Wien Modern 39: Im großen Ganzen – Neue Musik und Ökosysteme

Das Festival Wien Modern wird heuer von der Donau eröffnet. Genauer gesagt: Pia Palme komponiert “Mit der Donau”, eine abendfüllende Komposition und Rauminstallation, die am 30. Oktober im Wiener Konzerthaus uraufgeführt wird. Unter dem Titel Im großen Ganzen lädt die 39. Festivalausgabe dazu ein, einer Welt zuzuhören, in der Menschen nicht selbstverständlich im Zentrum stehen. Zu der musikalischen Erkundung verschiedenster Ökosysteme kommt Katharina Klement als Trägerin des Erste Bank Kompositionspreises 2026, Francesca Verunelli und ein fünftägiges Elfriede-Jelinek-Porträt zusammen mit den Musikverein Perspektiven. Fast fünf Wochen lang gibt es 72 Produktionen, 158 Veranstaltungen, 8 Ausstellungen und Installationen, 36 Rahmenveranstaltungen, Talks und Workshops, mit 197 Komponist:innen und Improvisator:innen, an 31 Spielstätten in 15 Bezirken sowie 82 Uraufführungen und 27 österreichische Erstauffüh- rungen zu erleben.

Das Festivalthema liegt in der Luft: Erstaunlich viele Musiker:innen, Komponist:innen und Künstler:innen untersuchen aktuell mit den Mitteln der Musik Ökosysteme, ihre Schönheiten, ihre Fragilität, ihre Balance oder ihre Kipppunkte – auf metaphorischer, aber oft auch auf ganz konkreter Ebene. Flüsse, Bäume, Wälder, Vögel, Insekten und Mikroorganismen finden über Field Recordings und Videos oder einfach über genaues Zuhören den Weg in die Sphäre einer Musik, die neue Perspektiven eröffnet.

Eröffnung: Die Donau komponiert

Im Eröffnungskonzert (30.10.) weitet sich der Fokus: Die Wiener Komponistin Pia Palme und ihr Team entwickeln Mit der Donau ein abendfüllendes Werk, das über Monate hinweg nicht zuletzt im Nationalpark Donau-Auen entstanden ist und das vom ORF RSO Wien unter Leitung von Irene Delgado-Jiménez im teilweise umgebauten Großen Saal des Wiener Konzerthauses uraufgeführt wird. Zum nicht nur aus Menschen bestehenden künstlerischen Team gehören neben Pia Palme die Künstlerin Lisa Horvath, die Sopranistin Juliet Fraser, die Tanzperformer:innen Elie Halonen und Satu Hakamäki sowie der zweitlängste Fluss Europas: Klänge, Bewegungen und Worte aus der Landschaft fließen mit Orchester, Stimme, Video und Rauminstallation in einem artenübergreifenden Prozess zusammen.

Wien Modern 2026: Pia Palme – Mit der Donau
Wien Modern 2026: Pia Palme – Mit der Donau © Lisa Horvath

Flüsse, Wälder, Tiere, Bodenleben

Vielfältige musikalische Expeditionen führen im Lauf des Festivals entlang der Donau, in den Wald, unter die Erde und auf den Berg. Die neuseeländische Deep-Listening-Pionierin Annea Lockwood kommt mit mehreren Arbeiten nach Wien: Mit ihrer Sound Map of the Danube lädt sie im MAK Forum einen Monat lang zum Hören von über 50 Orten entlang des Flusses zwischen Schwarzwald und dem Schwarzen Meer (27.10.–29.11.). Mit dem Piano Garden wird ein Klavier Teil eines Gartens im Otto Wagner Areal (04.11.) – ein Reenactment einer ökologischen Kunstaktion von 1969. Im Konzert Annea Lockwood: The Piano Works erklingt ihr gesamtes Klavierwerk (08.11.).

