Seit 20 Jahren gehören 5/8erl in Ehr’n zu den prägenden Formationen der österreichischen Musikszene. Was einst mit Mundartliedern, Wienerlied-Anklängen und einem eigenwilligen Groove begann, hat sich über die Jahre zu einem unverwechselbaren musikalischen Entwurf entwickelt, in dem Soul, Pop, Jazz und Wiener Tradition selbstverständlich zusammenfinden. Mit „Siasse Tschick“ gelang früh der Schritt in eine größere Öffentlichkeit, seither ist die Band musikalisch wie inhaltlich vielseitig geblieben. Am 12. September feiern 5/8erl in Ehr’n ihr Jubiläum mit einem großen Konzert in der Wiener Arena. Im Interview mit Michael Ternai sprechen die beiden Gründungsmitglieder Bobby „Slivo“ Slivovsky und Hanibal Scheutz über die ursprüngliche Idee hinter der Band, wie sich der Sound im Laufe der Jahre entwickelt hat und wer maßgeblich dazu beigetragen hat, diesen zu finden.
Vielleicht zu Beginn: Ihr habt ja zu einer Zeit mit diesem Wiener Soul begonnen, in der Wienerlied und auf Deutsch beziehungsweise in Mundart zu singen nicht wahnsinnig angesagt waren. Es hat schon Gruppen wie etwa die Strottern gegeben, aber diese Mundartwelle ist erst später so richtig gekommen.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: So richtig aufgepoppt ist die erst fünf Jahre später.
Hanibal Scheutz: Ich kann mich erinnern, dass wir damals Freunde hatten, die mitbekommen haben, dass wir Musik machen, und die das, was wir gemacht haben, etwas uncool fanden. „Was, ihr macht etwas mit Mundart? Wer macht denn so was?“, haben wir schon manchmal zu hören bekommen.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Das war noch zu einer Zeit, als dieses Britpop-Ding und Indie angesagt waren und alle auf Englisch gesungen haben.
Hanibal Scheutz: Bands, die auf Deutsch gesungen haben, gab es nicht so viele. Garish hat es gegeben. Und die waren auch schon wirklich groß. Zumindest für unsere Verhältnisse. Wir haben mit denen ja auch studiert.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Begonnen hat es mit der Band bei Jams. Ich kannte Hanibal damals auch schon lange, seit der Oberstufe. Und wir haben uns sehr stark über den Blues kennengelernt. Wir spielten viel miteinander, und Hanibal war damals schon Vollprofi.
Hanibal Scheutz: Wirklich kennengelernt haben wir uns auf einem Klassenausflug. Ich hatte eine Gitarre dabei und spielte dann irgendwann dieses Muddy-Waters-Riff. Ich glaube, das von „Hoochie Coochie Man“.

Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Als ich Hanibal spielen gehört habe, bin ich gleich zu ihm gelaufen und habe gesagt: „Ich kenne den Text von dem Lied.“ Und dann haben wir uns angefreundet. Wir haben uns nach der Schulzeit zwar eine Zeit lang nicht gesehen, aber wir hielten immer ein bisschen Kontakt, bis wir uns dann am Jazzkonservatorium wiedergetroffen haben.
Und Hanibal war damals schon so ein sehr proaktiver Netzwerker. Er war sehr umtriebig in Wien, ich eher nicht. Er war viel auf Sessions unterwegs, während ich noch der eher verunsicherte Sänger war. Hanibal hatte ein ziemlich großes Selbstvertrauen. Und er hat dann auf einer dieser Sessions eben den Max kennengelernt und gesagt, dass er ihn mir unbedingt einmal vorstellen müsse.
Hanibal Scheutz: Mir war irgendwie klar, dass sich die zwei kennenlernen müssen. Das war so einzigartig, wie die beiden singen konnten. Ich glaube, es war dann bei einer der Sessions in der Sargfabrik, als sich die zwei kennengelernt haben. Ab dem Zeitpunkt, an dem sie sich getroffen haben, sind sie eigentlich nur noch mehr aufeinandergehangen (lacht).
Also musikalische Liebe auf den ersten Blick.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Kann man schon so sagen, ja.
