„Wenn die Welt ein schönerer Ort wäre, wären wir wahrscheinlich eine Reggae-Band geworden.“ – DION HÄMMERLE und PHILIPP SPICHTINGER (PHAL:ANGST) im mica-Interview

Seit 20 Jahren steht Phal:Angst für einen eigenständigen Mix aus Industrial, Elektronik und Post-Rock. Passend zum Bandjubiläum legt die Wiener Formation mit „Minor Tremors“ ihr sechstes Studioalbum vor. Die neuen Stücke wirken dabei auf der einen Seite etwas roher als zuletzt, auf der anderen aber zugänglicher, wobei die dunkle Schattierung der Musik nicht verloren gegangen ist. Inhaltlich beschäftigen sich Philipp Spichtinger („ph“), Dion Hämmerle („angst“), Alfred Wihalm („al“) und Nina Schönwald (seit 2026) mit politischen Bedrohungen und gesellschaftlichen Spannungen, aber auch mit Solidarität, Empathie und Liebe in schwierigen Zeiten. Im Interview mit Michael Ternai sprechen die Bandurgesteine Philipp Spichtinger und Dion Hämmerle über die Entwicklung der Band in den letzten 20 Jahren, warum ein Schlagzeug wahrscheinlich nie Teil des Bandgefüges wird und dass auch im Dunkeln etwas Schönes liegen kann.

2026 ist für Phal:Angst ein besonderes Jahr. Ihr feiert heuer euer 20-jähriges Bestehen und habt aus diesem Anlass bereits ein Jubiläumskonzert gespielt. Damit nicht genug, veröffentlicht ihr jetzt auch noch ein neues Album. Vielleicht einmal die Frage: Was ist Phal:Angst 2026 im Vergleich zu Phal:Angst 2006? Wie habt ihr damals begonnen – in welchem Spirit und mit welchem Plan?

Dion Hämmerle: Der Plan am Anfang war eigentlich ein einmaliges Konzert und gar keine Band, was sich dann aber sehr schnell geändert hat. Was sich seither schon verändert hat, ist, dass wir bis zu einem gewissen Grad weniger roh, weniger trashig sind und mittlerweile viel, viel länger an den Songs arbeiten. Früher haben wir vielleicht auch einmal etwas hingerotzt, das tun wir jetzt sicher nicht mehr.

Philipp Spichtinger: Wir haben uns sicher bis zu einem gewissen Grad professionalisiert, so weit das auf unserem Level halt geht. Aber das erste Album war mehr oder weniger improvisiert. Das war eigentlich mehr so eine Impro-Geschichte. Die ersten beiden Alben haben wir ja selbst aufgenommen. Ab dem dritten Album ist es dann ein bisschen professioneller geworden, weil wir begonnen haben, mit Alexandr Vatagin zu arbeiten.

Wir sind dann zum ersten Mal in sein Studio gegangen und haben angefangen, mit externen Leuten zu arbeiten. Es hat sich also mit der Zeit immer weiter professionalisiert, würde ich sagen. Vom Sound her ist es, wie Dion sagt, nicht mehr so rotzig, ein bisschen gefälliger, falls man das so sagen kann, und auch ein bisschen melodiöser.

Dion Hämmerle: Ein bisschen weniger Punk vielleicht.

Was hat damals den Ausschlag gegeben, aus der Entscheidung „Wir machen nur ein Konzert“ eine Band zu machen, die schließlich auch Alben veröffentlicht?

Dion Hämmerle: Das ging eigentlich relativ rasch, weil wir nach dem ersten Konzert gemerkt haben, dass es uns voll taugt, miteinander Musik zu machen. Der Weg zum ersten Album war dann schon noch länger und ein bisschen steiniger, weil auch nicht ganz klar war, wo die Reise musikalisch hingeht. Ich bin eher aus dem Ambient-Bereich gekommen, während Philipp und Alfred mit ihrem Elektro-Punk-Duo schon ein bisschen anders unterwegs waren.

Aber wir haben uns erstaunlich gut zusammengefunden und dann einfach versucht, nicht unbedingt etwas Neues, aber etwas Eigenes zu machen. Das erste Album war dann eigentlich die Konsequenz daraus, die logische Folge. Wir haben gesagt: Wenn man das schon halbwegs ernsthaft macht, dann soll es irgendwann auch einen Tonträger davon geben – damit es nicht in Vergessenheit gerät, auch für einen selbst nicht.