Die Komponistin Kirsten Reese und das Ensemble Recherche widmen sich mit der Biodiversitätsforscherin und Ökoakustikerin Sandra Müller und dem Wiener Ökologen Frederik Sachser den Klängen des Waldes: Field Recordings bringen in der Produktion Future Forest den Schwarzwald und den Lainzer Tiergarten (in dem sich sogar ein Urwald befindet) ins Theater am Werk im Kabelwerk (23./24.11.). Das indonesisch-deutsche Kollektiv Points of Listening holt die Klangwelt eines der letzten Primärwälder der Erde nach Wien: hutan (forest) entstand aus 24 Stunden an Aufnahmen im Rungan in Zentral-Kalimantan auf Borneo. Im Tanzquartier wird daraus zweimal acht Stunden lang eine immersive, performative Klanginstallation (28.–29.11.). Damit lädt Wien Modern erstmals auch zu einer „Relaxed Performance“ ein.

Besondere Arbeiten führen zu ungewöhnlichen Orten und Lebenswelten – besonders spektakulär am intensiven zweiten Festivalwochenende: Katrin Hornek und Judith Unterpertinger bieten bei Modified Grounds #3 eine Gipfelwanderung mit einem 120-stimmigen Chor über die städtische Deponie Rautenweg (07.11.) – eine nicht minder außergewöhnliche Fortsetzung ihrer Bespielung der Brigittenauer Brücke bei Wien Modern 2019. Dimitri de Perrot macht in Unter uns auf einer beeindruckenden Liegelandschaft im Jugendstiltheater die Klangwelt im Erdboden spürbar (06./07./08.11.) – in einem geheimnisvollen Hörraum, der mit Klängen, Vibrationen, Texturen, Licht und einer sanft atmenden Raumdecke aus Fallschirmseide zur poetischen Begegnung mit oft überhörten Naturklängen einlädt. Jean-Luc Hervé verbindet in der Zacherlfabrik – einem Ort, an dem einst Insektengift hergestellt wurde – Insektenklänge, Schlagzeug und raffinierte Raumelektronik (06./07./08.11.). In der nahe gelegenen Karmelitenkirche Döbling lädt Bertl Mütter zu einer Begegnung mit Adalbert Stifters Sanftem Gesetz (06./07./08.11.).

Liza Lim

Die australische Komponistin Liza Lim brachte als eine der Ersten ökologisches Denken auf die Bühnen der zeitgenössischen Musik. Fünf Begegnungen zeigen ihr Schaffen in unterschiedlichen Besetzungen undFormaten. Die 2026 neu aufgestellte Neue Oper Wien eröffnet den Schwerpunkt mit Tree of Codes, einer Oper, in der sich Generationen und Zeit auflösen und Cluster, Naturgeräusche, feinste Melodik und schroffe Dissonanzen zu einer eigenen Klangwelt verbinden (31.10.–08.11.). Wenig später präsentiert das Klangforum Wien mit Anima Mundi eine große Uraufführung im Großen Saal des Wiener Konzerthauses (07.11.). Auch das australisch-internationale Elision Ensemble, ein Kraftzentrum der Szenen rund um Liza Lim, ist eine gute Woche lang zu Gast. Gemeinsam mit jungen Musiker:innen aus Wien laden Elision, Wien Modern und die mdw zu musikalischen Entdeckungsreisen zwischen Australien, Mexiko und Europa (05./08.11.).

Katharina Klement
Katharina Klement © Maria Frodl

Erste Bank Kompositionspreis: Katharina Klement

Eine eigenständige Verbindung zwischen künstlerischer Feldforschung, akustischer Umwelt und komponierter Musik schafft Katharina Klement. Die Komponistin, Pianistin und „Ökophonistin“ überführt akustische und soziale Wirklichkeiten in präzise komponierte, furchtlose Formen. Im Rahmen von Wien Modern 39 erhält sie den Erste Bank Kompositionspreis 2026, ihr großes Ensemblewerk Schaum wird im Wiener Konzerthaus vom Klangforum Wien uraufgeführt (22.11.).

