Logo Kleio Records
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„Die verdammt Jüngsten“ – das neue Indie-Label Kleio Records im mica-Porträt

Mit „Kleio Records“ gibt es ein neues Independent-Label aus Wien, das frischen Wind in die Indie- und Alternative-Szene Österreichs bringen will. Die Gründung des Labels wurde im Mai mit einer ersten Label-Night in der Wiener FLUC WANNE gebührend gefeiert. Dabei konnten die ersten Acts des Labels wie JAY COOPER, GOSPEL DATING SERVICE, ROBINSON, KLAY und JAMES CHOICE & THE BAD DECISIONS unter Beweis stellen, wieso sie mithilfe eines Labels unbedingt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden sollten.

In einer Zeit, in der österreichische Musik im gesamten deutschen Sprachraum an Bedeutung gewinnt, gibt es natürlich auch vermehrt Leute, die diese Entwicklung vorantreiben wollen. Manchen ist der deutschsprachige Raum aber noch nicht genug. Jonathan Gabler etwa hat nun neben dem auf Progressive Rock spezialisierten Label „Panta R&E“ mit „Kleio Records“ ein zweites Independent-Label ins Leben gerufen. Der Fokus soll bei „Kleio Records“ auf Alternative und Indie-Rock liegen. Und zwar auf solchem, der Anspruch auf Internationalität legt. „Wichtig ist, dass es sich um englischsprachige Musik drehen soll“, meint Gabler, und führt aus: „Es gibt großartige Bands in Österreich mit internationalem Anspruch und die wollen wir fördern.“ Die Förderung der Bands soll insbesondere durch die Kopplung des Labels mit der Wiener GAB Music Factory gut funktionieren. So können Bands ihre Musik im hauseigenen Studio aufnehmen, bevor diese später vom Label via Tonträger vertrieben wird, wodurch natürlich eine besondere Nähe zwischen den Künstlerinnen und Künstlern und dem Label entsteht. Auch ein Reboot des mütterlich zu betrachtenden Labels „GAB Music“ von der GAB Music Factory in Richtung Indie und Alternative stand zur Debatte, letzten Endes wurde jedoch ein nagelneues Label gegründet. „Das Redesign war essenziell“, meint Natascha Veen, die ein weiterer der jungen Köpfe hinter „Kleio Records“ ist und frische Bands voranbringen will. Aber wie kamen eigentlich die bisherigen Bands zum Label?

Alle Wege führen zu Kleio

Bild Gospel Dating Service
Gospel Dating Service (c) Valentin Weinhäupl

Einer der Wege zu „Kleio Records“ führt des Öfteren durch den 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing. Dort ist nämlich der Standort der bereits angesprochenen GAB Music Factory. Über Aufnahmeprozesse im ansässigen Tonstudio bekommen viele Bands den ersten Kontakt zu „Kleio Records“, so beispielsweise die Grazer von Klay. Nicht selten dürften die jungen Bands von der Professionalität und den Vorschlägen des Produzenten Georg Gabler begeistert sein, davon profitieren und nach weiterer Zusammenarbeit in Form des Labels verlangen. Neben diesem Erstkontakt über Georg Gabler und sein Studio gibt es natürlich weitere Wege, um sich beim Label bekannt zu machen, so etwa über das klassische Scouting bei Konzerten. Die großartigen Robinson etwa wurden so für das Label gewonnen. Oder die Oberösterreicher Gospel Dating Service, die vom Booker des Labels, Bertram Kolar, ausfindig gemacht wurden und mit ihrem selbst benannten „TripPop“ bereits vor dem Release ihres ersten Albums „Red“ im Juni von sich reden machen. Von den Qualitäten der Label-Acts konnte man sich am 21. Mai beim Label-Kick-off in der Wiener fluc wanne überzeugen. Das Event fungierte gleichzeitig als Release-Show von Jay Coopers EP „Love/Fifteen“, der ersten Veröffentlichung via „Kleio Records“. Darauf findet sich laut Jonathan Gabler „grooviger Retro-Rock mit durchaus poppigem Anspruch“. Diese Mischung vermochte auch den Zuhörerinnen und Zuhörern vor Ort zu gefallen. Der poppige Anspruch dürfte die Bands des Labels gewissermaßen einen: „Alle Bands haben gemein, dass sie Geschichten erzählen und man den einen oder anderen Ohrwurm mit nach Hause nimmt“, meint Gabler über seine Schützlinge. Mit sechs Bands sei der Roster des Labels aber vorerst voll, viel mehr könne man nicht abwickeln und „das wäre auch den Bands gegenüber nicht fair“. Eine hohe Betreuungsqualität gegenüber den Bands ist für „Kleio Records“ also prioritär, was den Künstlerinnen und Künstlern natürlich nur zugutekommen kann.

Junge Generation, frischer Wind

Independent-Labels sind in Wien nun wahrlich nicht rar gesät. Wodurch also hebt sich „Kleio Records“ ab? Neben dem in der österreichischen Musiklandschaft heutzutage beinahe als mutig zu charakterisierenden Fokus auf englischsprachige Musik versteht und positioniert man sich als eine Generation mit den jungen Musikerinnen und Musikern. „Was uns auszeichnet, ist, dass wir echt die verdammt Jüngsten sind. Das ist auch eine Art Generationsfrage. Nicht nur das Label selbst ist das jüngste. Auch die Personen, die daran beteiligt sind, sind einfach die jüngsten“, meint der 27-jährige Jonathan Gabler in Abgrenzung zur Konkurrenz, und verspricht sich bessere Kommunikation: „Das macht bei vielen Bands einfach einen ganz anderen Eindruck, wenn da jetzt nicht irgendein 40-Jähriger sitzt, der ihnen etwas zu hipper Musik erzählt, sondern jemand aus derselben Generation mit einem diskutiert, wie man die eigene Musik unter die Leute bringen kann.“ Die Musik ab sofort unter die Leute zu bringen dürfte wohl auch der erklärte nächste Schritt des jungen Labels sein, um in der Indie- und Alternative-Szene erste Erfolge zu feiern und dann alsbald die nächsten vielversprechenden Bands herauszubringen. Die bisherigen Bands lassen keinen Zweifel daran, dass Fans des Genres das Label im Auge behalten sollten.

Sebastian J. Götzendorfer

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