Philipp Spichtinger: Ich glaube, wenn du uns damals gesagt hättest, dass es uns 20 Jahre später immer noch gibt, hätten wir alle sehr ungläubig den Kopf geschüttelt.

Ihr habt gesagt, dass ihr heute vielleicht nicht mehr so trashig seid, dafür aber etwas gefälliger. Das wäre mir beim Durchhören des neuen Albums jetzt nicht so aufgefallen. Die Musik ist immer noch sehr dunkel und auf gewisse Weise auch verstörend. Ihr habt natürlich Melodien und ruhigere Parts, aber insgesamt ist das Setting mit der kalten Elektronik und dem Bass schon sehr dunkel. Es ist nach wie vor stark von Industrial geprägt. War das auch von Anfang an die Grundidee?

Dion Hämmerle: Ja, schon. Wie gesagt, ich komme sehr aus dem Ambient. Industrial hat mich eigentlich überhaupt erst in die elektronische Musik gebracht. Das ist für mich einfach eine Musikkultur, die sich nach wie vor durch mein Schaffen zieht. Philipp und Alfred bringen da noch andere Sachen hinein. Dadurch, dass wir alle drei auch sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker haben, die sich aber immer wieder überschneiden, entstehen jedes Mal spannende Sachen.

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Philipp Spichtinger: Ja, wobei man, glaube ich, schon sagen muss, dass uns eher dunkle Kunst oder generell Kunst, die sich mit dunklen, extremen – wie auch immer man das nennen mag – Themen beschäftigt, mehr interessiert als irgendein Happy-Peppy-Zeug.

Dion Hämmerle: Das ist wahrscheinlich unsere Schnittmenge: dass uns eher die düsteren Belange des Lebens umtreiben.

Deswegen nie die Kurve hin zu etwas Leichterem?

Philipp Spichtinger: Genau. Wobei wir das, glaube ich, ganz anders wahrnehmen – oder ich zumindest ganz anders wahrnehme. Mir kommt das neue Album teilweise fast schon poppig vor. Aber vielleicht liegt das daran, dass wir so tief drinnen sind.

Dion Hämmerle: Noch poppiger als das letzte Album.

Woran macht ihr das fest? Ich habe tatsächlich versucht herauszufinden, worin dieses poppige Element liegt. Geht es ein bisschen mehr in Richtung Struktur, oder habt ihr die offenen Formen beibehalten?

Philipp Spichtinger: Na, die Melodien einfach. In fast jedem Lied sind schon irgendwie schöne Melodien drin.

Dion Hämmerle: Ein bisschen Kitsch ab und zu auch.

Philipp Spichtinger: Aber ja, wenn uns Leute kennenlernen, ist es eigentlich fast immer so, dass sie sagen: Die Musik ist ja total düster, total dark. Ich glaube, wir empfinden das gar nicht so.

Dion Hämmerle: Aber halt eben auch schön. Das kommt schon auch immer wieder vor. Leute, die ebenfalls dunkle Musik mögen, finden das dann auch schön. Bei uns gibt es nicht nur das, was Industrial früher gehabt hat, nämlich dieses Verstörende und Unangenehme fürs Ohr – das sind wir, glaube ich, nicht.

Ihr habt auch gemeint, dass ihr eigentlich drei ziemlich unterschiedliche musikalische Geschmäcker habt. Das kommt aber auch stark heraus, weil es schon sehr unterschiedliche Akzente gibt, die gesetzt werden. Wie lange hat es gedauert, diesen gemeinsamen Sound zu finden? War das ein Kampf?

Dion Hämmerle: Das dauert im Grunde eigentlich immer noch ein bisschen an. Die Suche geht immer weiter, weil sich bei mir auch immer wieder etwas verändert – in meiner Arbeitsweise, in der Instrumentierung und auch in dem, was ich gerade höre und was mich musikalisch beeinflusst. Das wird bei den anderen vielleicht auch so sein. Es ist also immer ein bisschen Veränderung da, aber eigentlich waren wir uns immer relativ schnell einig.

Philipp Spichtinger: Wobei die ersten beiden Alben schon anders sind als dann das dritte und die darauffolgenden. Ich glaube, bis zum dritten Album hat es schon gedauert, bis wir den Sound so weit herausgearbeitet hatten, den wir eigentlich machen wollten.