Francesca Verunelli

Francesca Verunelli, nach dem großen Erfolg beim Claudio Abbado Konzert im Vorjahr nun „Komponistin im Fokus“ des Musikvereins 2026/27, ist bei Wien Modern ebenfalls in vielen Facetten zu entdecken. Sechs Ensembles interpretieren sechs Werke aus den Jahren 2008 bis 2025. Der Bogen reicht von Néon (08.11.) bis zu La nuda voce I–III (15.11.), das das Klangforum Wien in den Goldenen Saal im Musikverein bringt. Nach den aufsehenerregenden Songs and Voices 2025 ist damit ein weiteres Opus magnum der italienischen Komponistin im Goldenen Saal zu hören. Weitere Stationen des Porträts sind In margine mit dem Ensemble Kontrapunkte (09.11.), eine Carte blanche der MUK mit zwei Werken Verunellis (19.11.) und Five Songs (Kafka’s Sirens) mit dem Black Page Orchestra im Musikverein (28.11.).

Musikverein Perspektiven Elfriede Jelinek: „Besser wird’s nicht“

Gewissermaßen außerhalb des Festivalthemas, aber doch als eigenes Ökosystem und als Festival im Festival (31.10.–04.11.) stehen das Schaffen und der weite literarisch-musikalische Horizont von Elfriede Jelinek im Mittelpunkt der Musikverein Perspektiven, die nach Georg Baselitz und Peter Zumthor zum dritten Mal gemeinsam von Musikverein und Wien Modern gestaltet werden. Leben und Schaffen der Literaturnobelpreisträgerin und ausgebildeten Organistin sind tief durch Musik geprägt.

Ausgangspunkt des Programms ist Jelineks seit 30 Jahren ungestimmter und ungespielter Steinway-Flügel. Für AnTasten Schatten. Eurydike spielt verbindet die Pianistin Marianne Schroeder aufgenommene Klänge dieses Instruments mit Live-Improvisation und Jelineks Text – teilweise von der Autorin selbst gesprochen (03.11.). Eine neue Multimedia-Installation, Konzerte und ein Filmprogramm zeichnen ein umfangreiches Porträt der künstlerischen Freundschaft zwischen Jelinek und Olga Neuwirth (31.10.–04.11.). Das Black Page Orchestra spielt Kompositionen von Neuwirth und anderen nach Texten Jelineks, darunter mehrere Uraufführungen (02.11.). Auch Jelineks musikalische Fixsterne Messiaen und Ligeti (03.11.) sowie Schubert und Mahler (01.11.) werden hörbar. Unter dem Titel Besser wird’s nicht bringen drei Text-MusikPerformances aktuelle, bislang wenig bekannte Texte von Jelineks Websites erstmals öffentlich zur Aufführung; es lesen und spielen Josef Hader, Birgit Minichmayr, Samouil Stoyanov, Petra Slottová, Ferdinand Schmatz und Eva Jantschitsch (31.10./01./04.11.).

Acht Ausstellungen und Installationen

Das Festivalthema stärkt heuer die Tendenz weg von klassischen Konzert- und Theaterformaten, hin zu Environments, Ausstellungen, Installationen, „Durational Performances“ und weiteren Veranstaltungen, die eher mit Öffnungszeiten statt mit Beginnzeiten funktionieren. Allein acht Ausstellungen und Installationen stehen auf dem Programm: Bernhard Leitner: SOUNDSPACESCULPTURE (Secession 10.09.–22.11.), Donaurauschen & Flussgeflüster (ZOOM Kindermuseum 23.09.2026–05.09.2027), Annea Lockwood: A Sound Map of the Danube (MAK 27.10.–29.11.), die öffentlich zugängliche Langzeitinstallation Annea Lockwood: Piano Garden (Otto Wagner Areal ab 04.11.), die Insektenklänge des Chuchchepati Orchestra (Wiener Konzerthaus 30.10.–10.11.) sowie interaktive Installationen von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek (Musikverein 31.10.–04.11.), Heike Kaltenbrunner: Noise of War (Ruprechtskirche 08.11.) und Christoph Theiler: Plantage (Theater am Werk im Kabelwerk 23.–24.11.).

