
Jenseits aller Genregrenzen ging es von Anfang an darum, tradierte Muster zu hinterfragen und zu brechen, aber auch von einer neuen, gänzlich anders gedachten und erlebten Welt zu träumen. So begegneten subkulturelle Phänomene und Statements neuen Theaterformen auf Augenhöhe, visionäre Klangkunst reichte avanciertem Pop und Anti-Pop die Ohren, neue künstlerische Hybridformen drangen in neue physische, virtuelle wie geistige Handlungsräume ein, Performancekunst, bildende Kunst, Aktionismus und neue elektronische Musik schwangen das Tanzbein (und die Keule) im diskursiven gesellschaftlichen Schlachtfeld unserer Zeit, dem Club!
In seiner 10. Edition wendet sich das neue donaufestival 2014 vermehrt KünstlerInnen zu, deren Arbeiten sehr eng mit den zentralen globalen Themen wie der Beziehung Mensch – Natur – Tier, Ausbeutung, Ausgrenzung, Unterdrückung und Migration verbunden sind. Jenseits hierarchischer und dualistischer Denkmodelle träumen wir mit unseren Künstlerinnen von gesellschaftlichen Gegenmodellen, von ephemeren anarchischen Weltentwürfen, wir werden in unseren Köpfen paradiesische Gärten bauen und uns mit Pflanzen und Tieren vermählen; wir werden bild-, ton- und wortgewaltige Manifeste gegen eine Welt, die wir hassen, errichten und werden zerbrechlich zarte Liebeserklärungen an eine Welt, von der wir träumen und von der wir glauben, dass sie Realität werden könnte, formulieren.

Zwischenmenschliche Beziehungen werden auf subtile Weise sowohl bei der ungewöhnlichen Zusammenarbeit des Performers und Choreographen Jeremy Wade mit der bildenden Künstlerin Monika Grzymala und der Kunst-Band Xiu Xiu als auch bei der neuen Performance von Patrycja German zum Thema. Einmal in einer zerbrechlichen schwarz-weißen Welt aus Obsessionen in Wades „Dark Material“, das andere Mal in der sanften Provokation von künstlich hergestellter Nähe in Germans Performance „Special Guest“.

In eine ähnliche Richtung zielt auch das Projekt rund um Jeremy Wade The Great Big Togetherness, in dem KünstlerInnen wie Liz Rosenfeld, Carlos Maria Romero & Guillaume Marie, Igor Koruga, AA Bronson, Johannes-Paul Raether, Keith Hennessy und Meg Stuart neue gesellschaftliche Politiken der Zusammengehörigkeit erproben möchte.
Im Umfeld dieser queeren neuen Welt wird Annie Sprinkle (zusammen mit Beth Stephens) eine neue Edition ihrer weltweit erprobten ökosexuellen Kunsthochzeiten – diesmal wird Erde, Schlamm und Schmutz geheiratet – zelebrieren. Parallel dazu werden Emi Honda und Jordan McKenzie (auch als Elfin Saddle bekannt) eine sich selbst erschaffende Mikro-Garten-Installation kreieren, die Natur und Technik zu einer artifiziellen, neuen Wunderwelt fusioniert.

Neue elektronische Musik zwischen Sound Art, Industrial, Noise und experimentellen Clubformaten nimmt mit Robert Henke, Jon Hopkins, Boddika & Joy Orbison, Tim Hecker, Pharmakon, Forest Swords, Oneohtrix Point Never, Mouse on Mars oder Vessel eine zentrale akustische Rolle ein. Als Surprise Guest des Abschlussabends am 3.5. konnte Actress gewonnen werden, der sein umjubeltes neues Album live präsentieren wird.
mica Club-Mitglieder erhalten die Festivaltickets zu den ermäßigten Preisen
Foto Gods Entertainment: Human Zoo: Frank Egel
Foto Keith Hennessy: Michael Rauner
Foto Fennesz: Promo