50 essenzielle Austro Rap-Songs – Teil 5: Neuer Sound

Nachdem der oft langsamere, elektronischere und tiefergelegte Klang des Südstaaten-Rap den US-Mainstream erobert hatte, gab es wenig später auch Songs mit viel 808, Doubletime- und Autotune-Raps auf Deutsch. Dabei haben österreichische Artists eine wichtige Rolle gespielt: Moneyboy war etwa für den gesamten Sprachraum ein Vorbild in Sachen sich-nix-scheissen – und das Salzburger Hanuschplatzflow-Kollektiv hat früh Songs gemacht, die dem nebulösen und bald inflationär verwendeten Schlagwort „Cloud Rap“ wirklich gerecht wurden. 

Moneyboy – Dreh Den Swag Auf (2010)

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Zu seinem Cover eines Soulja Boy-Songs drehte der Rapper ein Video, in dem er am Segway durch Wien rollt und im Ferrari-Showroom post – und ging so richtig viral! Auch, wenn viele mehr über ihn als mit ihm lachten (Bild Zeitung: „Der schlechteste Rapper der Welt?“), hat Money Boy die Aufmerksamkeit für sich genützt und mit mehr als 40 Mixtapes und einer Kochsendung eine Karriere darauf aufgebaut.


Crack Ignaz – Elvis (2013)

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Als im Rest von Österreich noch der klassische New Yorker HipHop-Beat das Maßstab der Dinge war, gab es um den Hanuschplatz in Salzburg eine Gruppe von Rap-Fans, die Mixtapes aus Houston oder Memphis geradezu studierten. Bald haben sie ihre Version davon im Salzburger Slang (mit Lehnwortern aus dem Jenischen) veröffentlicht und damit trotz Verständnisschwierigkeiten Fans im ganzen deutschen Sprachraum gewonnen.


Yung Hurn ft. RIN – Bianco (2016)

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Obwohl in Wien-Donaustadt aufgewachsen, hat auch Yung Hurn anfangs beim Hanuschplatzflow angedockt, bevor er gemeinsam mit deren Produzenten Lex Lugner diesen Sommerhit ablieferte. Damals wollte ihn Haftbefehl unter Vertrag nehmen und sein quasi unbekannter Featuregast ist mittlerweile deutscher Rapstar. Mittlerweile überschatten Missbrauchsvorwürfe (siehe Folge 2) seine Karriere.


Jugo Ürdens ft. Slav – Läuft (2018)

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Nach ersten Schritten als Battlerapper und Teil des „Sprachsex“ Kollektivs hat der Wiener mit mazedonischer Familie im Song „Österreicher“ seinen neuen Reisepass gefeiert. Es entfachte sich schnell ein Hype und mit kurzen Unterbrechungen läuft es für den Rapper, der sich mittlerweile „YUGO“ nennt, seitdem sehr gut. Ein Umstand, den er mit seinem damaligen WG-Kollegen Slav auch in Songform gegossen hat. 


Bibiza ft. Mavi Phoenix – !? (2020)

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Bevor er zum Frontmann einer neuen Wiener Welle wurde, hat Bibiza seine Skills bei Rap-Battles und beim Produzieren in seinem Kellerstudio in Mariahilf geschärft. Weil sie fast gleichzeitig ihre Songs „Fucked Up“ und „Fuck It Up“ rausgebracht haben, kam er mit Mavi Phoenix ins Gespräch und bei der ersten gemeinsamen Session mit prodbypengg ist dieser Song entstanden. 


JerMC & foodforthought – Nicht cool (2021)

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Der Heiße Luft Records-Mitbetreiber stellt ziemlich genau das Gegenteil von testosteron-getriebenen Macho-Rappern dar. Zwischen seinem Alter Ego Dyin Ernst und seinen eigenen Releases hat er ein dichtes Netz von (teils literarischen) Querverweisen gespannt. Und auch dem Zwang zur Coolness hat der Tee- und Limonade-Trinker nicht erst auf dem „Most Süß 2“ Album entsagt. 


Silk Mob – Heute Ned (2020)

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Wegen seines Erscheinens im März 2020 hat sich das selbstbetitelte Debüt-Album der Wien/Berliner Supergroup als Pandemie-Soundtrack geradezu aufgedrängt. Aber die zurückgelehnten Beats von Lex Lugner und Fid Mella sowie die melodischen Stubenhocker-Flows von Donvtello, Jamin und Opti Mane waren schon vorher so und klingen auch nach Ende der Lockdowns nicht anders.


T-Ser – Hermann Maier (2020)

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Nach Jugendjahren in der Salzburger Provinz schrieb sich der Rapper auf der ersten EP „Austrophobie“ den Ärger über Rassismus auf klassische Boom Bap-Beats von der Seele. Jahre später hat er sich in Wien mit dem Akashic Records Label und der Eventreihe Lituation einen Namen gemacht hat und auch hier gegen Polizei-Rassismus gekämpft. Aber die alpine Welt lässt ihn nicht ganz los, wie dieser britisch inspirierte Rap-Song mit Referenz an einen furchtbefreiten heimischen Schistar zeigt.


Eli Preiss – Danke Mami (2021)

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Die First Lady des Wiener „Swift Circle“ hat mit englischsprachigen R&B-Songs angefangen und erst nach der Pandemie den für sie richtigen Tonfall für deutschsprachige Texte gefunden. Dann ging alles umso schneller, und auf diesem Muttertags-Song hat die Musikerin den Rap-Anteil in ihrem Vortrag erstmals etwas höhergeschraubt.


Al Pone – Balkanski (2022)

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Der Grazer hat sich zuerst mit Battlerap einen Namen gemacht, in den letzten Jahren aber auch seine bosnischen Wurzeln immer mehr in die Texte einfließen lassen. Da werden Balkan-Klischees und Jugo-Nostalgie humorvoll seziert und wir lernen schöne Ausdrücke wie „Jebiga“ kennen. Mittlerweile betreibt Al Pone unter seinem Alter Ego Čoban Čobanski auch einen erfolgreichen TikTok-Kanal mit Kurzvideos zum Thema.


Stefan Trischler