Mynth (c) Kerstin Musl

MYNTH – „Parallels”

Geheimnisvoll, elektronisch und melodisch: Das musikalische Zwillings-Duo MYNTH präsentiert sein zweites Album „Parallels” (Seayou Records) und bleibt damit seinem Stil treu. Und der ist nicht nur wiedererkennbar, sondern auch sehr eingängig.

„Smog” ist der erste Song auf „Parallels”. Man kann vieles über diesen Opening-Track sagen. Zum Beispiel, dass er sehr catchy ist oder dass man gleich Lust aufs Tanzen bekommt. Was man aber nicht behaupten kann, ist, dass der Song ein gewöhnlicher Elektro-Track ist. No Sir, „Smog“ ist verzwickt, verspielt und verwinkelt. Der Beat beginnt zögernd und klingt fast so, als würde er rückwärts gespielt werden.

Der Refrain hat fast eine Romantik à la Lana Del Rey an sich. So als hätten die zwei von Mynth einen Lana-Del-Rey-Refrain hergenommen, ihm sein Pathos geklaut und ihn dann durch einen eigentümlichen Elektro-Filter aufgemotzt. „Smog” ist also Pop-Liebeslied und Mynth-Centerpiece in einem. Das ist eine außergewöhnliche Kombination, die auch durch die ungewöhnliche Stimme von Giovanna Fartacek begünstigt wird.

Ihre Vocals erinnern an klassische Trip-Hop-Sängerinnen wie etwa Siân Evans von Kosheen, Roisin Murphy von Moloko und Skye Edwards von Morcheeba. Es ist etwas Hartes, Kantiges in ihrer Stimme zu finden. Doch gleichzeitig kann sie auch streichelzart und sanft sein. Auf „Honey” ist das der Fall. Der Song beginnt mit langsamen Klaviertönen, entwickelt aber immer wieder ekstatische Höhen, die dann wieder durch das Klavier gebrochen werden.

Man kann zu „Honey” schon tanzen, wenn man die kleinen Ruhepausen in Kauf nimmt. Es gibt aber Songs, wo das Tanzbein dauerhaft in Bewegung ist. Die Single „Mirrors” ist genau so ein Lied. Es hat Kraft, Charisma und setzt sich schnell im Gehörgang fest. Und da ist dieser kleine Ton, der wie ein i-Tüpfelchen vorm Refrain thront und nach einem elektronisch vertonten Walgesang klingt. Da fällt einem Trip-Hop-Fan sofort „Underwater Love” von Smoke City ein, die nicht als einzige mit solch ungewöhnlichen Soundeffekten gearbeitet haben.

Alte Einflüsse in moderner Kombination!

Cover “Parallels”

Doch Mynth machen keinen 1990er-Trip-Hop, sondern eine moderne, upgedatete Variante des Genres. Sie bringen auch ein bisschen Italo-Disco-Melancholie ins Spiel, was im Entferntesten an die Chromatics erinnert. Gut, Italo-Disco ist jetzt auch nicht das modernste Musikgenre, aber das Duo schafft es eben, den verschiedenen Einflüssen einen modernen Twist zu verpassen.

Giovanna und ihr Bruder Mario Fartacek sind ihrem Stil treu geblieben, haben aber einen Schritt in Richtung volle Power gemacht. Ihr Debütalbum „Plaat II” lebte von seinen zerbrechlichen, manchmal unnahbaren Momenten. Da waren sie mehr Chromatics. Auf „Parallels“ sind sie mehr Kosheen, wenn man es ganz simpel ausdrücken möchte. Das Album ist ein Powerhouse per se. Vor allem, wenn man Musik auch als eine Art Dienstleistungsmedium versteht. Damit ist gemeint, dass „Parallels” sicherlich ein hervorragendes Fitness-Album ist und dass einen die Songs sicherlich guttun, wenn man einen gewissen Weltschmerz verspürt.

Anne-Marie Darok

Mynth live
02.03.2018 CH, Winterthur @ HörBar
12.03.2018 CZ, Prag @ NoD Teatro
16.03.2018 DE, Hamburg @ Häkken
17.03.2018 DE, Berlin @ Kantine am Berghain
18.03.2018 DE, Offenbach @ Hafen 2
19.03.2018 DE, Dresden @ Altes Wettbüro
20.03.2018 DE, Bayreuth @ Sübkültur
22.03.2018 DE, Karlsruhe @ Kohi
23.03.2018 DE, München @ Milla
24.03.2018 AT, Wien @ Porgy & Bess
31.03.2018 AT, Graz @ Orpheum
07.04.2018 AT, Linz @ Posthof
14.04.2018 AT, Salzburg @ Rockhouse

Links:
Mynth
Mynth (Facebook)
Seayou Records