Hanibal Scheutz: Obwohl wir von unseren musikalischen Backgrounds schon sehr verschieden waren, haben wir irgendwie gerochen, dass es zwischen uns total passt.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Soul war irgendwie unsere Schnittmenge. Ich kann mich erinnern, dass Max im Studium sehr engagiert und ein wirklich guter Jazzer war. Das kann er wirklich sehr gut. Da kann ich nicht mithalten. Ich war eher so der Rock- und Blues-Sänger. Hanibal war irgendwie so ein Hybrid, der immer alles probiert hat. Er hat zuerst Schlagzeug studiert, dann Gitarre und dann Bass.
Hanibal Scheutz: Ich habe eigentlich mit der Band mit dem Kontrabass begonnen.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Irgendwann hat sich dann das eine mit dem anderen ergeben. Ganz kurz war dann Harry Perron dabei. Aber wirklich nur ganz kurz. Er hat dann Miki, die eine sehr gute Freundin von ihm war, ins Boot geholt. Was uns dann noch gefehlt hat, war ein Akkordeonist. Und einen zu finden, war gar nicht einmal so leicht. Wir haben aber mit Clemens studiert und haben ihn dann gefragt. Und auf einmal war die Partie fertig. Das ist jetzt 20 Jahre her.
Und in welche Richtung es musikalisch gehen sollte war auch zu Beginn schon klar?
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Ganz am Anfang stand hinter der Band diese Gastgarten-Idee: ein kleines Heurigentischerl, ein Glaserl Wein. Deswegen auch 5/8erl in Ehr’n. Den Namen haben wir uns dann leider eingetreten. Es gibt sicher bessere. Aber das war die Gastgarten-Idee. Ein bisschen als Rolemodel diente diese Peter-Alexander-Geschichte. Und dann haben wir uns halt musikalisch von Album zu Album entwickelt, würde ich sagen.
Hanibal Scheutz: Ich kann mich erinnern, dass wir gesagt haben, wir wollen bei Konzerten ganz ohne Anlage auskommen. Das war irrsinnig romantisch gedacht. So einfach wie möglich. Einfach nur spielen. Und dann war es so, dass wir schon beim ersten Konzert eine Anlage hatten, weil wir halt sehr intim spielen. Und dann braucht man eigentlich noch mehr Anlage als Bands, die laut sind.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Und beim Songwriting sind wir dann draufgekommen, dass sich durch die Besetzung einfach auch ein Sound entwickelt hat. Weil wir kein Schlagzeug hatten, mussten wir erfinderisch werden, weil wir in unserem Songwriting doch sehr perkussiv denken.
Hanibal Scheutz: Ja, wir hatten eigentlich immer solche Künstler:innen im Kopf wie Stevie Wonder – also alles, was groovt. Michael Jackson haben wir auch viel gehört. Uns war das immer wichtig, dass die Stimmen nicht nur getragen sind, sondern auch mit der Band mitgrooven und dass Miki und ich quasi Schlagzeug imitieren. Und das ging halt auch gut mit dem Instrumentarium, weil der Kontrabass einfach so ein perkussives Instrument ist. Und wenn man die Gitarre so spielt wie Miki, dann geht das auch.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Für die Entwicklung des Sounds waren für uns die Strottern sehr wichtig.
Hanibal Scheutz: Total. Ich habe damals David Müller angerufen, weil uns ihr Album „I gabat ois“ so sehr gefallen hat. Für mich war es einfach so: „Wow, wie kann man so gut musizieren? Und wie nah kann man in einer Aufnahme sein?“ Ich war so beeindruckt von diesem Sound. Und dann sind wir draufgekommen, dass er eh in Klosterneuburg zu Hause ist und dort ein kleines Gartenhäuschen hat, wo alles gemacht wird.
So ist es auch dazugekommen, dass wir unser zweites Album „Bitte schön“ bei ihm aufgenommen haben. Er hat uns auch wirklich geholfen, diesen Sound zu kultivieren. Er hat ihn eigentlich mit uns gemeinsam entwickelt. Er war ganz wichtig für uns.

Das Spannende an eurer Musik war, finde ich, auch immer, dass niemand den eigenen musikalischen Background verborgen hat. Die verschiedenen Backgrounds waren in der Musik immer zu hören. Jazz, Pop, Wienerlied …
Hanibal Scheutz: Ja, das habe ich auch immer so empfunden.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Fünf verschiedene Hörgewohnheiten, das macht viel in der Musik.
