Immer noch bescheidene Frauenquoten in manchen österreichischen Orchestern

Heute, den 8. März, ist der internationale Frauentag 2010. Ein Tag an dem auf die immer noch existierende Benachteiligung von Frauen in der Berufswelt hingewiesen werden soll. Von einer echten Gleichstellung ist man leider nach wie vor weit entfernt. Und das in nahezu allen Berufsfeldern. Auch der Musiksektor bildet da keine Ausnahme, wie etwa die Zahl der MusikerInnen in einigen wichtigen österreichischen Orchestern zeigt.

Wirft man einen Blick auf die Geschlechterverteilung der MusikerInnen, die bei den zwei großen Orchestern des Landes, dem Wiener Philharmonikern und dem Wiener Symphonikern, ihre Arbeit verrichten, wird eines sofort ersichtlich. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Männer. Musikerinnen bilden in diesen zwei international renommierten Klangkörpern nach wie vor eine Minderheit. Bei den Wiener Philharmonikern finden sich unter den insgesamt 136 InstrumentalistInnen gerade einmal acht Frauen. Ähnlich verhält es sich bei den Wiener Symphonikern. Dort sind es 16 von 110.

In einem gewissen Maße nachzuvollziehen wäre dieser Zustand, wenn es tatsächlich so wenige Musikerinnen gäbe, die für eine Stelle in den Orchestern in Frage kämen. Dem ist aber nicht so. Ganz im Gegenteil. Betrachtet man die Geschlechterverteilung unter den AbsolventInnen der Musikuniversitäten des Landes, offenbart sich ein vollkommen entgegengesetztes Bild. So haben im vergangenen Studienjahr 2009/10 an den drei großen österreichischen Musikuniversitäten deutlich mehr weibliche Instrumentalistinnen ihr Studium abgeschlossen als männliche. Am Salzburger Mozarteum etwa, zählt man alle verschiedenen Studienrichtungen im instrumentalen Bereich zusammen, haben insgesamt 218 Frauen ein Studium beendet, während die Zahl ihrer männlichen Kollegen bei 114 gelegen ist. Auf der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien stellte sich das Verhältnis gar 256 zu 114 zugunsten der Frauen dar. Am ehesten ausgewogen zeigte sich das Bild an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, wo im vergangenen Studienjahr 204 Musikerinnen und 177 Musiker ihr Studium abgeschlossen haben.

Dass es sich hier keineswegs um eine neuere Entwicklung handelt, zeigen die Zahlen aus dem Studienjahr 2007/08. In Wien und in Salzburg waren nahezu zwei Drittel der AbsolventInnen Frauen. Erneut nahezu ausgeglichen das Verhältnis in Graz. Bei der Betrachtung dieser Zahlen, wäre das Argument, es gäbe zu wenig gut ausgebildete Musikerinnen, nicht zulässig. Es gibt sie und es werden immer mehr.

Dass es aber auch anders geht, zeigen unter anderem das Wiener Radiosymphonieorchester sowie das Linzer Bruckner Orchester. In beiden Klangkörpern wurde schon Jahren der Beschluss gefasst, die Frauenquote Schritt für Schritt anzupassen. Heute beträgt der Anteil an InstrumentalistInnen in beiden Orchestern knapp über 40 Prozent. Im Relation zu den Zahlen der von den Hochschulen kommenden Musikerinnen erscheint das immer noch etwas wenig, im Vergleich aber zur Situation vor wenigen Jahren, als man Frauen in den Orchestern tatsächlich noch mit der Lupe suchen musste, eine deutliche Steigerung. Wünschenswert wäre natürlich, dass dieser Weg auch anderswo Schule macht und man nahezu ein ausgeglichenes Verhältnis erreicht. (mt)

Quellen:
KUG – Studierendenstatistik
Mozarteum – Studierendenstatistik
MDW – Studierendestatiltik
Wiener Philharmoniker
Wiener Symphoniker
RSO Radiosymphonieorchester
Bruckner Orchester