mica-Interview mit Quadoval

Ein Band mit jeder Menge Respekt vor den Roots und wenig Angst vor dem Verstricken der Wurzeln, schafft aus dem scheinbar Alten Neues, dass sich schon bald über die Bundesländer Österreichs in konzertanter Form ausbreiten wird. Quadoval sind im Studio von Gerd Schuller zusammengekommen, um gemeinsam mit dem Produzenten ihr erstes Album aufzunehmen. Gemastert wurde das Werk bei Dave Donnelly (Red HotChili Peppers ua.) in L.A. Kathrin Taucher, Andreas Lechner, Matthias Wieser und Geri Schuller haben aus Herzensangelegenheit und mit Profession ein Werk hervorgebracht, auf das sie stolz sind und das sie begeistert antreibt, den internationalen Raum zu bespielen. Im Gespräch mit Lucia Laggner kommt kein Zweifel auf, dass sie es leidenschaftlich ernst nehmen und wissen, was sie tun und wollen.

In Kürze erscheint euer neues Album. Was erwartet ihr von diesem Werk und was kann sich der Rezipient/die Rezipientin davon erwarten?

Andreas Lechner: Dieses Werk haben wir aufgenommen, um die Musik zu den Leuten bringen zu können. Man hat heute durch die Vielzahl der Medien eine große Auswahl, aber ich glaube, dass es noch immer der beste Weg ist, den Menschen etwas zu geben, was sie auch festhalten können. Das hat eine andere Qualität und Wertigkeit als einfach im Netz ein File zu teilen.

Geri Schuller: Es sind ausschließlich Eigenkompositionen, die wir präsentieren und das hat natürlich einen ganz besonderen Wert. Für mich ist der Outcome eine Selbstverwirklichung und ich denke für den Andi auch.

Andreas Lechner: Das ist eben das coole daran. Es ist das eigene Ding, das man geschaffen hat. Auch wenn wir uns wahnsinnig wünschen, dass die Musik den Menschen gefällt, haben wir es gemacht, weil wir es machen wollten und Musik unsere Leidenschaft widerspiegelt.

Geri Schuller: Im April und Mai gibt es die Möglichkeit das Werk auf der Tour zu hören. Wir werden überall spielen, wo es geht, weil wir uns wahnsinnig darauf freuen, die Sache live zu präsentieren.

Andreas Lechner:
Man kann sich energetische und organische Musik erwarten. Man kann Sound erwarten, an dem nicht herumgepfuscht wurde. Das Album ist live eingespielt. Auch wenn wir Teile mit Overdubs versehen haben. Natürlich müssen wir auch bis zu einem gewissen Grad mit den zeitgenössischen Höransprüchen mithalten. Letztlich ist der Sound einfach lebendig und kraftvoll. Diese Stimmungen und Emotionen, die zum Teil auch stark von Kathis Texten ausgehen, wollen wir auf der Bühne transportieren. Kathi hat auch sehr persönliche Texte geschrieben und das führt zu einer Authentizität, die sicher sehr spannend sein wird.

Geri Schuller: Dieses Album besteht aus Livemusik, die wir durch das Werk reproduzierbar gemacht haben. Wir haben die Sounds offen gelassen, um Livegefühl behalten zu können.


Wie lässt sich der Charakter eurer Band beschreiben, was macht sie Einzigartig, warum soll man zu einem Konzert von euch kommen?

Geri Schuller:
Unsere Musik ist sicher nicht süßlich. Wir wollen niemandem einen Gefallen tun. Wenn es wem gefallt und wenn er merkt, was dahinter steckt, dann wird es ihn sicher sehr fesseln. Für mich ist das Album eine Herzensangelegenheit, die sich über die 3 einhalb Jahre Zusammenarbeit mit “Quadoval” in diesem Produkt manifestiert hat. Dieses trägt deshalb den Charakter von Einzigartigkeit, weil es nicht gefällig sein will. Wir machen unser Ding, geben 100 Prozent und sind dem dankbar, dem es gefällt, aber auch nicht verzweifelt, wenn es nicht jedem gefällt.

Andreas Lechner: In diesem Album steckt viel von jedem von uns. Wir haben nicht versucht, uns nach etwas zu richten, sondern unsere Einflüsse verarbeitet. Jeder kommt aus einer anderen Ecke. Ich komme aus dem Blues und habe später viel Jazz gespielt. Geri groovt wahnsinnig.

Geri Schuller: Ich habe mich in den letzten Jahren intensiv mit verschieden Musikrichtungen beschäftigt und diese in meinen Stil vermengt. Durch Andi fühle ich mich rockiger in dem was ich mache.

Andreas Lechner:
Ein weiteres Charakteristikum ist, dass dieses Album handgemacht ist. Es klingt modern, aber ist organisch.