Bild der Band Phal:Angst
Phal:Angst © Bernd Faszl

Dion Hämmerle: Und wahrscheinlich hat das auch ein bisschen mit dem Können zu tun, mit dem Umgang mit den Instrumenten, weil teilweise viel Neuland dabei war. Auch bei der Instrumentierung mussten wir den Umgang damit erst lernen. Und wir mussten miteinander herausfinden, welche Dinge sich gegenseitig ins Gehege kommen. Gerade bei den Frequenzbereichen von Gitarre und Synthesizer mussten wir erst lernen, darauf zu achten. Das musste ich, glaube ich, auch erst lernen.

Philipp Spichtinger: Ja, gerade bei der Albumproduktion haben wir schon sehr viel dazugelernt. Eben das, was Dion gesagt hast: dass sich Frequenzen nicht überdecken. Das, was er mit seinen Synthesizern macht, ist an sich schon relativ viel. Und wenn dann noch Gitarre, Bass, Gesang, Xylophon und zusätzliche Beats dazukommen, ist das schon sehr dicht. Ich glaube, zu Beginn hat sich das öfter überdeckt. Wir mussten erst lernen, dass manchmal weniger mehr ist.

Bei eurem neuen Album habe ich das Gefühl, dass ihr euch bewusst zurückgenommen habt, um Räume zu schaffen.

Philipp Spichtinger: Genau, aber das war auch ein längerer Prozess.

Dion Hämmerle: Das ist mir sehr lange schwergefallen, aber schlussendlich … (lacht)

Philipp Spichtinger: Da war auch Alexander Vatagin ganz wichtig für uns. Er hat uns ein bisschen darauf gebracht, dass man nicht immer Vollgas geben und alles gleichzeitig am Anschlag machen muss, sondern sich manchmal zurücknehmen muss, damit alle Instrumente ihren Platz haben.

Ihr habt in eurer Karriere einige prominente Fürsprecher, etwa Justin Broadrick oder Dälek. Sind diese Leute für euch auch Helden oder Vorbilder?

Dion Hämmerle: Naja, ich komme ursprünglich schon auch aus dem Punk. Ich hatte einige Punkbands und habe auch Hardcore und Speedcore gemacht. Ende der 1990er bin ich dann aber in Richtung Elektronik und Industrial abgebogen, weil mich das extrem fasziniert hat. Ich habe mich dann eigentlich komplett von Punk und Hardcore abgewendet. Später bin ich wieder ein bisschen mehr in diese Richtung gekommen, aber das war so mein Weg dorthin. Und auf diesem Weg ist mir natürlich auch Justin Broadrick über den Weg gelaufen. Dälek kannte ich damals noch nicht, das hat mir dann erst Philipp nähergebracht.

Philipp Spichtinger: Ich habe schon immer sehr viel Hip-Hop gehört. Dälek war eine ganz wichtige Band für mich und ist eigentlich immer noch die zentrale Band in diesem Bereich, die diese Dinge irgendwie kombiniert: Hip-Hop, Industrial, Ambient, Noise, was auch immer. Broadrick habe ich früher nie so gehört, aber gerade sein Projekt Jesu ist für mich etwas, das uns sehr nahekommt. Ich finde schon, dass wir einen Sound entwickelt haben, der schwer mit anderen Bands vergleichbar ist. Jesu ist eine der wenigen Bands, die ich gerne als Vergleich heranziehe.

Ich habe den Eindruck, dass bei euren Alben, auch beim neuen, immer eine kunstvolle Ebene, ein gewisser künstlerischer Anspruch mitschwingt. Es ist nicht nur so: „Wir machen Musik“, sondern da steckt für mich noch eine größere Ebene dahinter.

Dion Hämmerle: Das trifft es eigentlich schon ganz gut. Wir hatten immer den Anspruch, dass es nicht nur um Musik und Unterhaltung geht. Es war oder ist nach wie vor teilweise schwierig, das auch anderen Leuten nachvollziehbar zu vermitteln. Gerade im Kunstbereich anzudocken, ist uns eigentlich nie richtig gelungen oder nur sehr schwer.

