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AKTUELLE VERÖFFENTLICHUNGEN AUS POP/ROCK/ELEKTRONIK (02/2020)

Die neuesten Album- und Single-Releases aus dem österreichischen Pop-, Rock- und Elektronik-Sektor hat Antonia Seierl zusammengefasst.

 

Lou Asril – „Heaven“
(Ink Music; VÖ 21.02.2020)

Mit Lou Asril hat Österreichs Musiklandschaft vor etwa einem Jahr einen neuen Star bekommen: der 19-jährige Musiker hat es in kürzester Zeit mit seinen souligen Liedern auf diverse Festivals geschafft, zahlreiche Radio- und TV-Auftritte folgten. Sein Debüt-Minialbum wird im März erscheinen, davor versorgt Lou Asril seine Fans aber noch mit der neuen Single „Heaven“, sozusagen als Vorbote für sein kommendes Werk. Das Lied ist vielversprechend und steht dem letztjährigen Hit „Divine Goldmine“ in nichts nach. Der fröhlich-lockere Vibe der Single ist in der Tag himmlisch, der perfekte R’n’B Song für den wartenden Frühling. Von Lous Stimme kann man ja generell nie genug bekommen, er reiht sich qualitativ nahtlos in die Garde aufstrebender österreichischer KünstlerInnen ein und verspricht dabei so schnell nicht wieder zu verschwinden – dem kommenden Minialbum sei Dank.

Lou Asril (Facebook)

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FAT FEATHERS – Rolling Deep
(Inya Records; VÖ 31.01.2020)

Albumcover Rolling Deep
Albumcover “Rolling Deep”

Der Februar ist der Monat der Vorboten: als Ankündigung für das im März kommende Album veröffentlicht das oberösterreichische Duo mit dem skurrilen Namen Fat Feathers die Single „Rolling Deep“. Der Mann am Produzententisch, Christoph Schweiger, hat dabei wieder einiges geleistet: die fein abgestimmten Sounds gehen ins Ohr wie sonst nichts, kein Ton ist zu viel oder zu wenig, die Beats fließen und kreieren dabei eine leicht melancholische Stimmung. Die Stimme von Patricia Breiteck liefert dem Song die berühmte Kirsche auf der Torte. Mit geheimnisvoller Erotik und einer in sich gekehrten Kraft vermischt sich der Gesang mit den Beats, das Endergebnis ist ein Lied, dass tatsächlich in die Tiefe (der Gehörgänge) rollt.

Fat Feathers (Facebook)

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EDWIN – AQUARIUM
(Futuresfuture; VÖ 14.02.2020)

Albumcover Aquarium
Albumcover (c) Aquarium

Wiener Schmäh gepaart mit Anglizismen: Edwin bleibt in seinen Songs immer authentisch, mixt was als zu vermischen verpönt gilt und klingt dabei auch noch gut. Seit seinem Debüt 2017 hat der Wiener einiges vorzuweisen: Support-Shows, Festival-Auftritte und, der Zenit, die FM4-Rotation. Mit tanzbaren Beats, mitsingbaren Lyrics und Wiener Charme lässt sich auch die neue Single „Aquarium“ von Edwin beschreiben. Ohne viel Stress und unglaublicher Coolness plätschert der Sound, getragen von der Stimme – die immer so klingt als hätte Edwin ein kleines Grinsen im Gesicht. Aufmunterung gesucht? Die Single bringt die sicher.

Edwin (Facebook)

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Amanda – Durch die Ewigkeit
(Problembär Records; VÖ 06.03.2020)

Albumcover Durch die Ewigkeit
Albumcover “Durch die Ewigkeit”

Atmosphärisch und stilistisch divers präsentiert sich die Ennstaler Space Rock-Band Amanda auf ihrem Debütalbum: die Reise „Durch die Ewigkeit“ beginnt quasi am Mond mit dem Track „Luna“ und führt durch ein Universum der rockigen Ruhe, über Sternen („Astra“) und Planeten („Venus“). Die vierköpfige Band verbindet psychedelische Pop-Elemente mit spontanen Ausbrüchen von Rock’n’Roll. Definiert wird die jeweilige Stimmung der schwelenden Klangräume von den in Dialekt gehaltenen Texten, die mal von Schönheit, mal von Beziehungen, aber auch von – ganz zum Sound passend – kosmischen Erfahrungen handeln. Der Kontrast zwischen den einzelnen Elementen der Songs fügt sich am Ende durch den „Epilog“ zusammen, das Ende der Reise durch ein Weltall von Harmonien: spacig schön.

