Project Playlist x Airtime: Die DJ-Gewerkschaft DECK will faire Tantiemen für die Clubkultur

Die österreichische DJ-Gewerkschaft DECK veranstaltet mit Project Playlist x Airtime das zweite Event für faire Tantiemen in der Clubkultur. Während des Events am 16. Oktober 2026 im Wiener Club Celeste soll jeder gespielte Track bei der Verwertungsgesellschaft AKM abgerechnet werden. Die Tantiemen, also die Vergütung für die Nutzung ihrer Musik, sollen bei denen ankommen, die den Track produziert haben, sagt Johannes Piller von DECK im Gespräch mit mica – music austria.

Laut DECK schließen Clubs zwar Verträge mit der AKM ab, DJs können ihre Setlisten aber nicht einreichen. Die AKM argumentiere mit logistischen und finanziellen Herausforderungen. Johannes Piller will das so nicht stehen lassen. „Mit dem Programm Rekordbox, das inzwischen fast alle DJs verwenden, könnte man einen Timestamp-genauen Export der gespielten Tracks erstellen lassen, in dem alle Metadaten als Beleg vorhanden sind.”

Allerdings sei es „vollkommen nebensächlich”, mit welchem Medium ein:e DJ auflegt. Eine Liste könne auch manuell eingereicht und entsprechend nachgewiesen werden, so Piller. Dass das Geld derweil in übergeordnete Töpfe fließe, statt direkt bei den Urheber:innen zu landen, werde durch ein neues Abrechnungsmodell der AKM noch verschärft. Seit Dezember 2025 gibt es Plus-Tantiemen, also Ausschüttungen mit Zuschlag, nur noch für Werke, die in mindestens zwei Verwertungskategorien vorkommen – etwa als Musik im Club und als Radiosendung. Wer als Urheber:in ausschließlich im Club läuft, hat somit ein Kategorienproblem.

Die AKM verweist auf ein Sampling-Verfahren

Die AKM widerspricht der Darstellung ungenutzter Töpfe, bestätigt jedoch die Einschränkungen bei Setlisten. Die Lizenzentgelte würden sehr wohl bei den Urheber:innen landen, so Veronika Fandl-Arnold von der AKM. Allerdings setze man in Clubs mangels werkgenauer Einreichung durch Einzel-DJs auf ein Sampling-Verfahren. Ein externes Marktforschungsinstitut erfasst dazu stichprobenartig das Musikprogramm an einem bestimmten Tag und Zeitraum in über 350 ausgewählten Clubs. 

Diese Erhebung dient als Berechnungsgrundlage für die Auszahlung. Die direkte Übernahme von Setlisten einzelner DJs sei mit dem derzeitigen System nicht vereinbar. Die AKM suche aber nach einer durchführbaren und die Branche zufriedenstellenden Lösung, so Fandl-Arnold.

Wie Künstler:innen zu ihrem Geld kommen sollen

Im Rahmen der Veranstaltung Project Playlist x Airtime werden alle Sets aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt in der Sendung La Boum Deluxe auf dem ORF-Radiosender FM4 ausgestrahlt. Die Tracks der gespielten Urheber:innen sollen damit vom Club ins Radio wechseln und für Artists, Produzent:innen und Labels die zweite Kategorie öffnen.

Dafür meldet DECK die Klubnacht als Live-Konzert an. Vier DJs spielen ausschließlich lizenzierte Musik, die kompletten Playlisten gehen an die AKM und werden öffentlich gemacht. Auf dem Line-up stehen Altroy Jerome, Jess Whereyouat, Malounadou und Nick Hanzo. Bei der Veranstaltung gehe es außerdem darum, „Awareness zu schaffen, dass es im Clubbereich nicht möglich ist, eine Setlist bei der AKM abzugeben”, so Piller. 

Der internationale Verlgeich

Wie groß das Problem ist, zeigt ein Blick nach Großbritannien. Der Fair Play Report, den eine vom US-DJ DVS1 mitgegründete Initiative im November 2025 veröffentlichte, kam zu dem Ergebnis, dass nur ein Drittel der Tantiemen im Bereich elektronischer Musik bei den richtigen Urheber:innen ankommt. Geschätzte 5,7 Millionen Pfund (6,4 Millionen Euro) werden dort jährlich falsch verteilt, so der Report. 

Auch dort sei das Problem, dass man kaum Software zur automatischen Titelerkennung einsetze. Die Verteilung laufe weitgehend analog. Außerdem sei fast die Hälfte der Produzent:innen bei keiner Verwertungsgesellschaft registriert. Vergleichbare Zahlen oder spezifische Daten für die österreichische Clubkultur gebe es laut AKM aber nicht, so Fandl-Arnold. Auch zu den im britischen Report kolportierten Summen könne die AKM keine Aussage treffen, da die Abrechnungsmethoden international stark variieren und das in Österreich genutzte Sampling-Verfahren im internationalen Vergleich einen sehr hohen Standard aufweise.

DECK möchte mit Project Playlist x Airtime am 16. Oktober 2026 jedenfalls „Awareness für das Thema” schaffen, sagt Piller. Schließlich gebe es zwar Interesse an dem Thema, aber weiterhin viel Unwissenheit. Wann die Sets auf FM4 laufen sollen, steht derzeit allerdings noch nicht fest.  

Text: Christoph Gleich