AKTUELLE VERÖFFENTLICHUNGEN AUS ÖSTERREICH: JAZZ (1/2019)

Die neuesten Releases der österreichischen Jazzszene hat mica-Autor Martin Schütz für uns zusammengefasst! Darunter finden sich neben Veröffentlichungen arrivierter Acts auch Debütalben und Neuentdeckungen.

Aufmessers Schneide „Orbs”
(Jazzwerkstatt Records)

Das Spiel mit der Sprache fristet – auch ohne entsprechenden Stimmeinsatz – ebenfalls in den Sphären des Jazz sein Dasein. Und so erliegen auch (noch) heutzutage bestimmte VertreterInnen der Versuchung, sich dabei dem mal mehr und mal weniger eleganten Wortwitz zu verschreiben. Vor diesem Hintergrund lässt Aufmessers Schneide weniger eine Hommage auf den Survival-Streifen des 90er-Jahre-Blockbuster-Kinos vermuten, sondern leitet sich – zu steil scheint die Vorlage – vom Namen des Bassisten und Komponisten Gregor Aufmesser ab, der auf seinem durchweg mit Eigenkompositionen gespickten Album „Orbs“ (Jazzwerkstatt Records) mit einem klangvollen und spielfreudigen Septett aufwartet.

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Georg Breinschmid & Thomas Gansch „Bransch“
(BreinMusic)

Sowohl die Töne als auch das genuin „Nahmhafte“ dieser beiden wohlbekannten Klangkünstler geht bei dem Zusammenschluss von Georg Breinschmid und Thomas Gansch ineinander auf. „Bransch“ (BreinMusic) nennt sich die CD mit ihrem Duoprogramm, die größtenteils Material zweier im Herbst 2016 im Wiener Konzerthaus dargebotenen und mitgeschnittenen Konzerte des Zweigespanns präsentiert.

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Uli Datler „STINGfluenced”
(Lazymusic)

Ein weiteres Portmanteau, das hier allerdings bereits auf den ersten Blick klarstellt, wohin die musikalische Reise geht, bildet den Titel der CD „STINGfluenced“ (Lazymusic). In Bezug auf die Namensgebung wenig überraschend, hüllt Pianist Uli Datler – bereits Mitte der 1980er der Musik Stings verfallen – entsprechende Stücke mit seinem Quintett in ein jazziges Gewand. Dabei dürfen auf dem Anfang des Jahres im Porgy & Bess präsentierten Album natürlich auch entsprechende Hits und Ohrwurmkandidaten von „Every Breath You Take“ bis „Roxanne“ nicht fehlen.

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MAX NAGL „Live at Porgy & Bess Vol. 3“
(RUDE NOISES)

Kein unbekanntes Gesicht auf der Bühne des Porgy & Bess ist Max Nagl. Spannende Kompositionen aus seiner Feder und ein hochkarätig besetztes Ensemble unter seiner Leitung gab es am 17. Jänner 2018 ebendort zu erleben. Für all jene, denen dieser Ohrenschmaus entging, liefert das Tondokument „Live at Porgy & Bess Vol. 3“ (rude noises) nun ein Trostpflaster.

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Emiliano Sampaio „Meretrio & Mega Mereneu Project“
(Session work records)

Mit gleich zwei Ensembles stellt Emiliano Sampaio auf seinem Doppelalbum „Meretrio & Mega Mereneu Project“ (Session Work Records) einen Rundumschlag seiner Fertigkeiten als Musiker (Gitarre, Posaune) und Komponist in verschiedenen Kontexten unter Beweis: im Trio oder mit seiner Big Band, wo unter anderem der Monk-Standard „Round Midnight“, Poetry Slam und Inspirationen aus Sampaios Zusammenarbeit mit der HR Big Band Einzug finden.

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FRANZISKUS „Some Sang a Song“
(Session Work Records)

Eine weitere groß besetzte Formation, die – ebenfalls mit Emiliano Sampaio an der Gitarre – auf selbigem Label (Session Work Records) veröffentlicht, mit ihrem vorgelegten Debüt „Some Sang a Song“ jedoch einen ganz anderen Weg beschreitet, nennt sich Franziskus. Eine Synthese aus Klassik und Jazz steht hier hoch im Kurs des von Simon Kintopp (Posaune, Komposition, Arrangements) gegründeten und geleiteten Ensembles, was sich nicht zuletzt in der Besetzung (ein Sextett und Gesang vereinen sich mit einem Streichquartett) sowie im gewählten Repertoire, das neben Kompositionen Kintopps von Händel bis Mingus reicht, widerspiegelt.

