mica-Interview Daniel Riegler (Studio Dan, Jazzwerkstatt Wien)

Ein ganz besondere Ehre wurde im vergangenen Mai dem jungen österreichischen Posaunisten Daniel Riegler und seinem “Free-Improvisors-Orchestra” Studio Dan zu Teil. Die 17-köpfige Formation erhielt für ihr im vergangenen Jahr veröffentlichstes Album “Creatures & other stuff” den begehrten „Preis der deutschen Schallplattenkritik” in der Kategorie Grenzgänge. Welche Hürden während der Entstehung dieser CD zu meistern waren und was man sich für die Zukunft erhofft verrät Daniel Riegler im mica-Interview mit Michael Ternai.

Studio Dan darf sich seit wenigen Wochen ja Preisträger der deutschen Schallplattenkritik nennen. Wie ist es dir gegangen als du von dieser Auszeichnung gehört hast. Schließlich ist das ja eine große Ehre.
Ich habe von der Nominierung für diesen Preis von einem Journalisten, der uns schon das Quartal zuvor für eine Nominierung vorgeschlagen hat, schon länger gehört. Scheinbar hat es beim ersten Mal nicht geklappt, die Hürde in der ersten Runde zu überspringen. Worüber ich natürlich erst einmal enttäuscht war. Umso größer war die Freude natürlich, dass es offensichtlich jemand ein zweites Mal versucht hat. Dass es dann letztlich doch geklappt hat, war dann natürlich wirklich eine große Freude, obwohl der Preis ja mit nicht wirklich viel mehr anderem als der Ehre verbunden ist. Man muss sogar die Pickerl kaufen, die Urkunde bezahlen usw. Aber in diesem Fall macht man das gerne.

Wie bist eigentlich darauf gekommen mit einem so ungewöhnlichen Format, einem Big Band Format, an den Start zu gehen?
Also, eine Big Band wollte ich auf jeden Fall nie gründen. Es ist mir nie ums Big Band  Spielen gegangen. Das große Format ist wirklich das einzige, das uns mit einer Big Band verbindet. Aber ich habe nie einen Big Band Sound im Ohr gehabt noch irgendwelche Big Band Ambitionen. Ich habe sehr wohl in vielen Big Bands spielen müssen, wie etwa  im Studium. Aber im Grunde genommen hat mich das wirklich überhaupt nicht interessiert.

Das große Format ist dadurch entstanden, dass wir bei der ersten Jazzwerkstatt, eben ein großformatiges Ensemble haben wollten. Und um eben dieses habe ich mich gekümmert. Bei Auswahl der Spieler haben dann sehr stark die persönlichen Kontakte eine Rolle gespielt. Wen ich dabei haben wollte etc.

Es ist vielleicht sogar immer noch nicht die günstigste Mischung von Instrumenten, weil manche Sachen balancemäßig von vornherein schwer funktionieren. Die Kompositionen müssen sehr genau instrumentiert sein, und vieles muss man sehr genau mit dem Techniker absprechen. Aber es sind lauter Leute dabei, die ich persönlich dabei haben wollte. Das war von Anfang an die Linie.

Im Moment findet aber doch auch eine gewisse Öffnung statt. So haben wir etwa Maria Augustin an der Flöte dazu genommen, die ich persönlich sehr schätze. Bei der Entscheidung es aber darum gegangen ist, dass wir eine Flöte gebraucht haben. Jetzt kommen eben vermehrt auch musikalische Überlegungen hinzu. Aber es war und ist in gewisser Weise auch ein soziales Projekt (lacht).

Die MusikerInnen sind ja alle gute Freunde von mir und ich glaube, dass dieser Umstand für das Zusammenspiel sehr bedeutend ist. Das ist der bestimmende Faktor bei Studio Dan. Es geht nicht darum, irgendwen anzurufen und zu fragen, ob er schnell einspringen könnte. Die Parts kann ja schnell mal einer spielen, auch wenn sie zum Teil sehr schwer sind und man sie üben muss. In der Regel sitzen in großen Bands immer andre Leute, wer eben gerade Zeit hat. Aber so eine Vorgangsweise würde unserer Band nicht dienen, auch wenn das nicht immer zu verhindern ist.

