Das Klangforum Wien beginnt dieser Tage seine 25. Konzertsaison. Am Freitag, 4. und Samstag, 5. September 2009 feierte es mit vielen, vielen geladenen Freunden im Vereins- und Probenlokal in der Wiener Diehlgasse ein Jubiläumsfest von 27 Stunden (!) Dauer. Mit dabei auf Seiten der Musikerinnen und Musiker etliche, die von Anfang an dabei waren. Mit dabei auch eine “Band” von teils gerade mal achtjährigen Nachkommen, die für “ART of Ubuntu” auftraten. Moderiert wurde von Sven Hartberger, Peter Oswald und Vorstandsmitgliedern wie Monika Knofler, Hannah Rieger Armin Thurnher, Thomas Stelzer, Markus Haffner u. v. a.
“Machen Sie uns ein Fest, bitte!!” lud Sven Hartberger ein, aber das Fest wirklich mit und für sein Publikum machen taten wohl vor allem die MusikerInnen des Klangforums Wien, die in verschieden zusammengesetzten Ensembles (teils unter Leitung von Johannes Kalitzke) und solistisch zu Gehör brachten, was sie draufhaben. Für Speis (mitgebrachte Suppen) sorgten Freunde aus dem Publikum und dem Kreis der Künstler, Brot gab`s auch genug und für Trank sorgte das ebenerdige Lokal in der Diehlgase 51, die contemporary bar.
Sven Hartberger startete am Freitagvormittag mit einem “Pressefrühstück”, bei dem er Rück- und Vorschau (auf die nun kommende Saison) hielt: Das Klangforum sei schließlich seit 25 Jahren eine Veranstaltung zur Verbesserung der Welt. “24 MusikerInnen aus zehn Ländern verkörpern eine künstlerische Idee und eine persönliche Haltung, die ihrer Kunst zurückgeben, was ihr im Verlauf des 20.Jahrhunderts allmählich und fast unbemerkt verloren gegangen ist: einen Platz in ihrer eigenen Zeit, in der Gegenwart und in der Mitte der Gemeinschaft, für die sie komponiert wird und von der sie gehört werden will (.) Sylvain Cambreling, Friedrich Cerha und Beat Furrer sind die drei herausragenden Musiker, denen das Klangforum Wien im Verlauf seiner 25jährigen Geschichte durch jeweils einstimmigen Beschluß aller MusikerInnen die Ehrenmitgliedschaft des Ensembles verliehen hat. Seit 1997 ist Sylvain Cambreling zudem erster Gastdirigent des Klangforums Wien.”
Die 24 Mitglieder dieses demokratischen Künstler-Ensembles sollen einmal zu diesem Anlass auch gemeinsam namentlich auf der Website der mica-Musiknachrichten genannt werden.
Es handelt sich um Annette Bik (Violine), Markus Deuter (Oboe), Lorelei Dowling, (Fagott), Andreas Eberle, (Posaune), Vera Fischer (Flöte), Eva Furrer (Flöte), Gunde Jäch-Micko (Violine), Uli Fussenegger (Kontrabaß), Andrew Jezek (Viola), Benedikt Leitner (Violoncello), Andreas Lindenbaum (Violoncello), Florian Müller (Klavier), Anders Nyqvist (Trompete), Dimitrios Polisoidis (Viola), Gerald Preinfalk (Saxophon), Sophie Schafleitner (Violine), Lukas Schiske (Schlagwerk), Krassimir Sterev (Akkordeon), Virginie Tarrête (Harfe), Olivier Vivarès (Klarinette), Christoph Walder (Horn), Björn Wilker (Schlagwerk), Bernhard Zachhuber (Klarinette). Und die meisten von diesen fanden natürlich auch Zeit gleich mehrfach bei diesen Festdarbietungen aufzutreten. Alle: Bitte vor den Vorhang!
Und natürlich auch andere Musiker der ersten Stunde, hier zu Gast und auch gleich auftretend, etwa Donna Molinari-Pradelli (vormals Wagner, Klangforerin der ersten Stunde, nunmehr in Bern beheimatet). Und nicht zu vergessen: Armin Thurnher (Klavier), mit dem Schlussrondo (Presto) aus Haydns Klaviertrio Nr. 39 “all’Ongarese” mit von der Partie bei den konzertanten Darbietungen!
Was gab es denn alles noch zu hören? – Magnus Lindbergs eindrucksvolles Klarinettenquintett etwa (Hauptakteur: Olivier Vivarès), Bernhard Zachhuber konnte sich da solo Gérard Griseys “Anubis/Nout” für Bassklarinette tags darauf würdig revanchieren. Mit Kalitzke als Einwachler gab es Strawinskys Septett, auch Dimitrios Polisoidis spielte ein Werk von Grisey. Am Samstagabend gab es, präsentiert von Friedrun Huemer (auch sie Mitglied des Direktoriums) Roman Haubenstock-Ramati und eine Kunstauktion zugunsten von SOS-Kinderdorf (ART of ubuntu), später am Abend dann hörte man Helmut Lachenmanns gewaltiges Werk “Gran Torso” und noch Solowerke von Ferneyhough (Vera Fischer) und Aperghis (Lukas Schiske) – das Programm ging bis 4 Uhr früh (!). Am Sonntag ging es um 10.00 Uhr weiter mit einem Brunch und dem liebenswerten Walter Raffeiner und den Attensam-Schrammeln (dem an den Geigen Annette Bik und Sophie Schafleitner Profil geben). Den Abschied gaben, wie schon gesagt, Zachhuber mit Grisey sowie Anders Nyqvist (Trompete) in der – nicht zu vergessen – grandiosen elektronischen Aussteuerung und Klangregie von Peter Böhm (einem mica-Interview-Kandidat der allernächsten Zeit!).
Auf die Saison 2009/10 international und den Konzerthaus-Zyklus “Zurück/vorwärts” werden wir in den nächsten Tagen eine Extra-Vorschau bieten, man findet sie auch auf der neu gestalteten Klangforum-Homepage (hr).