Philipp Spichtinger: Teilweise schon. Ich meine, wir haben schon in Galerien und Museen gespielt, also gibt es durchaus immer wieder Schnittmengen. Aber das ist sicher ein Bereich, in den wir vielleicht noch ein bisschen mehr hineingehen würden – etwa in Richtung Filmmusik oder Theater. Das hat sich bisher irgendwie nie so ergeben, wie wir uns das vielleicht gewünscht hätten.

Aber prinzipiell stimmt es natürlich. Wir haben auch Visuals bei den Konzerten, das Cover-Artwork ist uns immer wichtig, und auch Musikvideos spielen eine Rolle. Es stimmt also schon: Es ist sicher mehr als nur Musik.

Was sind die Themen eurer Songs? Optimistische und fröhliche werden es wohl eher nicht sein. Ist eure Musik auch immer eine Art Antwort oder Kommentar auf die Gegenwart und das, was gerade passiert?

Philipp Spichtinger: Ich muss sagen, das hat sich über die Jahre ein bisschen verändert. Als wir angefangen haben, wurde die Stimme eigentlich mehr als Instrument eingesetzt. Da waren die Texte nicht unbedingt tiefgründig, sondern es ging eher darum, die Stimme als Instrument zu verwenden. Wir wollen eigentlich immer noch, dass die Stimme im Mix nicht darübersteht wie bei klassischen Rockbands, sondern eher im Sound drinnen ist.

Wir sind also keine textlastige Band und waren es auch nie. Wobei sich das mittlerweile schon verändert hat. Früher wurde die Stimme wirklich rein als Instrument eingesetzt, mit sehr repetitiven Phrasen, die sich immer wiederholt haben. Mittlerweile gibt es mehr Lyrics und mehr Inhalt. Auf dem aktuellen Album beschäftigen sich die Texte natürlich auch mit der Situation in der Welt. Sie sind schon eher dunkel gehalten, aber es ist auch eine Prise Optimismus dabei.

Auch wenn vieles oft zum Verzweifeln ist, geht es vielleicht darum, dass man trotzdem auf lokaler Ebene etwas bewegen kann, nicht komplett zynisch werden und auch nicht völlig aufgeben sollte. Wir waren jetzt nie so depressiv. Es gibt ja zum Beispiel Depressive Black Metal, wo über Selbstmord gesungen wird. Bei uns war immer auch ein Funken Optimismus und ein Funken Romantik dabei – vor allem in den Melodien.

Trotz des Funkens Optimismus klingt eure Musik schon dunkel und schwer. Wie sieht es mit dem Faktor Spaß in der Band aus? Gibt es den, oder erschlägt euch die Ernsthaftigkeit?

Philipp Spichtinger: Uns macht es total Spaß. Wir sind ja auch Leute, die gerne Spaß haben und gerne lachen. Wir sind jetzt nicht so die depressiven Typen, die den ganzen Tag im dunklen Proberaum sitzen. Also wir haben schon Spaß mit der Band.

Dion Hämmerle: Wenn die Welt ein schönerer Ort wäre, wären wir wahrscheinlich eine Reggae-Band geworden. Wir sind eigentlich total positive Menschen. Wir haben irrsinnig viel Freude am Musikmachen, finden es aber eben auch wichtig, die düstere Seite ein bisschen zu zelebrieren und kundzutun. Und ich finde, wenn Musik emotional ist, so wie bei Phal:Angst, dann kann es gar nicht funktionieren, dass man immer nur glückliche und fröhliche Musik macht. Das geht gar nicht.

Philipp Spichtinger: Ich finde generell – wie ich vorhin schon gesagt habe –, dass Kunst eigentlich nur spannend ist, wenn sie sich mit den abseitigen Themen des Lebens beschäftigt. Kunst, die sich nur mit Sonnenschein beschäftigt, finde ich nicht spannend.

Bild der band Phal:Angst
Phal:Angst © Bernd Faszl

Ihr habt euren Sound über die Jahre stetig weiterentwickelt. Das zeugt natürlich auch von einem gewissen Experimentierwillen und dem Bedürfnis, Dinge auszuprobieren. Was geblieben ist, ist der Drumcomputer beziehungsweise das elektronische Schlagzeug. Hattet ihr nie die Idee, auf ein echtes Schlagzeug umzusteigen?