Wie kriegt man eigentlich so einen Haufen extrem guter Individualisten unter einen gemeinsamen Hut?

Gute Solisten sind ja gute Musiker, die wissen wann sie eine andere, eine untergeordnete Rolle spielen. Also, wenn im Ensemble jetzt nur Egoisten sitzen würden, denen es nur darum geht, ein Solo nach dem anderen abzuliefern, dann würde das Ganze nicht funktionieren. Es gehört eben dazu, dass die Leute wissen, wann sie eine andere Rolle zu spielen haben. Und bei Studio Dan wissen das alle. Ich habe keine Probleme irgendwelche MusikerInnen einzubremsen, sie bekommen ja andererseits auch genug Platz um ihren Ideen freien Lauf zu lassen.

So ganz problemlos ist es bei der Entstehung des Albums ja nicht abgegangen.
Nein, reibungslos nicht. Wir haben die Aufnahme ja vom SKE Fond in Kooperation mit dem ORF gesponsert bekommen. Es gibt ja das Förderprogramm „Sommerstudios“, im dessen Rahmen man vier oder fünf Tage lang ein sehr gutes Studio zur Verfügung gestellt bekommt. An den Tagen an denen wir an der Reihe gewesen wären, ist plötzlich die Technik zusammengebrochen. Die Leute vom ORF haben es im Vorfeld anscheinend nicht ernst genug genommen, wie viel Aufwand dieses Projekt bedeutet und dass sie mit ihrem Equipment an ihre Grenzen kommen. Was dann auch tatsächlich der Fall war. Dazu kam auch noch ein völlig überforderter Techniker. Ein anderer hätte es vielleicht noch irgendwie geschaukelt. Irgendwann war dann eben der Punkt gekommen, an dem ich meinen Leuten nicht mehr zumuten konnte, ein, zwei Tage zu warten und zu hoffen, dass es mit den Aufnahmen doch noch etwas wird. Dann hab ich eben das Ganze abgebrochen.

Nachdem man die Leute ja weit im Voraus buchen muss, kann man natürlich nicht sagen: „Die Woche hat es nicht geklappt, verschieben wir es auch die nächste“. Aus diesem Grund musste ich eben fast ein ganzes Jahr auf einen zweiten Aufnahmetermin warten. Erst dann konnten wir so richtig durchstarten. Der Release hat sich also ziemlich genau um ein Jahr nach Hinten verschoben.

Im Nachhinein war es aber eh kein Schaden. Es war ja vorher immer eine einfache CD geplant. In diesem Jahr aber ist so viel Material gut gereift, dass wir in kurzer Zeit gleich zwei CDs aufnehmen konnten. Dadurch ist es eine Doppel CD geworden und gleichzeitig auch ein guter Überblick über die gesamte erste Studio Dan Phase. Es hat uns nicht geschadet, es war nur so, dass wir die CD draußen haben wollten.

Wir haben dann ja auch als Entschädigungsangebot vom ORF bekommen. Und zwar  einen Tag mehr zum Aufnehmen.  Und der SKE hat uns bei den Kosten, die beim missglückten ersten Mal entstanden sind, geholfen. Es ist ja nicht so, dass wir sonst keine Kosten gehabt haben. Zu den Studiokosten kommen ja noch andere hinzu. Diese sind dann dankenswerter Weise übernommen worden.  Aber das ist ja inzwischen Schnee von gestern.

Du wirst dich während der Zeit wohl öfter ärgern müssen.
Absolut. Ich habe ja eine Vielzahl von Briefen schreiben und gegen Leute anrennen müssen, die überhaupt kein Interesse gezeigt haben, uns irgendwie entgegenzukommen. Konkret die Leute aus dem ORF, die haben uns ja nicht einmal ignoriert. Zumindest offiziell. Ich weiß ja nicht, was die hinten herum gemacht haben. Aber ja, es war schon sehr mühsam, weil man spürt, wie klein man empfunden wird.