Geri Schuller:
Genau, es ehrt zwar die Roots, weil wir viel Respekt vor unseren Vorbildern haben, aber verkörpert zugleich was völlig Neues. Bis hin zu den HipHop Einflüssen ist auf diesem Werk alles zu hören, was uns sozialisiert hat.

Erzählt euer neues Album eine Geschichte, steht Konzept hinter der Entstehung oder sind es schlicht gute Nummern, die für sich funktionieren und gemeinsam eine Album-taugliche Menge ergeben?


Anderas Lechner:
Ich denke, es ist beides. Natürlich hat man, wenn man ein Album angeht, immer ein Teilkonzept im Kopf. Ein völliges Konzeptalbum ist es nicht, obwohl ich schon denke, dass es in sich stimmig ist. Der Grundsatz auch mal nicht zu viel darüber nachzudenken, was man tut, hat uns Raum gegeben, um eine gemeinsame Stimmung zu entfalten. So gesehen, ist das Album einfach unser Ding. Das hört man auch, wenn man es als großes Ganzes wahrnimmt.

Geri Schuller: Durch Kathi, durch ihre interessanten Texte, wird ein Bogen gespannt, den wir musikalisch anreichern. Wir geben ihr einen Grund, auf dem sie ihre Texte ausbreiten kann.

Haben die Texte einen eigenständigen Charakter?

Andreas Lechner: Bei ein paar Nummern habe ich den Text mitgeschrieben. Wir können irrsinnig gut zusammenarbeiten. Wenn ich oft mal nur Fragmente an sie geschickt habe, ist sie super mit dem Material umgegangen. Kathi verarbeitet in ihren Texten auch persönliche Erlebnisse. Der Zugang zu meinen Texten ist anders. Ich versuche eher etwas Abstraktes zu erfassen. Ich spiele etwas auf der Gitarre und durch die Stimmung, die ich spiele, entstehen meine Lyriks. Das ergibt eigentlich auch immer Sinn.

Zum 20-jährigen Bestehen setzen wir uns bei mica mit der Annahme “Musik braucht Raum” auseinander. Eine Tournee braucht Raum, in dem sie statt finden kann. War es leicht diese Tour zu planen? Bietet Österreich genug Platz für eure Musik?

Geri Schuller: Wir kämpfen darum. Andi und ich checken die Gigs und verbringen mittlerweile wirklich sehr viel Zeit damit. Ich muss aber auch sagen, dass der Energieaufwand sich schließlich darin widerspiegelt viele Gigs zu haben. Es gibt ganz viele Clubs, deren Besitzer und Klientel unsere Musik wirklich schätzen können, aber leider trifft man ebenso auf Institutionen, in denen es schwer ist auch das richtige Publikum für unsere Musik zu finden.

Andreas Lechner: Meines Erachtens nach, bietet Österreich Raum. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob österreichische Veranstalter die Risikobereitschaft besitzen junge Musik zu fördern. Das ist wohl eher das Problem. Es ist extrem hart. Ich habe mit Zuständigen telefoniert, ihnen Material geschickt und ab einem gewissen Zeitpunkt einfach keine Rückmeldung mehr bekommen. Meistens spielt man bei diesen Veranstaltern am Ende auch nicht. Oft ist es als Künstler nicht besonders angenehm an solchen Locations zu spielen. Da kann es dann schon vorkommen, dass man vor Ort aufbaut und einen Bon für drei Getränke bekommt. Das ist natürlich nicht die Wertschätzung, die man sich erhofft. Also ich habe nicht das Gefühl, dass wir einen Mangel an Raum haben, sondern vielmehr, daran, dass den MusikerInnen Plattformen fehlen, um ihre Musik an die Menschen zu bringen.

Geri Schuller: Natürlich gibt es auch positive Erlebnisse, wenn jemand begeistert zurückschreibt und sich freut, dass man gemeinsam veranstalten kann. In diesen Fällen passt auch meistens die Gage. Heuer sind wir zum ersten Mal in Bayern unterwegs.Wir spielen in München und in Kiefersfelden. Da erwarte ich mir auch, dass wir neue Connects bilden und sich für die Zukunft noch mehr ergibt.

Andreas Lechner:
Ich würde mir wünschen, dass die Wertschätzung für österreichische Musik angehoben wird. Ein Trend in diese Richtung wäre wirklich wichtig. Neal Young etwa setzt gute Zeichen und pusht junge Musikerinnen, die sich dadurch verwirklichen können. Wenn man Leuten keine Chance gibt, sich zu präsentieren, dann kann auch nur wenig entstehen. Dabei gibt es gerade in Österreich so viel gute Musik.

Musik braucht auch den Vermarktungsraum. Welche Räume nützt ihr, welche Kanäle zapft ihr an?

