
Nein, leichtes Material ist das, womit dem Maja Osojnik und Matija Schellander ihre HörerInnen konfrontieren, definitiv nicht. Was die beiden für ihre Experimentierfreude bekannten und aus Slowenien stammenden Freigeister auf den Weg bringen, ist nämlich so weit außerhalb des gewöhnlichen musikalischen Spektrums angesiedelt, dass eine exakte Beschreibung des Gehörten eigentlich kaum möglich ist. Vielmehr als man bei „Wir werden“ von tatsächlich irgendwelchen musikalischen Ansätzen sprechen kann, verhält sich das von Rdeča Raketa Erschaffene wie ein permanenter und sich ständig im Prozess der Veränderung befindlicher akustischer Zustand.
Fragen nach irgendeiner stilistischen Verortung in eine bestimmte musikalische Kategorie sind im Grunde genommen obsolet, definiert sich das Wiener Zweiergespann doch in einem klanglichen Raum, in dem traditionelle oder sonst welche Begrifflichkeiten so wirklich gar nicht mehr greifen. Das eigentlich Musikalische spielt sich in den zwei zusammenhängenden Kompositionen eher dezent unter der hörbaren Oberfläche ab. Es sind bloß leichte Andeutungen von Melodien oder Rhythmen, die zu vernehmen sind. Beizeiten bahnen diese sich ihren Weg durch die dichte und elektronisch generierte Klangkulisse, um dann sogleich auch wieder von der Dichte und Dissonanz des Sounds verschluckt zu werden.
Rdeča Raketa zelebrieren auf „Wir werden“ den Bruch mit jeglicher Musikalität, sie entwerfen ein düster cineastisches Klanggemälde, mit dem man sich schlicht und einfach auseinandersetzen muss. Taucht man aber in die Welt von Maja Osojnik und Matija Schellander ein, eröffnet sich einem ein Hörerlebnis, das auch nachhaltig wirkt. (mt)
Foto: zoe*fotografie