover “What Do You Desire”

Ein Verlangen, das neben dem körperlichen selbstverständlich auch eines nach Ehrlichkeit einschließt. Ebenso den Wunsch nach Freiheit für neu definierbare Spielregeln. Es soll ja unbeschwert sein. Und das darf sich auch richtig anfühlen. Unabhängig davon, wie man zueinander steht. Wie beflügelnd das sein kann, besingt Elisa mit unwiderstehlichen Sirenenchören in „Divine“. Geht es nur um eine wenig kontrollierbare Triebbefriedigung und ist man demzufolge befreit von jeglicher Verantwortung? Was darf voneinander verlangt werden? Wie soll man sich erhalten? 

Soundtrack zu „Die Leiden des jungen Werther“

Man schreibt und vertont vielleicht seine Gedanken in Form von einem „Love Letter“. Die gleichnamige, tiefe und puristisch instrumentierte erste Singleauskopplung lässt einen sofort an die Gefühlsabgründe der Leiden des jungen Werther denken. 

Erfahrungsgemäß ist hier kein glückliches Ende zu erwarten. Dieser Song wird jedoch in Erinnerung bleiben. Sollte er auch. Im Idealfall inklusive des Namens. Denn ist er einem entfallen und versucht man aus diesem Grund, jemandem das synkopierte Vocal-Sample im Refrain vorzusingen, wird dieser es wohl kaum wiedererkennen. Es sei denn, man selbst ist wirklich eine versierte Sängerin bzw. ein versierter Sänger.

Also doch eher ein Lied mit klarer Ansage und mithilfe eines Vocoders wie in „Take My Hand“?

Keine leichte Entscheidung. Generell. Schon gar nicht nach den verständnis- und liebevollen Versprechen im C-Teil von „Tell Me I’m Lying“. Wirkungsvoll unterstützt von traditionellen souligen Harmonien am Fender Rhodes von Angel Vassilev.

Tell me my love! What do you desire? 

Zeitvertreib in seiner schönsten Form. Gute Gelegenheit für ein Gefühlsupdate. Denn Gefühle ändern sich. Aber keine Angst. Darüber lässt sich reden. Also: Tell me, my love, what do you desire?

Dominik Beyer                       

  

Links:
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Las Vegas Records