Die erste und größte dieser Ausstellungen darf dabei durchaus als Sensation gelten: Seit mehr als 50 Jahren arbeitet Bernhard Leitner an der Schnittstelle von Akustik, Architektur, Bildhauerei und künstlerischer Forschung und macht Klang im Raum und am eigenen Körper erfahrbar. Von seinen frühen Arbeiten in New York City ab 1969 über Documenta und Biennale Venedig bis zu Ausstellungen in Paris, Berlin u.v.a. waren Leitners Arbeiten international stärker präsent als in Wien, wo er immerhin 18 Jahre lang unterrichtet hat. Nun zeigt die Secession erstmals eine große Werkschau (10.09.–22.11.): Von der legendären Ton-Liege aus dem Jahr 1975 bis zum neuen Wasser Würfel / Wand Wellen gibt die Ausstellung gemeinsam mit Fotografien, Zeichnungen, Grafiken und Modellen Einblick in Leitners künstlerisches Denken und Schaffen.

Die freie Musikszene in Wien als erstaunliches Ökosystem

Wien Modern setzt sich schon lange ein als Plattform für die vielfältige freie Szene in Wien und Österreich. Das Thema Ökosysteme bietet die Gelegenheit, das komplexe, kleinteilige Miteinander von kleinsten bis hin zu großen Strukturen, von mehr oder minder etablierten Institutionen und zahllosen prekären Einzelinitiativen, von unterschiedlichsten Kunstformen, Genres, Ästhetiken, Praktiken und Backgrounds einmal als das zu sehen, was es ist – einer der produktivsten und in Summe auch einer der größten Nährböden für Erneuerung im österreichischen Kulturleben. Zahlreiche Akteur:innen abseits der großen Strukturen präsentieren im Festival aktuelle Arbeiten und sorgen für vielfältige musikalische Horizonterweiterungen.

Die erstmalige Zusammenarbeit von Filmcasino und Wien Modern gilt einer Filmund Klangkünstlerin der erstaunlichen Wiener DIY-Elektronik- und NoiseCommunity: Eine filmische Collage aus 26 Jahren experimenteller Bild- und Klangarbeit von Billy Roisz wird zum Zeit- und Strukturraster einer LiveAufführung mit Billy Roisz, dieb13, Martin Brandlmayr und Karolina Preuschl (17.11.). Der blöde dritte Mittwoch vermischt kunstvoll Körperakustik, Video, Elektronik und Turntables; auch hier steht dieb13 an den Turntables (25.11.). Brigitte Wilfing untersucht in der Lecture Performance Choreographic Composition das Verhältnis von Klang und Bewegung (28./29.11.). In ihrer Uraufführung Tierweisen nähert sich die Klarinettistin, Performancekünstlerin und mit dieser Produktion erstmals auch Komponistin Barbara Maria Neu mit sensiblem Gespür für Natur und Gesellschaft dem Leben und Sterben von Auerhuhn, Luchs und Steinbock (16.–18.11., Das LOT). In der Ruprechtskirche lässt Heike Kaltenbrunners interaktive Klanginstallation und Performance Noise of War das Publikum die im Kirchenraum verteilte „Näherungsorgel“ bespielen (08.11.).

Ökosysteme werden auch zu Modellen des musikalischen Miteinanders. Im MuTh erprobt Studio Dan mit der Soundkünstlerin Isabella Forciniti und dem Posaunisten Matthias Muche, wie ein organisch gewachsenes musikalisches „Biotop“ auf Eingriffe von außen reagiert (12.11.). Nach Aleksandra Bajdes „transformativer Klangerlebnissitzung“ Slow Down, die im Reaktor gemeinsames Hören als soziale Praxis der Aufmerksamkeit versteht (11.11.), ist das Ensemble PHACE auch mit neuen Werken von Corie Rose Soumah, Davor Vincze und Georgia Koumará im Wiener Konzerthaus zu erleben (27.11.).

SFIEMA verbindet im Musik-Biotop Field Recordings, Texte, Klangobjekte, Live-Elektronik und Improvisation in der Art Lounge des Café Korb (14.11.). Christoph Herndlers grafische Partitur Gewächse, von Feldern wird zuerst drei Tage lang in der mdw-Bibliothek an die Wand gemalt und anschließend von Studierenden musikalisch interpretiert (17.–20.11.). Das Ensemble REIHE Zykan+ bringt im MuTh mit Werken von Pia Palme, Annea Lockwood, Carola Bauckholt, Morton Feldman u. a. Oswald Wieners Schlittenhunde und einen CO2- Countdown klanglich auf die Bühne (23./24.11.). Der echoraum lädt den New Yorker Autor Ben Ratliff mit seinem Buch Every Song Ever an der Seite von illustren Gäst:innen zu Lesung, Gespräch und Songs (09.11.).

