Porträt: Cid Rim

Social Media kann den Sprung über den kleineren Teich erleichtern. Natürlich braucht es aber auch Talent um überhaupt mal auf sich aufmerksam zu machen. Aber erst mal zurück zu Ursprung der Erfolgsgeschichte von Cid Rim. Clemens Bacher macht nicht erst seit gestern Musik. Der Multiinstrumentalist kultiviert schon lange den Sound, der ihn als Cid Rim bekannt machte. Als Free Jazz Schlagzeuger spielte er beim recht exzentrischen Kollektiv JSBL, dessen Stil als eine leicht entrückte Mischung aus Jazz und Electronica mit einer satten Portion Nostalgie umschrieben werden kann. JSBL ist wiederum Teil der Affine Records Familie, die diese Bezeichnung aufgrund der Harmonie zwischen den Labelkollegen  verdient hat.

Und trotz ähnlicher Zielsetzung im Bereich Stilfindung, klingt Dorian Concept verschnörkelter, The Clonious kantiger und Ogris Debris verspielter als Cid Rim. Trotz konstanter Arbeit an der Solokarriere kam ein Release nicht zustande. Zu viele unzusammenhängende Tracks seien es laut Bacher gewesen, die nicht auf eine Platte gepasst hätten. Die Glückspforte öffnete sich dann 2010 für ihn, als er mit Dorian Concept nach London ging um bei einem Gig Schlagzeug zu spielen. Nach getaner Arbeit saß man neben Hudson Mohawke und den kreativen Köpfen des Labels Luckyme Records beim Esstisch. Interesse wurde gegenüber den Wiener Kollegen gezeigt und über Twitter blieb man in Kontakt.

Bacher änderte seine Denkweise und begann Songs am Klavier zu denken. Die Akkorde wurden zum verbindenden Element auf einer Demo-Platte, die er nach London schickte. Luckyme gefiel das Gehörte und 2012 Cid Rims selbstbetiteltes LP-Debüt war geboren. Auf diesem vereint er Clubelemente mit jazzigem Einfluss. Der Opener „Amuse-Ta-Guelle“ gibt mit der verspielten Epik einen guten Einblick in alle Ecken und Kanten des Albums. Da ist der IDM Track „Snaredrum Therapy“, zu dem man sich ekstatisch im Kreis drehen möchte, oder das desorientierte „Manage Expectations“ in dem sich asiatische Klänge verbergen und der stroboskopische Beat in den Füßen brennt.

Mit diesem Album hinterließ er nicht nur in Österreich Eindruck: In England laufen schon mal Cid Rim Songs im Radio und seine Konzerte sind gut besucht. Dass er sich immer weiterentwickelt, beweist er auf seiner neuen EP „Mute City“. Im Vergleich zum Debüt sind einige Ebenen an Details und interessanten Samples dazugekommen. Man kann den Spaß fast spüren, den er beim Produzieren gehabt haben muss. Trotzdem verliert er in seinen Songs nie den Faden, sondern folgt einem durchdachten Konzept. Diese spürbare Präzision mit der er seine Musik komponiert ist eine seiner größten Stärken.

Mit den neuen Songs im Repertoire macht er sich nun auf eine winterliche Europa-Tour, die ihn unter anderem durch Frankreich, Slowakei und  Niederlande führt. Dass er dabei zwei Gigs in Wien spielt, ist da fast schon Ehrensache.

Anne-Marie Darok

Fotos: Andreas Waldschütz

Links: