
Wenn der Vorhang aufgeht für Chilifish, dann stehen da vier ambitionierte Jungmusiker mit fast leeren Händen, der links hält ein langes Rohr, das sofort optisch anzieht, der nächste umschließt seinen Mikrokopf mit seinen Fäusten in sanfter Gewalt, dann ist da noch einer mit einer Ukulele und der rechts hat ein Sax umgehängt. Griffbereit auch noch weitere Kleininstrumente, Gitarre, Cajon und anderes was zum Einsatz der Multiinstrumentalisten kommen wird im Hintergrund. Man rechnet vielleicht mit einer Art A-capella-Geschichte und wird dann auf eine ganz andere, nicht weniger beeindruckende Musikschiene entführt. Bodyperkussion hochpotenziert und verstärkt legt fette Drumsounds vor, ein Spezialdidgeridoo erfüllt die Luft mit funkhältigem Basso Continuo. Ein Groovebeet entsteht, das es mit Hallenfüllenden Electronics locker aufnehmen kann. Harmonisch schmelzen Gitarre, Saxsololines und Gesang wie weiße Schokolade in ein süßes Fondue aus Couverture. Die musikalische Leckerei spannt den Aufmerksamkeitsbogen mit der Energie, die sie ausbreitet, zu einem kurzweiligen Erlebnis vom Beginn eines Chilifischkonzertes bis zum letzten ausklingenden Oberton.
Wer zu einer solchen Gelegenheit antanzt, wird mit hochwertigem Sound belohnt. Die unterstützende Technik ist den vieren aus Wien, Burgenland und Kärnten für Ihre Mischung aus World, Funk, Raggae u.s.w. ein besonderes Anliegen erfreulicherweise. Schlau, wie kreativ sie damit umgehen, ohne sich der althergebrachten Instrumentierungstradition zu bedienen. Ein anständig verstärkter Beatboxer (Christian Recklies) lässt so manchem Schlagzeuger mit dem, was seine blanke Anatomie über die Anlage jagt, den Hut ziehen. Das glänzende lange Röhrl eines Manuel Komosny nennt sich „Slide-Didgeridoo“ und sorgt einerseits für einen frequeznschwangeren, kontinulierlichen, rhythmisch unausweichlich pulsierenden Bordunton, der sich dort bedarfsgerecht festbeißen , wo dieser das „Simple is not easy“ Mysterium von „Funk“ im Sinne eines einzigen Akkordes über ein ganzes Stück oder lange Strecke eines selbigen bedient und sich Ohrwurmriffs mit Suchtpotential der anderen einhängen. Andererseits entlockt man einem Slide Didge richtig gaile Basslines und Patterns, die das Ihre zum Charakter einer „säxy Groove“ beitragen. Friedrich Schnalzer, seines Zeichens Sänger, spielt beispielsweise mal die Ukulele, Percussioninstrumente und Michael Nix, ebenfalls Sänger, erweitert das Gesamtkunstwerk zudem mit Saxophon und Gitarre. Ihre Musik pumpt ohne zu erschlagen.

Chilifish hat auch noch ein ganz anderes faszinierendes, verrücktes Gesicht: Für Festivals und Straßenfeste, auf denen sie immer häufiger anzutreffen sind, haben sie sich Stelzen gebastelt, auf denen sie samt musikalischem Kind und Kegel, also Equipment, in luftigen Höhen balancierend performen und so im wahrsten Sinn des Wortes aus der Menge der Musiker herausstechen. Zu diesem Zwecke haben sie sich ihre PA, Amps und alles so umbauen lassen, dass sie diese mobil bei ihrem Stelzengang mittragen und folglich verstärkt musizieren können, was ein Markenzeichen ihres Stiles ist. Um das teure Gerät neben den biologischen „Klangkörpern“ und Instrumenten nicht zu gefährden, trainieren die lustigen Bandmitglieder regelmäßig, „richtig“ zu stürzen, falls es denn einmal sein muss. „Wenn ma fliagn wü, dann muaß ma wos riskieren“, dieser Songtitel wirkt umso glaubhafter, wenn aus 2,50m Höhe heruntergesungen. Der „Humor & Groove-am Stiel“ Blickfang auf überlangen Beinen flirtet sich weiters mit redegewandten Moderationen und „Stand-up-Comedy“ ins Herz des Publikums . Diese einzigartige Formation ist in jeder seiner Ausprägungen eine Augen- und Ohrenweide und ein Genuss für alle, die auf gute Rhythmen stehen. Das Spektakel hält was das Wort „Groove“ verspricht. Da kommt Freude auf.
(Alexandra Leitner)
http://www.chilifish.at/