Andreas Lechner:
Der banalste Vermarktungsort stellt ein Konzert dar, da wir dort direkt unsere CDs verkaufen können. Im Bereich der Sozialen Netzwerke nutzen wir in erster Linie Facebook, um auf unser Projekt aufmerksam zu machen. Amazon und I-Tunes bieten uns die Möglichkeit die Musik in digitaler Form anzubieten. Soundcloud und Youtube dienen als Plattform, um die Tracks online präsentieren zu können.

Geri Schuller:
Neben der Bandpage auf Facebook findet man auch alle Infos über Quadoval auf meiner Homepage (www.gerischuller.at)

Welche Bereiche sind ungenutzt? Wie könntet ihr noch stärker auf euch aufmerksam machen? Macht ihr euch viel Gedanken darüber, wie ihr die Sache besser bewerben könntet?

Andreas Lechner: Absolut. Werbung ist in der heutigen Zeit wahnsinnig wichtig. Natürlich wäre es super ein Label zu haben, weil es dir in Punkto Vertrieb viel Arbeit abnimmt. Dinge, dich ich allerdings nicht unterstützen will, sind Plattformen wie Spotify. Das ist für mich als Musiker ein nicht tragbares Konzept, das ich ablehne. Medien wie Youtube und Souncloud nutzen wir im Hinblick auf das Album insbesondere, um zu teasern (Anm. Ausschnitte der Tracks zu präsentieren). Darüber hinaus wird auf Youtube mehr Livematerial zu sehen sein und auch ein paar Songs unseres neuen Albums. Der eigene Channel dafür ist gerade eingerichtet worden. Vermarktung ist wirklich das um und auf. Die Firma von Jack White (Third Men Records?) unterstützen Bands auch wieder auf Vinyl zu pressen. Ich finde das großartig und würde mir sehr wünschen, bei einem derartig unterstützenden Label unterzukommen. Deshalb werden wir auch an viele, aber ausgewählte Labels unsere Sachen verschicken. Einfach ist es natürlich nicht, aber wir hoffen das beste.

Geri Schuller: Das sehe ich auch so. Wir sind sehr optimistisch, dass es mit diesem Album in eine gute Richtung gehen wird.


Quo vaids QUADOVAL? Wo soll die Reise mit diesem Projekt hingehen? Was sind eure Ziele?

Geri Schuller: Wie schon gesagt, ist dieses Projekt eine große Herzensangelegenheit von mir, mit der ich auch meine Zeit in Wien beschreibe. Wir haben so viel Energie und Zeit in die Band gesteckt, dass es mein großes Ziel ist, in ein paar Jahren wirklich international unterwegs zu sein und sich einen Namen gemacht zu haben. Das peile ich ganz klar an und daran glaube ich auch. Ich brauche große Ziele. Wenn man sich immer nur kleine steckt, dann geht oft wenig weiter. In diesem Fall ist es auch ein Antrieb, der beflügelt und mir vor Augen führt, wo ich hin will. Step by Step mit einer gewissen Sensibilität dafür am Boden zu bleiben, erwarte ich mir viel und das treibt mich an.

Andreas Lechner: Mein nächstes großes Ziel und mein großer Wunsch ist, ein gutes Label zu finden.

Geri Schuller: Genau und zwar eines, dass uns wirklich supportet. An sich gibt es ja viele Labels und wir wollen aber wirklich eines finden, das uns etwas bringt.

Andreas Lechner:
Das muss jemand sein, der unsere Musik wirklich vertreibt, damit wir uns auch wieder auf das Wesentlich konzentrieren können. Ein weiterer Step wäre ein Booker, der uns Rutschen legt. Im Idealfall wollen wir einfach touren was das Zeug hält und Musik machen. Ich persönlich habe das Gefühl, dass wir an einem Punkt stehen, wo sich die Dinge gut zusammenfügen. Wir wissen, was wir wollen und dass wir alle viel drauf haben. Das soll nicht arrogant klingen, aber wir sind wahnsinnig stolz auf das, was wir hervorgebracht haben und hoffen, dass wir uns gut präsentieren können und viele Menschen auf uns aufmerksam werden.

Geri Schuller:
Wir freuen uns auf die Releasetour, die bald beginnt. Am 5.4. starten wir im Jazzcafe Bird in Wien, weiter geht’s am 10.4. im Stadtkeller Fehring, dann werden wir am 11.4. im Smaragd in Linz sein. Weitere Termine: 12.4. Cafe Pub Egon – St.Pölten, 2.5. Exilbar – Bruck an der Mur, 3.5. Rebenhof – Ratsch an d.Weinstrasse, 16.5. Feelgood Rockstation – Kiefersfelden,17.5. Weinbarpackerl – München. Die Albumrelease-Tour schliessen wir im Juni in Graz ab. Momentan checken wir noch alles selbst, aber natürlich wäre es fein, wenn wir bald Bereiche abgeben könnten.

Foto Credits: Ulrike Rauch

https://www.facebook.com/pages/QUADOVAL/225145714196843
https://soundcloud.com/quadoval-music
http://www.gerischuller.at/