Wie siehst du eigentlich eure heutige Position. Die Jazzwerkstatt, die du ja mitbegründet hast und die von Studio Dan.
Zunächst muss man doch sagen, dass Studio Dan und die Jazzwerkstatt zwei verschiedene Paar Schuhe sind. So sind etwa die JazzWerkstatt ZOOM!-Nights, das Projekt das gerade über die Bühne geht, ein Versuch in mehreren Etappen die Kollektive, die es sonst in Europa gibt und die ähnlich organisiert sind wie die Jazzwerkstatt, nach Wien einzuladen und mit ihnen Projekte zu entwickeln. Da sind wir tatsächlich dabei,  uns europaweit zu vernetzen. Es geht darum, Einladungen auszusprechen, Leute kennen zu lernen, gemeinsame Ideen zu entwickeln, wie man vielleicht gemeinsam ein bisschen Labelarbeit betreiben kann, wie man gemeinsam Veranstaltungen ausrichten kann. Aber es steht halt alles noch alles ziemlich am Anfang.

Ist das Ziel auch für Studio Dan sich international zu etablieren? Konzerte, wie etwa in Berlin zu spielen etc.
Ja, mit Studio Dan spielen wir am 5. November ein Konzert in Berlin. Und zwar beim Jazzfest und am 6. bei den Jazztagen Dresden. Das hat aber mit dem europäischen Netzwerk nicht viel zu tun. Vielmehr resultieren diese Konzerte aus meiner Bookingarbeit, die ich für die Band mache. Und da telefoniere ich eben viel herum, um Gigs zu organisieren. Vor etwa zwei Wochen hatten wir auch schon unser erstes Auslandskonzert in der Slowakei. Und was soll ich sagen: Es war ein fantastisches Konzert. Der Ort war dem WUK sehr ähnlich und das Publikum war sehr interessiert. Das war schon eine sehr feine Sache. Ich hoffe, dass es in Berlin und Dresden genauso klappen wird und dass wir auch in Zukunft öfters aus Österreich rauskommen.

In dem großen Format wird uns so ein kleines Musikernetzwerk eher nicht so viel helfen. Da braucht man wirklich starke Veranstalter und Booker. Es ist ja ein riesen Aufwand 20 Leute irgendwo hinzubringen und diese ordentlich zu bezahlen.  Das ist nicht so leicht, aber ich bin dran.

Das heißt, ihr macht das auf zwei Schienen, einerseits über euer Netzwerk wie auch durch dein Engagement.
Nochmal: Die Jazzwerkstatt und Studio Dan sind einerseits natürlich sehr verflochten, weil ja alle Jazzwerkstatt-Mitbegründer ja auch in der Band spielen und wir auch auf Jazzwerkstattfestivals gespielt haben. Andererseits sind die beiden Dinge getrennt voneinander zu betrachten. So sind Studio Dan und die Jazzwerkstatt zwei verschiedene Vereine. Das musste ich machen, weil es ja „mein“ Projekt war und ist, und ich nicht automatisch Ressourcen, wie etwa Förderungen der Jazzwerkstatt verwenden kann. Ganz im Gegenteil. Das ist vielleicht ein bisschen kompliziert auseinanderzuhalten.

Bei Studio Dan entscheide im Vorfeld eigentlich alles ich, um Entscheidungsprozesse zu verkürzen. Wenn es dann darum geht, ein Projekt wirklich zu entwickeln, dann binde ich immer Leute mit ein oder übergebe das Ganze überhaupt anderen, um es weiterzuentwickeln. Studio Dan hat ein bestimmtes ästhetisches Konzept. Das ist zwar ziemlich breit. Es ist aber eines, das ich mit gewissen Einschränkungen steuere.  Und es ist vielleicht der Hauptunterschied zur Jazzwerkstatt, die ja an sich demokratischen Strukturen folgt und wo fünf Leute alles entscheiden. Und das gleichermaßen in Fragen der Organisation wie auch in ästhetischen. Das eine hat Vorteile und das andere hat Vorteile.

