A Love Electric + Lisa Hofmaninger – „Modern Medicine“

Wenn zwei musikalische Ansätze aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, kann daraus eine überraschende Verbindung entstehen. „Modern Medicine“, das gemeinsame Album des mexikanischen Psychedelic-Jazz-Rock-Trios A Love Electric und der österreichischen Musikerin Lisa Hofmaninger, ist ein solches Beispiel. Die Formation um den Gitarristen Todd Clouser bringt eine Vorliebe für rockige Grooves und psychedelische Klangbilder mit, während Hofmaninger vor allem im Jazz und in der freien Improvisation ihre eigene musikalische Sprache entwickelt hat. Aus diesen unterschiedlichen Zugängen entsteht ein eigenständiger musikalischer Entwurf.

Auffällig ist, wie wenig die Musik auf permanente Intensität setzt. Statt ausufernder Soli und demonstrativer Virtuosität prägen häufig reduzierte Motive, repetitive Rhythmen und ein bewusster Umgang mit Dynamik das Geschehen. Über dem erdigen Fundament von Bass und Schlagzeug entfalten Hofmaningers Saxofon und Bassklarinette ihre Linien, erweitern das Klangbild und bringen mitunter eine unberechenbare Note ins Spiel. So entsteht ein Sound, der gleichermaßen geschmeidig wie experimentierfreudig wirkt.

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Gerade in den ruhigeren Passagen zeigt sich, wie gut die Beteiligten aufeinander hören. Die Musik lässt den einzelnen Klängen Raum und entwickelt eine beinahe intime Atmosphäre, deren Spannung aus kleinen Verschiebungen entsteht. An anderer Stelle treten die rockigen Qualitäten von A Love Electric deutlicher hervor, wenn sich die Stücke zu druckvolleren Passagen verdichten. Auch dann bleibt Platz für unerwartete Wendungen und freie Ausbrüche. Zwischen eingängigen Momenten und klanglicher Erkundung hält das Album eine reizvolle Balance.

„Modern Medicine“ überzeugt durch die Selbstverständlichkeit, mit der sich die unterschiedlichen musikalischen Welten gegenseitig beeinflussen. Psychedelischer Rock, Jazz und improvisatorische Offenheit gehen eine Verbindung ein, die weder ihre Ecken abschleift noch auf künstliche Kontraste angewiesen ist. Ein Album, das seine Spannung aus dem gemeinsamen Suchen bezieht und gerade in seiner zurückgenommenen Dynamik einen eigenen Sog entwickelt.

Michael Ternai

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Links:
Todd Clouser
Lisa Hofmaninger
A Love Electric (Instagram)