PETER ZIRBS- „Firmament“

Nach zwei Dekaden musikalischer Geschichte ist es nun so weit: Der Multiinstrumentalist PETER ZIRBS hat seine Debüt-EP „Firmament“ als Solokünstler auf dem österreichischen Elektroniklabel „Fabrique Records“ veröffentlicht.

In den 90er-Jahren war Peter Zirbs ein wesentlicher Protagonist der Wiener Techno- und Rave-Szene und veröffentlichte als Multiinstrumentalist auf den unterschiedlichsten Labels und auch als Produzent unter einigen Pseudonymen wie etwa dem Kollektiv konsortenTM. Im Verlauf der eigenen Schaffensphase ging es dabei stets um den Bruch mit den gängigen Genregrenzen. Zu Beginn dieses Jahres hat Zirbs nun für den jüngsten Sohn der Slapstick-Legende Charlie Chaplin, den britischen Komponisten Christopher James Chaplin, einen Remix gemacht, der international viel gelobt wurde. Dieses Ereignis brachte den Wunsch nach einer Soloarbeit unter dem eigenen Namen schließlich ins Rollen. Peter Zirbs: „Dramatisch, romantisch und ewig suchend – so würde ich mich wohl selbst am ehesten beschreiben.“

Die Überwindung musikalischer Limitationen

Auf „Firmament“ treffen minimale Klavierklänge auf kalte Synthesizer-Lines, ein Ergebnis der künstlerischen Rückbesinnung auf die eigenen musikalischen Ursprünge. Es handelt sich um dunkle, fast bedrückende Momente mit einem Blick nach oben, auf das Firmament. Dabei vermengen sich Stilistiken aus der Elektronik mit jenen der Avantgarde, und zwar stets mit einem unaufgeregten Wink an die Kompositionsmethoden der Minimal Music rund um Philip Glass oder Terry Riley der 1960er- und 1970er-Jahre. Diese Referenzen zeigen sich vor allem auch am letzten Track „Ritual Vitality“, in dem die durch schnelle Repetitionen geprägten Klavierlinien bereits nach kurzer Zeit eine Art Sogwirkung erzeugen.

Cover “Firmament”

Natürlich geht es hier um das Überwinden von musikalischen Limitationen, was auf den drei Tracks „Firmament“, „You don‘t feel like this“ und „Ritual vitality“ auch zu erkennen ist. „You don‘t feel like this“ zeigt auch erneut den Wunsch nach künstlerischer Kooperation, denn dieser Track entstand in Zusammenarbeit mit dem britischen Sänger Tom Walkden. „You don‘t feel like this“ erweitert das Spektrum des Albums um einen positiven, sogar hoffnungsvollen Grundton, zumindest auf musikalischer Ebene. Der Refrain ist eingängig und erinnert stark an Alternative-Pop-Hymnen der Vergangenheit.

Firmament meint das Himmelzelt, das Himmelsgewölbe, den sichtbaren blauen Bereich am Horizont. Das Musikvideo zum titelgebenden Track „Firmament“ schafft deshalb auch eine inhaltliche Parallele. Dabei sieht man Zirbs selbst aus weiter Distanz mitten in einer Wiese stehen, das Gesicht abgekehrt und von einem Lichtpegel umgeben. Die Kamera nähert sich in Slomo und zeigt den Künstler dann von vorne, er steht still, fast so, als wäre er in eine Starre verfallen. Ein violetter Cube schwebt vor ihm in der Luft, im Zuge des Songs schafft er es, sich von der fesselnden Wirkung des schwebenden Objekts zu lösen, Bewegung kehrt in seinen Körper zurück und er läuft davon. Der Cube bleibt zurück. Vielleicht handelt es sich hierbei auch um eine Metapher für die eigene künstlerische Schaffensentwicklung, who knows. Das Debütalbum erscheint im März 2018: be prepared.

Ada Karlbauer

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