Macht sich deiner Meinung nach, eine gewisse Akzeptanz der Fördergeber euch gegenüber bemerkbar.
Das ist immer ein schwieriges Thema. In dem Bereich, in dem wir uns bewegen, in der Klasse in der wir gefördert werden, gibt es ja sehr viele Initiativen. Und man muss leider sagen, man bekommt immer viel zu wenig. Gleichzeitig muss man aber auch realistisch sein. Im Unterschied zu anderen Ländern ist es hier in Österreich möglich eine Idee zu haben und relativ schnell einmal eine Basisunterstützung zu bekommen. Und die haben wir in beiden Fällen bekommen. Was dann gefährlich ist, ist, dass in den meisten Fällen dann jahrelang, wenn nicht überhaupt jahrzehntelang die Basisunterstützung nicht angehoben wird.

Das hat vielleicht auch den Grund, dass sich manche Dinge nicht weiterentwickeln, aber das ist ja bei der Jazzwerkstatt oder bei Studio Dan ja nicht zu sehen. Da muss man auf jeden Fall einfordern, dass sich die Entwicklung auch in irgendeiner Form niederschlägt. Egal, ob nun im Fall der Jazzwerkstatt oder in jenem von Studio Dan.

Oftmals wird man dann eben mit den üblichen Argumenten, wie etwa Wirtschaftskrise etc., abgespeist und man muss froh sein, wenn man bestenfalls mit derselben Summe weitergefördert wird. Es ist Jahr für Jahr ein Zittern, ob und wie es weitergeht. Das ist natürlich sehr mühsam und kräfteraubend.

Was dazu kommt ist, dass sehr vieles unplanbar wird. Man verlangt von uns immer eine sehr langfristige Planung, eine sehr weite Voraussicht und sehr weit vorausreichende Zusagen, damit man sozusagen glaubhaft bleibt. Aber genau da beißt sich das ganze System in gewisser Weise in den Schwanz. So bekommen wir die Förderzusagen sehr, sehr spät. Und um bestimmte Dinge umzusetzen, und das wissen auch alle, muss man Förderungen kriegen, ohne welche man in manchen Fällen Angebote gar nicht annehmen kann, weil man ja nicht weiß, ob es tatsächlich eine Förderung gibt. Das ist wirklich problematisch! Fördergeber verlangen so weit im Voraus eine Planung, halten uns aber irrsinnig lange hin.

Aber das sind Probleme, die gibt es seitdem es Kunst- und Kulturförderung gibt. Es ist ja nichts Neues. Generell habe ich das Gefühl, wenn man mit den verantwortlichen Leuten spricht, dass ein gewisses Grundverständnis vorherrscht. Und mir kommt es auch so vor, dass es auch immer wieder Versuche gibt, Änderungen einzuführen. Letztendlich sind es aber immer politische Entscheidungen und diese treffen zumeist nicht die Leute mit denen wir in Kontakt sind.

Wie sieht es eigentlich bei dir aus. Studio Dan ist ja ein Projekt, dass ziemlich viel zeit in Anspruch nimmt. Bleibt eigentlich die Zeit für etwas anderes?
Naja. Nachdem mir sowohl Studio Dan wie auch die Jazzwerkstatt so wichtig sind und noch wichtiger werden, habe ich relativ radikal den Entschluss gefasst, viele Dinge, die ich sonst so immer für den Lebensunterhalt gemacht habe, doch zu kürzen oder überhaupt wegzulassen. Somit spiele ich kaum mehr in irgendwelchen Bands oder Orchester. Ich konzentriere mich wirklich ausschließlich auf die Organisation dieser zwei Dinge, sowie auf die musikalische Entwicklung dieser. Und nebenbei versuche ich mir Freiräume zu schaffen, um Auftragswerke zu komponieren.  Ich würde sagen, dass diese drei Dinge im Moment meine Betätigungsfelder sind.

Alles andere, was so in Richtung „Schnell irgendwo mitspielen“ geht, habe ich extrem eingeschränkt. Das raubt so viel Kraft und Energie, dass es oft nicht das aufwiegt, was man da rausholt. Ich sehe nicht so viel Sinn drin, was viele Leute machen, nämlich auf  `zig Hochzeiten zu tanzen. In jeder Band mitzuspielen, jeden kleinen Kompositionsauftrag anzunehmen. Man muss ganz realistisch davon ausgehen, dass niemand viel mehr als 24 Stunden am Tag zur Verfügung hat. Und wenn man nicht ,was weiß ich, welche Drogen nimmt, um viermal schneller zu arbeiten, dann kommt nichts raus dabei. Da zerbröselt es einen.