Annea Lockwood: Piano Garden um 1970
Annea Lockwood: Piano Garden um 1970 © Chris Ware

Kipppunkte und sonstige Forschungsgegenstände

Das Salzburger Ensemble NAMES entwirft am mdw Campus mit Spirits in Complexity – Künstliche Naturen klangliche Modelle des Zusammenlebens (13.11.). – und knüpft damit eine der heuer zahlreichen Verbindungen von der Musik zu Forschung und Wissenschaft: Aleksandra Bajde u.a. laden unter dem Titel Composing Futures zu einem Forum mit Co-creation Labs zum Mitmachen (06.–07.11.). Elisabeth Schimana, Susanne Kogler und Team stellen im Forschungsprojekt Sound as score (14.–15.11.) Partituren zum Hören statt zum Lesen in den Mittelpunkt. Bei einem zweitägigen Symposium und einem Konzert mit acht Uraufführungen, gespielt von Airborne Extended und dem Black Page Orchestra, wird dabei u.a. Elisabeth 8 Schimanas Frage musikalisch erkundet: Wann kippt ein System? Auch der dreitägige Nachwuchsworkshop Elfriede Jelinek: Wissenschaft – Kunst – Demokratie (02.–04.11.) gehört zum vielfältigen Rahmenprogramm von Wien Modern, das diesmal mit der MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Karl Franzens Universität Graz, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, FWF PEEK, dem Interuniversitären Forschungsnetzwerk Elfriede Jelinek von MUK und Universität Wien, dem Culture and Sustainability Lab u.v.a. besonders viele Partnerinstitutionen im Forschungsund Bildungsbereich verbindet.

Bei einem Double Bill im Reaktor folgt auf Pierluigi Billones neues Solowerk Sgorgo F das performative, interdisziplinäre Konzertprojekt Ökosystem des ARCO Ensembles und der Universität Mozarteum Salzburg (21.11.). Einen Tag vor Festivalende lädt dann die MUK ab 15:00 Uhr zum Tag der offenen Tür auf ihrem zukünftigen Campus am Otto Wagner Areal (MUK@OWA): Silent Ecologies ist ein begehbares Kammermusikprogramm über zwei Etagen des Pavillon 10 mit Musik von Studierenden, Lehrenden und internationalen Komponist:innen. Ab 18:00 Uhr steht ein generationenübergreifendes All-Star-Line-up rund um Veronika Klavžar, Alessandro Baticci, Martin Siewert, Masha Dabelka, Christian Fennesz u.v.a. im Foyer bei der letzten Party Modern im Festival auf der Bühne (29.11.).

Die Party Modern zieht an insgesamt drei Abenden durch Wien. Neben dem letzten Festivalsonntag bei MUK@OWA (29.11.) treffen bei der Sch:cht im FLUCC Deck Kasho Chualan, Parajekt (Bernhard Hammer / Matija Schellander) und THAO aufeinander (05.11.). Station Rose, das wie Wien Modern seit 1988 aktive Multimedia-Duo von Gary Danner und Elisa Rose, präsentiert ein neues Gunafa Clubbing in der Praterstraße (27.11.).

Junge Hörer:innen, junge Künstler:innen

Im kurzen Musiktheater-Stück Utflukt für Kinder ab vier Jahren von Carola Bauckholt u. a. rudern zwei Freund:innen auf einem Flügel-Floß ins Unbekannte – eine fantastische Reise ohne Worte, die Musik und Animationsfilm verbindet (Dschungel Wien 14./15./16.11.). In der Mitmachausstellung Donaurauschen und Flussgeflüster im ZOOM Kindermuseum erforschen Sechs- bis Zwölfjährige spielerisch die Kräfte, Lebenswelten und kulturelle Vielfalt des Flusssystems Donau (23.09.2026–05.09.2027). Schüler:innen der Musikschulen der Stadt Wien gestalten die Junge Musik, heuer im Bockkeller (24.11.).