Amanda (Facebook)

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Lex Audrey – Lost To You
(Las Vegas Records; VÖ 24.01.2020)

Cover “Lost to You”

Ein Jahr ist vergangen, seit die Newcomer-Band Lex Audrey ihr Debütalbum veröffentlicht hat. Seitdem haben sie ihr Publikum mit einigen Singles („NSFW“ / „Winter II“) beschenkt – nun folgt „Lost To You“ inklusive Remix (von Urban Contact) – sozusagen die Vorboten auf das neue Album. Wer das Trio um Niklas Pichler bereits kennt, weiß die Purität der Klänge bereits zu schätzen: nichts ist zu viel, kein Ton überflüssig und wenn die Stimme bricht, dann ist das genau richtig so. Gefinkelte Gitarre-Pizzicatos mit reduziertem Synth-Background machen schon fast Lust auf Frühling, der Track vermittelt genau die Art von lockerer Fröhlichkeit, die man im ersten Drittel des Jahres benötigt um aus dem Winterschlaf zu erwachen. Der zur Single gehörige Remix trägt das Ganze auf den Dancefloor, ohne die Grundstimmung des Songs zu ändern. Ein paar BpM mehr, ein bisschen Elektronik und das Hervorheben der melancholisch gewitzten Gitarrensolis lässt den Füßen bald keine Ruhe – auch wenn Downtempo, trotzdem tanzbar. Wann kommt das neue Album endlich?

Lex Audrey (Facebook)


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Aron & Glowing Eyes – Kunst an die Macht EP
(VÖ 24.01.2020)

Albumcover Kunst an die Macht
Albumcover “Kunst an die Macht”

Der Titel gibt den Ton an: hier geht’s um Kunst, und Kunst soll an die Macht. Durch die Single „Lass Dich Treiben“ bekannt geworden, legen Aron&Glowing Eyes nun ihre neue EP „Kunst an die Macht“ vor und zeigen damit klar: Rap kann auch anders, Genre-Mixing funktioniert, man muss nur wissen wie. Dass sie genau das drauf haben, zeigen sie gleich beim ersten Song, dem Titelsong, der textlich reinhaut und musikalisch das Tanzbein schwingt – im Sinne von beschwingter Rebellion. Das Thema Kunst zieht sich durch alle drei Nummern der EP, der Name des Albums ist Programm. Mit leicht jazzigen Elementen und Sprachgesang gelingt Aron&Glowing Eyes ein Spagat zwischen verschiedenen Genres, bei dem man eigentlich nicht wusste dass man ihn braucht, ihn jetzt aber nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Ebensowenig vergessen lässt sich das Credo „Kunst an die Macht“ – ja, was ist denn jetzt eigentlich Kunst? Die EP der fünfköpfigen Band ist es allemal.

Aron & Glowing Eyes (Facebook)

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Kantig – Dramaqueen
(Höllendurst / iGroove; VÖ 31.01.2020)

Albumcover Dramaqueen
Albumcover “Dramaqueen”

Während andere Bands schon an ihrer Sommer-Single arbeiten, lassen Kantig noch mal so richtig den spätwinterlichen Grant raus: „Dramaqueen“ heißt die nunmehr 7. Single der vierköpfigen Deutschrockband. In der neuen Single schimpfen sie nicht auf Dramaqueens, sie sind selbst eine: überspitzt, ausufernd, voller Energie. Ein bisschen mehr Mut zum Emotionen-Rauslassen, bitte, so jedenfalls das Motto des Tracks. Stay true, ganz im Stil des Single-Covers, und das in Form von rockigen Gitarrenriffs, trotzigem Gesang und einem Text, der im Ohr bleibt: „Ja, ich bin `ne Dramaqueen“. Warum auch nicht? So wie Drama muss auch der Song mit Humor genommen werden, am besten auf der Tanzfläche wo man dann zu Kantig aus dem Winterschlaf aufwachen kann.