Außerdem finde ich diesen Produktionsüberschuss unnötig.  Es gibt in Wien jeden Abend so viel, das man sich anschauen kann.  Und darunter ist sehr vieles Überschuss. Ich nehme mich da ja auch mit ein, ich hab wahrscheinlich auch schon ganz schön viel Überschuss produziert, aber ich möchte dorthin kommen, Dinge zu tun, die mir mehr bedeuten.

Du siehst Studio Dan also als ein langfristiges Projekt. Was sind deine nächsten Pläne mit der Band?
Es gibt eine Geschichte, die mir wirklich wichtig ist. Wir werden ab Herbst eine Art „Abo“  anbieten. Ich habe jetzt im Moment noch keinen besseren Namen dafür. Gedacht ist das so, dass wir je fünf Konzerte in Graz und Wien veranstalten. Fast immer Samstag und Sonntag. Es geht darum, langfristige Konzertprojekte kontinuierlich zu präsentieren, unsere Auftrittsfrequenz innerhalb Österreichs zu erhöhen und ein Publikum zu entwickeln, das unsere Arneit begleitet. Diese Idee hilft uns langfristige Konzertprogramme gut vorzubereiten, Leute von außen einzubinden und dem Publikum einen roten Faden zu bieten.
Ich weiß jetzt noch nicht genau, wie die Konditionen aussehen werden. Ich habe mir gedacht, in Richtung 100 Euro und dann bekommt man auch schon die CD dazu. Also insgesamt eh ein Spottpreis. Außerdem kann man mit der Karte dann in Wien und Graz das Konzert besuchen.

Die Termine stehen schon: Los geht`s im Oktober, dann im Dezember, im März, April und im Juni. Praktisch eine gesamte Spielzeit. In Wien konnten wir das Porgy als Spielort gewinnen. Christoph Huber unterstützt uns dahingehend, dass er uns die Termine zur Verfügung stellt. Und in Graz ist es das Theater am Ortweinplatz, mit dem wir auch schon die Kindertheaterproduktion gemeinsam machen. Es sind ja auch schon die Programme fixiert. Im Oktober ist es die Präsentation der zweiten CD, auf der wir Nika Zach featuren, im Dezember wird es ein eher kammermusikalisches Programm sein, wo wir nicht als ganze Band auftreten, sondern in Splittergruppen. Im März wird es das Kinderkonzert, im April präsentieren wir drei Komponisten – Ramon Bau, Petar Dundakoff und Lars Skoglund, mit denen wir  einen Workshop gemacht haben und im Juni machen wir ein Programm mit Musik von Clemens Wenger und mir. Es gibt also auch schon ein künstlerisches Konzept für die Konzertreihe. Dranhängen kann man natürlich auch immer wieder Konzerte im Ausland. Das ist dann organisatorisch auch schon einfacher, wenn es schon so einen Ankerpunkt gibt.
Ich glaube, das Ganze ist für uns sehr wichtig. Wir waren ja schon einmal Stageband im Porgy. Und die Kontinuität ist das Um und Auf. Sonst kann so ein komplexes Projekt auch sehr schnell zerfallen. Mal sehen wie diese Konzertreihe, das „Abo“, funktioniert, wenn ja machen wir es weiter.

Konkurrenz zum Vienna Art Orchestra.
Weiß ich nicht (lacht) Machen die auch so ein Abo? Nein, eigentlich sehe ich da keine Konkurrenz. Musikalisch ist man zu weit auseinander und die Vorstellungen sind zu sehr verschieden.