Hanibal Scheutz: Am Anfang haben vor allem Slivo, Max und ich geschrieben und die Songs entwickelt. Dann ist uns aber aufgefallen, dass es total langweilig wird, weil man sich nach zwei Alben irgendwie zu wiederholen beginnt. Man hat halt seine Schmähs. Deswegen haben wir das Songwriting bewusst aufgemacht. Seitdem kommt die Musik eigentlich von uns allen. Und das ist auch, glaube ich, der Grund, warum unser Sound stilistisch so breit geworden ist.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Ja, da ist dann noch mehr Sound hinzugekommen, weil da jetzt doch fünf Expertisen hineingeflossen sind.
Also steckte von Beginn an doch eine größere musikalische Idee dahinter.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Zuerst war es wirklich der Gedanke, einfach gemeinsam zu musizieren, so wie es Schülerinnen und Schüler in einer Schulband tun, und Gaudi dabei zu haben. Die Dinge sind also erst einmal alle irgendwie passiert. Und irgendwann merkt man dann: Schau her, das Ganze kann man ja auch ordentlich machen.
Am Anfang war es Liebhaberei, mit dem Traum, dass man einmal vielleicht davon leben könnte. Aber das ist ja in der Musik- oder Kulturbranche meistens ein Traum. Die Wahrscheinlichkeit für einen Durchbruch ist nicht so groß. Man muss halt viel zusammenspielen und Glück haben. Und auch die richtigen Leute treffen bzw. auch kennen.
Beim Booking haben wir am Anfang zum Beispiel viel davon profitiert, dass Hanibal aus einer Musikerfamilie stammt und dort halt schon viel Know-how vorhanden war. Ganz am Anfang hat seine Mama für uns das Booking gemacht.
Hanibal Scheutz: Meine Mama wusste, wie Booking funktioniert, und auch, welche Locations für uns passen könnten und wo es nicht schlimm ist, dass jetzt keine 200 Leute kommen, sondern nur 100. Sie wusste auch, wie man in Niederösterreich leichter in die Bühnenwirtshäuser reinkommt. So sind wir doch zu einigen Konzerten gekommen, bei denen wir die Leute überzeugen konnten. Sie haben schnell gecheckt, dass wir das ernst meinen, was wir da machen. Man braucht am Anfang also schon Leute, die an einen glauben.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Ich würde auch sagen, ohne die Expertise seiner Eltern wären die Startschwierigkeiten enorm größer gewesen.
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Ab wann war der Punkt erreicht, an dem ihr das Gefühl hattet: Okay, jetzt haben wir diesen quasi Wiener Soul als eigene Marke etabliert und jetzt geht es dann auch wirklich los?
Hanibal Scheutz: Also richtig stark aufgefallen ist es mir wirklich bei „Bitte schön!“, also bei unserem zweiten Album. Auf dem war auch das Lied „Siasse Tschick“ drauf. Und das Lied wurde zu einem richtigen Underground-Hit, und das, ohne dass es im Radio gespielt wurde. Da haben wir gemerkt: Aha, jetzt kommen Leute wegen dieser einen Nummer.
Ich kann mich noch gut an die Präsentation des Albums „Gut genug für die City“ erinnern. Wir haben damals am Anfang für die Präsentationskonzerte nie Eintritt verlangt. Wir haben die Leute einfach eingeladen, zum Konzert zu kommen. Und schon bei der Präsentation von „Bitte schön!“ ist es uns gelungen, das Brut zu füllen. Das Konzert war vollkommen überlaufen. Bei der Präsentation von „Gut genug für die City“ waren es dann noch einmal mehr Leute. Ich glaube, es waren damals 500 Leute gratis in diesem Raum, und vor der Location hat sich dann noch eine lange Schlange gebildet.
Als wir zum Abschluss dann als Zugabe „Siasse Tschick“ gespielt haben, hat der ganze Saal das Lied mitgesungen. Und da haben wir gewusst: Okay, wir haben irgendwas, was jetzt weitergehen kann, weil dieses Lied alleine uns schon noch ein bisschen trägt. Außerdem hatten wir zu dieser Zeit einen wirklich guten Output.