Kantig

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Strandhase – Primetime
(Seayou Records; VÖ 21.02.2020)

Albumcover Primetime
Albumcover “Primetime”

Obacht: was zuerst ein bisschen klingt wie „Ich möchte Klowasser trinken“ entpuppt sich doch eher als die neue Single der Indierock-Band Strandhase, die nicht Klo- sondern Chlorwasser trinken möchten. Warum? Naja, es klingt so schön, genauso wie die Musik dazu. Der perfide Text wird nämlich von äußerst fröhlicher Musik begleitet, die die absurden Wünsche der vier Wiener schon fast ansteckend macht. Auf dem neuen Album „Primetime“ spielen Strandhase mit allerlei Skandal-verdächtigen Texten, props an Texter Daniel Mendl, und überliefern das mit einer fast unerhörten Coolness. Obwohl für manche der Titel „Kalter Kaffee“ schon wie post-apokalyptische Zustände klingt,  haben sich die Jungs dann als Abschluss den Track „Meine Dystopie“ überlegt, der euphorisch über die Melodien klettert und so gar nicht nach Dystopie klingt, aber was klingt bei Strandhase schon nach dem was es zu seien scheint? Humor hat die Band allemal und das macht das Album auch zu einem unglaublich vergnüglichen Hörerlebnis.

Strandhase

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At Pavillon – OPOV
(Las Vegas Records; 25.01.2020)

Bild At Pavillon
At Pavillon (c) Catalina Körber

Eingesperrt in einer binären Welt: die neue Single von At Pavillon ist nicht einfach nur ein Song, sondern auch gleichzeitig der Soundtrack zum Kurzfilm „Grimmelstein“ (Regie: Bruno Kratochvil) , der sich mit Leiden einer jungen Frau auseinandersetzt, die langsam am binären Korsett unserer Gesellschaft zugrunde geht. At Pavillon treffen mit ihrer wie gewohnt hoch-qualitativen Arbeit genau den Ton: verhallender Gesang, melancholische Gitarrenmelodien und ein Klangraum, der sich unglaublich weit und dicht gestrickt anfühlt, vermitteln zum Video genau die richtige Stimmung. Man spürt die Verzweiflung in jeder Textzeile und die Stimmung des Songs entwickelt sich mit dem Verlauf des Videos mit. Das ist sicher kein Lied, das man hört um fröhlich zu sein. „OPOV“ hört man, um endlich verstanden zu werden.

At Pavillon (Facebook)

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SILK MOB – Heute Ned
(VÖ 31.01.2020)

Albumcover “Heute Ned”

Hier macht nicht unbedingt der Beat die Musik, sondern der Sprechgesang: Silk Mob zeigen in ihrer Single „Heute Ned“, dass deutscher Rap auch anders kann. Flaumig weiche Synths, chilliger Beat und herrlich rhythmischer Rap vermitteln das, was der typische Freitagabend eines durchschnittlichen Millenials ist: es gibt so viele Parties, so viele Leute zu treffen, aber lieber sag man „Heute Ned“ und verbringt den Abend mit Netflix. Das dazugehörige Musikvideo passt auch zum ganzen Vibe der Band: irgendwo zwischen coolen HipHoppern, Angewandte-Studenten und Yung Hurn-Hipstern finden sich die fünf Rapper und machen das so zu einem höchst angenehmen audio-visuellen Erlebnis. Wobei – erleben will man ja nichts, aber zu dem Lied sagt man aber sicher nicht „Heute Ned“.

Silk Mob


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The L.L.A. – The Lonely Leaders’ EP
(Tercero Music; VÖ 7.12.2019)

Albumcover The Lonely Leaders
Albumcover “The Lonely Leaders “

Der US-Amerikaner Tim Tercero kam einst nach Wien um zu studieren, nun hat er hier mit seiner vierköpfigen Band The L.L.A. das Debütalbum „The Lonely Leaders’ EP“ veröffentlicht. Das Genre nennt sich Storyteller Pop-Rock, was sich tatsächlich als sehr passend erweist. Tim singt, aber erzählt Geschichten, die instrumentale Untermalung ist sein Soundtrack. „Moonlight“ etwa ist so beruhigend wie eine sternenklare Sommernacht, Tim’s Stimme entfaltet hier ihre ganze Wirkung. Die Songs der EP haben einen fast organisch wachsenden Spannungsbogen, der sich ganz natürlich hört – optimal komponiert, man kann einfach zuhören, sich fallen lassen und in Gedanken schwelgen. Hin und wieder ergibt sich das Sinnbild eines nächtlichen Roadtrips durch Washington State, ganz unaufgeregt, die stille Tiefe von Songs wie „Wasteland“ schafft das Gefühl von schläfrigem Glück. Einsamkeit, aber mit der Musik ist man nie allein.

The L.L.A.

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