Über 100 Ur- und Erstaufführungen

Zahlreiche Ensembles und Musiker:innen präsentieren eine Rekordzahl an Ur- und Erstaufführungen. In Glitch Eden – Verschmelzung lassen ensemble N und Icarus Ensemble neue Werke auf Romitelli und Schönberg treffen (12.11., Arnold Schönberg Center). Das Ensemble Wiener Collage spielt die Gewinner:innen des Arnold-Schönberg-Stipendiums (16.11., Arnold Schönberg Center). Die Universal Edition präsentiert zu ihrem 125-jährigen Bestehen mit dem Chaos String Quartet sechs zeitgenössische Werke im Palais Mollard (11.11.). 9 Weitere Premieren präsentieren das Pacific Quartet Vienna (15.11., SchömerHaus), das Mivos Quartet (21.11., Alte Schmiede), die Pianistin Ana Gabriela Fernández (22.11., Alte Schmiede), das Ensemble LUX (25.11., Arnold Schönberg Center), LOM und Juan Moreda (28.11., echoraum) sowie das Duo HEDDA (29.11., Alte Schmiede).

Geburtstage, Aimard, Bhakti, Spiegel

Am anderen Ende der Skala feiert Wien Modern 100. Geburtstage von Friedrich Cerha, Morton Feldman, Betsy Jolas und György Kurtág und erinnert an Éliane Radigue und Dieter Kaufmann. Angela Metzger spielt Orgelwerke von Jolas (03.11., Musikverein), das Arditti Quartet verbindet Streichquartette von Jolas mit dem gesamten Streichquartettschaffen von Kurtág (18.11., Wiener Konzerthaus). Holger Falk und das attensam quartett bringen Friedrich Cerhas launige Keintate I + II in den Bockkeller (13.11.).

Im Ve.Sch lädt Marino Formenti dreimal acht Stunden lang zur Begegnung mit Morton Feldmans Klaviermusik, Éliane Radigues Elektronik sowie Installationen und Performances von Samuel Schaab, Camila Sposati und Andreas Trobollowitsch (26.–28.11.). Ein Konzert am Campus der mdw ist dem wie Radigue unlängst verstorbenen Dieter Kaufmann gewidmet (27.11.). PierreLaurent Aimard verbindet bei einem großen Soloabend mit Raumelektronik Mark Andres Requiem … selig ist … mit Klaviermusik von Johann Sebastian Bach (10.11., Wiener Konzerthaus).

Gegen Ende des Festivals richtet das Claudio Abbado Konzert (26.11.) den Blick noch einmal auf grundlegende Fragen: Die über dreitausend Jahre alte Rigveda fragt nach Sein und Nichtsein, Licht und Dunkelheit, den Kräften der lebenden Natur und dem Ursprung der Welt. Jonathan Harvey machte den Text zur verborgenen Tiefenschicht seiner knapp einstündigen Komposition Bhakti für Ensemble und Live-Elektronik. Das Pariser Ensemble Le Balcon präsentiert dieses Schlüsselwerk unter Leitung seines Gründers Maxime Pascal, „Dirigent im Fokus“ des Musikvereins 2026/27.

Den Abschluss von Wien Modern 39 bildet die erste Gesamtaufführung von Friedrich Cerhas Spiegel I–VII im Musikverein (30.11.). Das Orchesterwerk in Spielfilmlänge klingt stellenweise wie elektronische Musik und setzt mit radikaler Abstraktion vertraute Vorstellungen von Themen, Harmonien und Rhythmen außer Kraft. Zugleich verarbeitete Cerha darin persönliche Kriegserlebnisse, sein Freiheitsgefühl als Deserteur sowie Weltentstehungs- und Endzeitvisionen. Im Jahr von Cerhas 100. Geburtstag stellen sich junge Musiker:innen der Kunstuniversität Graz und der Joseph Haydn Privathochschule Burgenland unter der Leitung von Johannes Kalitzke den Herausforderungen dieser maßstabsetzenden Partitur.

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