Unser Hit „Alaba, How Do You Do?“ ist ja erst nachher gekommen. Und auch ein paar Nummern, die wirklich politisch waren und in denen wir auch nicht mehr so kryptisch waren. Da haben wir uns mehr getraut, weil wir gemerkt haben: Es wird ein bisschen größer. Wir haben überhaupt begonnen, etwas größer zu denken, über die Wienerliedblase hinaus.
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War dieses Politische vorher nicht der Plan?
Hanibal Scheutz: Doch, schon, es war immer ein bisschen da. Ich habe mal ein Interview gehört von – ich weiß nicht mehr, welche Band das war –, die dann gesagt hat: Je größer die Räume werden, desto größer wird die Musik sozusagen. Und ich glaube, so werden auch die Themenbereiche genauer und größer, wie man etwas ausdrückt und wie man will, dass etwas ankommt.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Sagen wir so: Es ist das Selbstvertrauen ein bisschen gewachsen. Auch auf dem ersten Album hatten wir mit dem Lied „Gengan 2 Woame Auf A Hasse“ ein politisches Thema. Das Politische war im Grunde also schon immer da, nur sind wir mit der Zeit auch mutiger geworden. Wir haben uns bei den Moderationen mehr zugetraut, und das hat sich dann halt auch auf das Songwriting übertragen. Wir haben gemerkt: Okay, das Feedback ist positiv, wir können uns jetzt mehr trauen. Und wenn man sich mehr traut, traut man sich dann auch beim Songwriting mehr. Es ist eine Vertrauensgeschichte.
Hanibal Scheutz: Mit diesem Vertrauen schreibt man manchmal auch einen weniger gefälligen Text, einen, der auch mal steckenbleiben darf. Weil „Alaba, How Do You Do?“ für eine Band, die aus dieser Wiener-Lied-Szene kommt, ein Lied war, das quasi schon in die Goschen gehauen hat. Es waren schon Leute im Publikum, die sich gefragt haben: „Was ist denn das jetzt?“ Ich kann mich erinnern, dass wir in Deutschland von manchen Leuten schon angefeindet wurden.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Manchmal polarisierst du ein bisschen. Das ist ja nicht immer schlecht. Es ist auch gut, wenn jemand das Album anhört und sagt: „Nein, mag ich nicht.“ Wieso nicht? Und wenn jemand über dich im Wirtshaus schimpft, bist du ja trotzdem im Gespräch.
Und ihr seid mit der Zeit immer mehr zu einem Gesprächsthema geworden. Es folgten Fernsehauftritte, zahlreiche Tourneen, etliche Amadeus-Award-Nominierungen und -Auszeichnungen. Ihr habt als Band viel miteinander erlebt. Wie habt ihr es geschafft, 20 Jahre ohne einen Besetzungswechsel durchzuhalten?
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Durch viel harte Arbeit. Ich glaube, viel harte Arbeit. Es ist einfach harte Arbeit, wie jede Familie und jede Beziehung auch harte Arbeit sind. Leute, die lange zusammen sind, wissen, dass es nicht immer einfach ist. Und dann schaut man: Kann man sich miteinander entwickeln? Lebenskonzepte ändern sich ja auch im Verlauf von 20 Jahren. Und da muss man halt offen bleiben. Und vielleicht ist unser Erfolgsrezept auch, dass wir zu fünft sind und nicht zu sechst. Weil sich bei fünf Leuten in Diskussionen irgendwie immer eine Mehrheit findet.
Hanibal Scheutz: Wir haben auch sehr schnell festgelegt, wie wir Dinge demokratisch entscheiden wollen. Weil da gibt es oft Abstimmungen und dann ist halt eine Person vielleicht nicht so glücklich mit einer Entscheidung, trägt es aber trotzdem mit, weil die Person weiß: Beim nächsten Mal, wenn etwas entschieden wird, ist sie vielleicht dann auch auf der anderen Seite. Also, man muss manchmal irgendwie auch zurückstecken.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Am Anfang, muss man schon sagen, hatten wir auch viel Glück mit der Miki, weil sie schon ihre Erfahrungen mit dem Business gemacht hatte und uns schon ein bisschen runtergeholt hat. Sie hat uns vermittelt, dass man einem Hype nicht immer vertrauen darf oder sich nicht verbiegen lassen darf. Das war am Anfang wichtig. Sie hatte durch ihre Erfahrung eine gute Expertise. Wir waren damals noch echte Greenhorns.