Dion Hämmerle: Also, ich muss sagen, ich bin ein großer Schlagzeug-Feind. Ich finde, dass es vielen Bands mit Schlagzeug nicht gelingt, dass sich die Schlagzeuger zurücknehmen. Das war für mich eigentlich auch ein Grund, warum ich mich ganz am Anfang mit Drumcomputern auseinandergesetzt habe. Ich finde das Simple, das Repetitive und das Einfache daran sehr spannend, weil ich oft das Gefühl habe, dass man durch die Abwesenheit von Fülle viel mehr transportieren kann.

Ich kenne viele Schlagzeuger, und das war für mich immer ein Punkt, mit dem ich mich schwertue. Weil sie mit zunehmendem Können dann auch immer mehr hineingepackt haben. Das war für mich immer der Ansatz. Und darum war ich nie wirklich willens, auf ein Schlagzeug umzusteigen.

Philipp Spichtinger: Wobei wir es einmal mit einem Schlagzeug probiert haben. Es gab sogar ein Konzert, bei dem wir zwei oder drei Nummern mit Schlagzeug gespielt haben. Das ist aber schon lange her. So ganz super war das allerdings auch nicht.

Dion Hämmerle: Stimmt, ganz super war es nicht. Die Schwierigkeit ist auch, dass es supertight sein muss. Wenn die Technik nicht hundertprozentig passt und man vorher nicht oft genug proben kann, ist das ganz, ganz schwierig. Und wir tun uns so schon manchmal auf der Bühne schwer, wenn man nicht alles gut hört und dann alles schön in Time bleiben soll. Also nein: kein Schlagzeug.

Ihr befindet euch in eurem Jubiläumsjahr. Wenn man euch vor 20 Jahren gefragt hätte, ob ihr euch vorstellen könntet, dass es euch so lange gibt, hättet ihr wahrscheinlich Nein gesagt. Jetzt gibt es euch tatsächlich noch. Wie sieht es heute mit dem Bandgefüge und dem Spirit aus? Ist davon noch derselbe Geist wie zu Beginn da, oder ist vieles einer gewissen Routine gewichen? Seid ihr als Musiker erwachsener geworden, oder ist dieser – wie soll man sagen – kindliche Ehrgeiz immer noch da?

Philipp Spichtinger: Sowohl als auch. Der Sound und manche Dinge, wie wir sie angehen, sind sicher erwachsener geworden – unter Anführungszeichen. Auch mit dem Label: Wir sind jetzt bei Noise Appeal Records, was für uns schon ein großer Einschnitt und eine gewisse Professionalisierung war. Bis dahin haben wir alles selbst gemacht, die Sachen DIY-mäßig selbst herausgebracht. Jetzt gibt es ein Label, das viele Dinge für uns übernimmt. Das ist schon eine Spur erwachsener als früher.

Auf der anderen Seite spielen wir aber nach wie vor gerne, wie vor 20 Jahren, im EKH auf Punkkonzerten. Im Herbst haben wir im Punkbeisl im EKH gespielt, und das war total lustig und hat uns richtig Spaß gemacht. Da sind wir schon mit einem immer noch jugendlichen Eifer rangegangen. Und ich glaube, an unserer grundsätzlichen Einstellung und an unserer politischen Haltung hat sich in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert.

Dion Hämmerle: Und auch die Freude am Musikmachen verbindet uns nach wie vor alle. Wir sind schon lange gut befreundet, und das vermischt sich da so schön. Einerseits gibt es den professionellen Anspruch beim Musikmachen, andererseits diese Freude darüber, dass man sich trifft und gemeinsam etwas macht. Und wenn bei einer Probe einmal nicht viel weitergeht, dann trinkt man ein Bier und quatscht ein bisschen mehr.

Man könnte fast sagen, es geht um nichts, aber eigentlich geht es um viel. Es ist nicht so wichtig, dass man das alles zu ernst nimmt. Die Freude steht nach wie vor im Vordergrund für uns. Und es ist auch eine Art, das Erwachsenenleben, das wir mittlerweile alle mit Familien und Jobs führen, ein bisschen zu kanalisieren. Wir haben dieses Ding, bei dem wir uns einmal in der Woche treffen und unsere kleine Bandrunde haben.

Herzlichen Dank für das Interview.

Michael Ternai

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Phal:Angst live
25.09. Rhiz, Wien ALBUM RELEASE SHOW
03.10. Vegalité, Brünn (CZ)

21.11. Kapu, Linz

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