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Joe Abentung „Reflections“
(Alessa Records)

Auf seinem zehn Eigenkompositionen umfassenden Album „Reflections“ (Alessa Records) beschränkt sich der Bassist Joe Abentung auf die Besetzung des Klaviertrios und präsentiert gemeinsam mit seinen Trio-Partnern Oliver Kent (Piano) und Klemens Marktl (Schlagzeug) schnörkellosen Modern-Mainstream-Jazz.

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Changing Perceptions „Run for the Hills“
(Osztovics Music)

Modern-Mainstream-Jazz gibt es auch auf der CD „Run for the Hills“ (Osztovics Music) zu hören, mit der das Quintett Changing Perceptions um den Saxofonisten und Komponisten Markus Osztovics durch sein grooveorientiertes Spiel auf sich aufmerksam macht.

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Raklo WEinrich „A Sintoation“
(Jive Music)

Ein sehr umfassender Gitarrensound in Kombination mit Melodien, die sich stilistisch dem Hard Bop verschreiben – so lautet die Quintessenz in den Liner Notes zu „A Sintoation“ (Jive Music), dem aktuellen Album des Gitarristen Raklo Weinrich.

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Werner Feldgrill „Wheel of Life“
(ATS Records)

Mit von der Partie am E-Bass ist hier auch Werner Feldgrill, der sodann mit einer Veröffentlichung unter seinem eigenen Namen gleichzieht und auf „Wheel of Life“ (ATS Records) nicht nur am Bass, sondern auch an der Gitarre zu hören ist.

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Löschel Skrepek Zrost „Waldorf Hysteria“
(Loewenhertz)

Bei der Rückkehr zum Wortwitz darf dann natürlich auch das Werk „Waldorf Hysteria“ (Loewenhertz) nicht unerwähnt bleiben. Mit gleich 24 Tracks begeben sich hier Hannes Löschel, Paul Skrepek und Martin Zrost auf eine etwas andere Kreuzfahrt in unruhigen Gewässern und laden mit Spielfreude und Augenzwinkern zum Eintauchen in den vielschichtigen musikalischen Strudel des sympathisch-verschrobenen Trios.

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Jazzodrom „Movements from the Basement“
(ATS Records)

Dass Jazz nicht gerade selten ein Dasein in diversen Kellern zu fristen scheint, mag bei dem Besuch des ein oder anderen einschlägigen Etablissements oder Proberaums quasi als infrastrukturelles Spezifikum des Genres erscheinen und findet sich nun zumindest namentlich auch im Titel der CD „Movements from the Basement“ (ATS Records) wieder. Doch präsentiert sich das verantwortlich zeichnende Quintett Jazzodrom keineswegs in trister, düsterer oder gar modriger Atmosphäre, sondern wartet mit ausgewogenen Melodien und beherzten Grooves auf.

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Raphael Wressnig w/ Alex Schultz & James Gadson „Chicken Burrito“
(ZYX Music)


Sein Augenmerk auf das Erzeugen rhythmischer Drives – genährt aus den Sphären von Funk, Soul und Rhythm and Blues – richtet Raphael Wressnig hinter seiner Hammond-Orgel Seite an Seite mit Gitarrist Alex Schultz und Drummer-Urgestein James Gadson auf dem Album „Chicken Burrito“ (ZYX Music).

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Polykleitos Dialog „Means of Polarity“
(cracked anegg records)

Einem gänzlich anderen Blickwinkel verschreiben sich Polykleitos Dialog, bestehend aus Tobias Vedovelli (Bass), Mike Tiefenbacher (Piano), Michael Prowaznik (Schlagzeug) und Fabian Rucker (Saxofon). Mit ihrem Debütalbum „Means of Polarity“ (cracked anegg records) liefert das Quartett interessanten zeitgenössischen Jazz und überzeugt nicht nur im Spiel mit Tönen, Klängen und Impulsen, sondern auch in jenem mit Buchstaben, die sich bei dem Erstlingswerk – in eigenwilliger Eleganz – zu durchaus charmanten Stücktiteln verbinden.

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Martin Schütz