Das heißt die Aufnahmen für die zweite CD fallen auch in das nächste Jahr?
Nein. Das wird sehr kurzfristig produziert werden. Wir werden im September aufnehmen und schon im Oktober präsentieren. Es wird sehr schnell gehen. Aber wir werden schon im Vorfeld alles vorbereiten. Wir haben ein super Team. Da ist der Werner Angerer, der ist ja schon von Anfang an als Techniker dabei. Außerdem Leo, mein Bruder, und Joachim Zach als Allrounder und Alex Beer unser Grafiker.  Wir machen uns viele Gedanken über die Technik, Zeitpläne, Logistik, die Aufstellung, Videoübertragung und all diese Sachen.

Im Moment basteln sie Trennwände für alle möglichen Instrumente, damit man die noch besser aufnehmen kann. Also insgesamt haben wir schon viele Erfahrungswerte. Das wird in kurzer Zeit ganz gut gehen.

Erwartest du, dass die Auszeichnung mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik gewisse positive Folgeerscheinungen mit sich bringen wird?
Ja, ich kann es nur hoffen. Ich habe schon den Eindruck, dass dieser Preis eine Art Filter für Leute ist, die sehr viel Information bekommen. Booker, Veranstalter Journalisten. Ich glaube, diese Leute brauchen so eine Art Vorselektionen. Das ist ganz etwas Menschliches. Wenn du jeden Tag zweihundert E-Mails bekommst, von Leuten, die bei dir spielen wollen, dann ist es glaube ich ganz normal, dass du dir die rauspickst, bei denen irgendwo steht, dass die irgendwo auf einem tollen Festival gespielt oder diesen besonderen Preis bekommen haben. Das ist in unserem Fall schon sehr deutlich. Ich merke schon, dass von Leuten Feedback kommt, die mir überhaupt noch nie Gehör geschenkt haben. Direkte Auswirkungen dagegen habe ich noch keine bemerkt. Dass uns jemand vom Fleck weg gebucht hätte, das ist nicht passiert.

Aber generell hat es schon ein gewisses Gewicht, wenn du mit einer Debüt-CD mit einem quasi Noname-Label solch einen Preis abstauben kannst. So gesehen, kann ich nur hoffen, dass es mittelfristig diese Auswirkung hat. Dass wir eventuell in Zukunft mehr Konzerte in Deutschland spielen können.

Wenn man Booking macht und man ruft Leute an, dann kann einem wirklich passieren, dass man zehn Mal jemanden anruft, der wirklich die zehn Mal keine Ahnung hat, wer du bist. Und in dem Moment, in dem du diesen Preis hast, hat er dann plötzlich doch eine Ahnung. So etwas darf man aber nicht persönlich nehmen, sondern einfach nur froh sein, dass man endlich miteinander redet und konkret über Termine sprechen kann.  Was zwar immer noch nicht bedeutet, dass man sofort einen Gig hat, aber zumindest kriegt man einmal eine Antwort auf ein E-Mail.

Es ist wirklich ein hartes Geschäft. Es ist wirklich unglaublich. Ist auch nicht Neues und etwas das alle kennen, die Rückantwortrate bei E-Mails an Veranstalter ist einfach vernichtend. Das geht gegen Null, sodass man eigentlich sofort wieder aufhören will.

Habt ihr mal über einen Manager nachgedacht.
Das macht niemand. Weil es eben so schwierig ist. Und weil es wenig Leute mit wirklichen Visionen gibt. Da reicht kein Kulturmanagementstudium. Es gibt ein paar Leute, die machen das für die großen Nummern, die ja Selbstläufer sind und die vermutlich gar kein Management mehr brauchen. Für die findet man dann vielleicht jemanden, der das macht, weil es vielleicht nicht ganz so zermürbend ist, weil es nicht sehr viel Enthusiasmus braucht und Geld bringt. Studio Dan wird sich noch zehn Jahre lang niemand antun.

Nur, wer auch immer das irgendwann einmal für uns macht, alle anderen werden sich in den Arsch beißen, dass sie nicht früher draufgekommen sind. Ich versuche das jetzt ganz unbescheiden zu sagen: Studio Dan ist DIE österreichische Großformation.

Ein perfektes Schlusswort. Danke für das Gespräch.

Daniel Riegler Foto 1: Claudio Casanova
Daniel Riegler Foto 2: Helomut Lackner
Fotos Studio Dan: Ditz Fejer

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