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Tents (c) Anna Brei

„Wir singen alle nicht gerne unter der Dusche” – TENTS im mica-Interview

Sie sind düster, melancholisch und auch nostalgisch, doch die drei Musiker haben ihren eigenen Stil gefunden – inmitten von Erinnerungen an die Melodien vergangener Zeiten. 2016 wurden sie mit ihrer ersten EP „Under my wings“ eher noch als Geheimtipp gehandelt, doch der Clou eines Geheimtipps ist es ja auch irgendwie, das Wachstum zu beobachten. Ergebnis der Schaffensphase: das Album „Stars on the GPS Sky“ (Numavi Records) Mit Anne-Marie Darok sprechen TENTS über ihre Aversion gegen das Unter-der-Dusche-Singen, die Wichtigkeit der Internationalität und darüber, warum der Begriff „Post-Punk“ schon zu sehr ausgeweidet wurde.

Erzählen Sie ein bisschen über Ihre Bandgeschichte: Wie haben Sie zusammengefunden? 

Tents: Lucas [Kulterer; Anm.] und Clemens [Posch; Anm.] haben schon vor mehreren Jahren zuerst in einem Kellerloch, später im Schlafzimmer unter dem Namen Tents Musik gemacht. Dann hat der zukünftige Drummer und Motivator Paul [Stöttinger; Anm.] angeklopft. Happy End!

Warum der Name Tents?

Tents: Uns ging es weniger um die Bedeutung als um die Form. Aber ein Wort, das mehr mit Nomadentum zu tun hat als mit Häuslichkeit, liegt uns in Bezug auf unsere Musik wahrscheinlich auch näher.

Ist der Titel Ihres neuen Albums „Stars on the GPS Sky“ eine Kritik an unserer Smartphone-Gesellschaft? 

Tents: Nein, das wäre scheinheilig. Der Titel ist wie viele unserer Texte eher eine Beschreibung, ohne eine eindeutige Aussage zu treffen. Mit plumpem Kulturpessimismus oder Technikkritik wollen wir eigentlich nichts zu tun haben. Der Titel hat für uns neben der technoiden auch eine romantische, intime Bedeutung. Wenn jemand das als Kritik verstehen will, ist das aber auch in Ordnung.

„Es ist für das psychische und physische Wohlbefinden wichtig, Arbeit und Freizeit zu trennen.“ 

Sie haben bis jetzt eine EP und nun Ihr erstes Album rausgebracht: Wie sehr unterscheidet sich das Gefühl vor dem Veröffentlichen? 

Tents: Die Zeit vor dem Release der ersten EP war auf eine eigene Art spannend, weil wir noch kaum Erfahrung mit Studio- und Labelkram hatten. Vor dem Albumrelease jetzt waren wir hauptsächlich mit Layouts, Organisation und sonstiger DIY-Selbstausbeutung beschäftigt gewesen, sodass wir kaum Zeit hatten, darüber nachzudenken. In manchen Momenten haben wir uns aber in dem gleichen Thrill und der gleichen Ahnungslosigkeit wiedergefunden wie damals, als wäre dazwischen nichts passiert.

Beim Review von „Stars on the GPS Sky“ konnte ich nicht aufhören, über die Post-Punk-Ästhetik zu schwärmen. Sehen Sie sich auch als moderne Post-Punk-New-Wave-Band oder haben Sie ein ganz anderes Selbstbild?

Tents: Wir sind uns selbst nie ganz sicher, was damit gemeint ist. Manchmal beschreiben diese Begriffe eine Klangwelt, dann wieder eine gesellschaftspolitische Haltung, eine Arbeitsweise oder einfach eine Epoche. Bei so einer Bandbreite fällt es nicht schwer, sich mit manchem davon zu identifizieren. Die inflationäre Verwendung der Begriffe macht das zugleich auch ein bisschen überflüssig. 

Wer sind Ihre musikalischen Vorbilder? Und welche Songs singen Sie gerne unter der Dusche? 

Tents: Wir singen alle nicht gerne unter der Dusche. Es ist für das psychische und physische Wohlbefinden wichtig, Arbeit und Freizeit zu trennen. Was unsere musikalischen Vorbilder betrifft: Lucas trägt gerne ein Galaxie-500-Shirt, Paul hat während der Albumproduktion ausschließlich von Y.M.O. geredet und Clemens würde unter der Dusche France Galls „Teenie Weenie Boppie“ singen.

„Das Scheitern wird oft vergessen.”

Stehen Sie am liebsten auf der Bühne oder im Studio? 

Tents: Wir gehen nach wie vor ultranervös auf die Bühne. Es macht trotzdem Spaß, wenn wir die wertvolle Zeit der Leute verschwenden dürfen, das ist schön. Im letzten Jahr haben uns aber die Arbeit und das Produzieren im Studio mehr interessiert.

Was sind die Stärken und was die Schwächen der österreichischen Musikszene? 

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Tents (c) Anna Brei

Tents: Wir finden es grundsätzlich sehr beklemmend, nationale Kategorien für Szenen zu verwenden. Das ist vielleicht eine erste Schwäche der österreichischen Musikszene. Es ist nicht alles gut und toll, was rund um uns passiert, und bestimmt denken viele ähnlich über uns. So ein „Wir“ erstickt ja auch jeden kritischen Diskurs im Keim, sowohl in der Medienwelt wie auch zwischen uns Künstlerinnen und Künstlern. Aber genau den braucht es, um Popmusik spannend und relevant zu halten und nicht in völlige Belanglosigkeit abzudriften. Das soll nicht heißen, dass wir uns außerhalb einer lokalen Szene bewegen, in der man einander unterstützt. In die sind wir aber nicht reingeboren, die haben wir uns selbst ausgesucht.

Welche Tipps würden Sie jungen Musikerinnen und Musikern geben, die gerade in den Startlöchern stehen? 

Tents: Als junge Musiker, die selbst gerade in den Startlöchern stehen, können wir leider noch nicht mit vielen Tipps behilflich sein. Außer vielleicht nicht so viel auf Tipps zu hören. Manchmal wirkt es so, als gäbe es so viele Meinungen und Ideen, was wann wo wie gemacht werden muss, wie Leute in diesem Business. Das Scheitern wird oft vergessen und der Erfolg erst im Nachhinein als kohärente Story erzählt.

Wie sehen Ihre Pläne für 2018 aus?

Tents: Wir arbeiten gerade an einem Video, das noch vor dem Sommer fertig werden soll. Dann spielen wir einige Festivals und Zeit fürs Studio wollen wir auch freiräumen, um am nächsten Album zu arbeiten. Im Herbst gehen wir auf Tour und wenn alles nach Plan läuft und sich niemand kurzfristig dazu entscheidet, doch noch das Studium zu beenden, gibt’s im Winter auch schon neue Musik. 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Anne-Marie Darok

Tents live
29.06. DAWN @ Rockhouse, Salzburg
17.08. Rostfest, Eisenerz
31.08. Sonograph Festival @ OKH, Vöcklabruck

Links:
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Numavi Records