Edi Nulz unterwegs

Es ist schön, dass es sie immer noch gibt. Jene musikalischen Entwürfe, die für Überraschungen sorgen. Eben weil sie nicht dem Gewöhnlichen und dem bereits Bekannten entsprechen, sondern, ganz im Gegenteil, den traditionellen Begrifflichkeiten vollkommen entgegenlaufen. Für ein richtiges Aha-Erlebnis dieser Sorte, sorgte im vergangenen Jahr auch das junge Trio Edi Nulz, das mit seinem Debüt „Jetzt“ zeigen konnte, dass in stilistischen Fragen nicht unbedingt immer alles in Stein gemeißelt sein muss, dass es sehr wohl möglich ist, sich aus dem Korsett des Vorgegebenen zu lösen. Siegmar Brecher, Julian Pajzs und Valentin Schuster, die drei kreativen Köpfe hinter diesem Bandprojekt, haben sich das Wandeln an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Spielformen als Leitmotiv ihres Tuns auserkoren und das über den musikalischen Tellerrand Hinausblicken zur Aufgabe gemacht, mit dem Ergebnis, dass ihre Stücke, in ihrer Klangsprache vielschichtig und ungewöhnlich facettenreich, nicht wirklich in eine der gängigen Kategorien einzuordnen sind. Die hohe Kunst des Crossovers nennt man das wohl. Die Gelegenheit, Edi Nulz auch live zu erleben, gibt es im Juni im Rahmen einer Konzertreise durch Österreich, Deutschland und Tschechien.

Nun, in welche stilistische Schublade man Edi Nulz auch veranlasst sieht, stecken zu müssen, hineinpassen wird die Truppe mit ihrer Musik in keine so richtig. Siegmar Brecher (Bassklarinette) und seine beiden Mitmusiker, Julian Pajzs (Gitarre) und Valentin Schuster (Schlagzeug) versuchen sich schlicht an der Realisierung einer außerhalb der üblichen Definitionen angesiedelten Musiksprache, die vor allem in einem hohen Maß an Eigenwilligkeit ihren Ausdruck findet. Jegliches Scheuklappendenken hinter sich lassend, begeben sich die drei Instrumentalisten auf eine Reise, welche sie durch die verschiedensten Spielformen führt. Nicht das dies andere Formationen nicht auch schon getan hätten, diese bewusst ungestüme und dynamische Art aber, mit welcher sie zu Werke gehen, ist dann doch eher selten anzutreffen. Swingender Jazz trifft auf schon noisige Gitarrenpassagen, komplexe Rhythmusarbeit auf die Geradlinigkeit des Rock, ein Tempo- und Harmoniewechsel jagt den anderen, stetig sich im Geiste der Improvisation steigernde Spannungsbögen finden in eruptiven Soundausbrüchen ihre Auflösung.

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In jedem Moment unberechenbar bleiben, so könnte das übergeordnete Motto dieses Dreiergespanns lauten, den das wirklich Schöne an den Stücken von Siegmar Brecher, Julian Pajzs und Valentin Schuster, dass diese ihre Geheimnisse nie nach dem ersten Ton preisgeben. Trotz aller Wildheit stecken hinter dem Ganzen ein Konzept, eine spannungsgeladene Ordnung, sowie eine alles zusammenhaltende technische Brillianz an den Instrumenten. Das exzentrisch agierende Dreiergespann weiß ganz genau, was es tut, es weiß, wann es wie etwas in einer bestimmten Form in Szene zu setzen hat. Ihre Nummern machen einfach Spaß und zeigen, dass es im Jazz nicht immer todernst und humorbefreit zur Sache gehen muss. (mt)

Termine:
06.06. Stockwerk Jazz, Graz
07.06. ZWE, Wien
10.06. C. Keller Weimar DE
11.06. Wendel, Berlin/DE
15.06. TBA, Pribyslav/CZ

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Edi Nulz
Siegmar Brecher