Hat es Versuche gegeben, euch zu verbiegen?
Hanibal Scheutz: Vielleicht nicht so sehr von außen. Manchmal kam das von uns selber. Wir haben uns ja auch darüber unterhalten: Wie könnte man das vielleicht doch schaffen, einmal ins Radio zu kommen? Gibt es da irgendwas, was man tun kann? Dann haben wir Remixes von unseren Nummern versucht. So etwas machen wir zum Beispiel heute überhaupt nicht mehr.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Wir bereuen aber auch nichts, was früher war. Wir waren halt Anfang 20. Wir wollten schon, dass wir auch einmal im Radio gespielt werden.
Hanibal Scheutz: Zu einer Zeit, in der, wie du schon gesagt hast, es eigentlich komplett weit weg war. Noch viel, viel weiter weg als heute. Jetzt werden Singles, wenn wir sie herausbringen, wie „Wir“ mit Fiva -, zumindest auf Ö3 vorgestellt. Das war früher nicht so.
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Die 5/8erl in Ehr`n sind auch insofern ein Phänomen, dass es euch problemlos gelingt, unterschiedlichste Gruppen von Menschen über Generationen hinweg anzusprechen. Auf euren Konzerten sieht man genauso das Wienerliedpublikum wie auch das FM4-Publikum oder jüngere Leute, die mit dem Wienerlied eigentlich nichts zu tun haben.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Ja, das stimmt. Das ist uns auch irgendwann aufgefallen. Zu unseren Konzerten kommen diejenigen, die uns seit Beginn an begleiten, und auchjunge Leute mit ihren Eltern und Großeltern. Das hat mich schon auch verwundert. Aber das ist gut für uns. Und ich denke, das ist auch etwas, was speziell an den 5/8erl in Ehr’n ist: Man kann mit der ganzen Familie zu unseren Konzerten kommen. Das geht bei vielen Konzerten nicht.
Das liegt wahrscheinlich an eurem warmen, souligen Sound.
Hanibal Scheutz: Ja, das war auch mitunter ein Grund. Ich glaube, auf der ersten CD war es noch gar nicht so stark, also vor allem die Stimmen waren noch nicht so dort, wo sie hin sollten. Dann aber mit der Unterstützung von David Müller – wir wollten halt diesen intimen Sound – haben Max und Slivo auch ihre Stimmen darauf ausgerichtet und haben es lieben gelernt, so miteinander zu singen.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Ja, die Stimmen haben wir erst über David entdeckt, unseren Sound haben wir über ihn gefunden. Das war vorher ganz anders. Wenn ich mir heute Konzerte von uns von davor ansehe, denke ich mir: „Die schreien aber ordentlich, die zwei.“ (lacht)
Hanibal Scheutz: Da haben wir auch gelernt, dass bei uns nicht unbedingt Energie entsteht, wenn wir laut sind. Es passt zu uns eher, wenn man leise Töne spielt, auch weil sie leichter zu hören sind. Das hat uns dann gefallen. Wenn du mit Drums aufnimmst und der Drummer knallt, wie es zum Beispiel Dave Grohl von den Foo Fighters tut, dann muss das insgesamt schon eine riesige Energie haben. Aber wenn du dann ganz leise spielst, kannst du damit auch einen riesigen Sound machen. Und das hat uns David klar vorgeführt und uns gezeigt, dass das halt gut zu uns passt.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: In dem Gespräch komme ich jetzt drauf, wie wichtig David wirklich für unsere soundästhetische Entwicklung war. Ich stehe jetzt eigentlich schon seit ich zehn Jahre alt war auf der Bühne, professionell kann man so sagen, aber meine echte Stimme habe ich erst in der Band entdeckt.
Hanibal Scheutz: Es ging bei ihm wirklich um so viele kleine Details, über die wir am Anfang gar nicht nachgedacht haben.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Bei den Texten, die Max und ich geschrieben haben, sagte er dann auch mal: „Diese Wörter kann man einfach nicht singen, ihr müsst etwas anderes finden.“ Es geht immer einzig ums Lied.
Eure Band feiert heuer ihr 20-jähriges Jubiläum. Das ist eine lange Zeit. Ihr habt euch nicht nur eine große, treue Fanbase erspielt, sondern genießt auch unter den Musikschaffenden großes Ansehen. Mit nicht wenigen habt ihr auch schon zusammengearbeitet. Wie etwa bei eurer neuen Single mit Yasmo, die auch bei eurer Jubiläumsshow mit von der Partie sein wird. Genauso wie Marianne Mendt, Fiva …
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: … die Strottern und das Jazzorchester Vorarlberg. Alle Leute, die wir einfach sehr, sehr lieben. Habe ich jemanden vergessen? David Scheid. Er ist jetzt kein musikalischer Gast, aber der Wave-Breaker.
Wenn ihr jetzt auf der Bühne stehen werdet, vor so vielen Leuten, inwieweit ist das jetzt die Bestätigung beziehungsweise ein Meilenstein für euch?
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Ich weiß nicht, ob Bestätigung das richtige Wort ist. Aber irgendwo halbwegs erfolgreich zu sein, heißt nicht, dass die Verunsicherung weg ist, um ehrlich zu sein. Aber ich weiß gar nicht so wirklich. Ich denke da eher anders. Hätte uns jemand damals erzählt, dass wir unser 20-Jähriges Jubiläum feiern werden, das hätte ich mir gar nicht vorstellen können. Wie gibt es das, dass 20 Jahre vergangen sind? Es ist uns so viel passiert. Ich hätte mir nie gedacht, dass wir sieben Alben machen und sieben Amadeus Awards gewinnen. Das hätte ich alles nicht geglaubt.
Am Anfang war das auch noch viel größere Aufregung, irgendwie wird man gesetzter. Aber das gehört ja auch zu diesem Prozess. Manche Dinge ändern sich halt ein bisschen, manche gar nicht. Also, Nervosität gibt es noch immer, auch wenn man in 20 Jahren cooler geworden ist, sich Kompetenz angeeignet und Sicherheit geschaffen hat. Da ist etwas weitergegangen. Aber im Grunde sind es noch immer die gleichen Leute, die versuchen, miteinander etwas zu entwickeln.
Hanibal Scheutz: Ich habe darüber nachgedacht und finde es auch irrsinnig schön, dass dieses Konzert in der Arena auch zeigt, dass man das alles, was man gemacht hat, nicht ganz allein hinbekommen hat. Ich denke da etwa an Marianne Mendt. Als sie früher ihre Festivals veranstaltet hat, waren wir eigentlich immer Fixstarter.
Bobby ‘Slivo’ Slivovsky: Max war bei ihrem ersten Festival sogar Sänger. Das Besondere an diesem Abend in der Arena ist, dass wir herzeigen können, wer uns aller unterstützt hat. Leider sind nicht alle dabei, das geht sich nicht aus. Es sind alles Förderer und Unterstützer. Fiva zum Beispiel hat uns mit „Alles leuchtet“ damals in Deutschland wahnsinnig geholfen.
Hanibal Scheutz: Und auch bei FM4, weil sie dort schon sehr etabliert war. Es ist einfach ein Danke an alle, die uns unterstützt haben. Und es ist schön, dass man diese Unterstützung, die man erfahren hat, herzeigen und zurückgeben kann.
Herzlichen Dank für das Interview.
Michael Ternai
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5/8er in Ehr`n live
12.09. Arena, Wien – Die Jubiläums Show TICKETS
09.10. Danubium Tulln, Tulln an der Donau TICKETS
10.10. Kulturwerkstatt Kottingbrunn, Kottingbrunn TICKETS
22010. ARGEkultur, Salzburg TICKETS
23.10. Spielboden, Dornbirn TICKETS
24.10. Treibhaus, Innsbruck TICKETS
14.11. Schauspielhaus Linz, Linz TICKETS
14.11. campus Horn, Horn
20.11. Orpheum Graz, Graz TICKETS
21.11. Bühne im Hof, Melk TICKETS
22.11. Orpheum Wien, Wien TICKETS
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