:aexattack (c) Katharina Maria Schaffer

„Vielleicht sind wir die ärgste Noise-Gitarrenband, die es in dieser Szene zurzeit gibt“ – :AEXATTACK im mica-Interview

Seit dem ersten :AEXATTACK -Album „Stay Young“ (2015) ist viel passiert, wie die Band Jürgen Plank erzählt hat: :AEXATTACK haben als Support von WANDA gespielt, intensiv am neuen Album „Level 7“ (Ink Music) gearbeitet und sich musikalisch erweitert: anno 2019 ist auch ein Synthesizer mit an Bord.

Was hat sich seit der ersten Platte getan, wie waren die Jahre zwischen den beiden Alben?

Axl Vers: Sie haben sich wie eine halbe Ewigkeit angefühlt, obwohl sehr viel passiert ist. Aber gut Ding braucht Weile und Vorfreude ist beim Produzieren eine sehr schöne Freude. Wir haben uns mit dem neuen Material Zeit gelassen.

Mit der ersten Platte ist es für euch ziemlich gut gelaufen, soweit ich das beobachten konnte. Was hat sich alles ergeben?

Halley Schwab: Generell, dass wir Radio-Airplay auf FM4 bekommen haben, das war eine tolle Erfahrung. Wir konnten Konzerte spielen, ein Highlight waren sicher die Shows von Wanda, bei denen wir als Support dabei waren.

Axl Vers: Resonanz des Publikums ist natürlich das Schönste. Auf der Bühne zu stehen und überhaupt vor Menschen performen zu können, bringt uns persönlich weiter, denn das ist das ehrlichste Feedback, das man kriegen kann.

Wie sind die Konzerte mit Wanda zustande gekommen und wie viele Konzerte waren das?

Axl Vers: Man kennt sich.

Halley Schwab: Es waren zwei Konzerte in Innsbruck und in Klagenfurt.

:aexattack (c) Katharina Maria Schaffer

Bands stecken oft viel Arbeit in das erste Album. Habt ihr beim zweiten Album einen Unterschied beim Arbeitsprozess bemerkt?

Axl Vers: Wir haben beide Alben selbst produziert und aufgenommen. Das heißt, es war schon beim ersten Album Learning by Doing und ein Sprung ins kalte Wasser. Das war beim zweiten Album auch so. Es war schön, die Geräte zu beherrschen und das Instrument bestmöglich für den Sound der Band klingen zu lassen. Mit mehr Erfahrung haben wir das jetzt mehr ausgereizt und wir haben uns im Spielwitz wiedergefunden. Das Mischen und das Mastering haben wir dieses Mal abgegeben, und das war für uns noch einmal eine neue Erfahrung.

„Wir könnten auch eine Basketballmannschaft sein, wenn wir das Spiel beherrschen würden“

Ihr habt mir beim ersten Album erzählt, dass es für euch wichtig ist, gemeinsam – als Freunde – auf eine Bühne zu steigen. Hat sich dieser Zusammenhalt inzwischen verdichtet? 

Halley Schwab: Wir hängen viel miteinander ab und kennen einander wirklich gut. Wir sind Freunde und wenn wir Konzerte miteinander spielen, ist das umso schöner. Natürlich streitet man auch. Es ist ganz normal, dass man während eines Arbeitsprozesses streitet. Wenn man miteinander unterwegs ist, verdichtet sich dieses Miteinandersein sicher. Es ist eine ganz andere Energie, wenn man versucht, die Welt auf der Bühne miteinander an sich zu reißen.

Axl Vers: Wir sind fünf Jungs und es ist egal, was wir miteinander machen. Wir könnten auch eine Basketballmannschaft sein, wenn wir das Spiel beherrschen würden. Die Musik ist das Einzige, das wir können. Vielleicht sind wir die ärgste Noise-Gitarrenband, die es in dieser Szene zurzeit gibt. Miteinander auf die Bühne zu gehen, schweißt natürlich noch mehr zusammen.

Wie seht ihr eure musikalische Entwicklung?

Halley Schwab: Wir haben einen Synthesizer gekauft, auch weil der gerade sehr billig war und wir haben den in unseren Sound eingebaut.

Axl Vers: Natürlich sind es wesentliche Entscheidungen, wie man die Musik instrumentiert. Aber genau das war ein Schritt in unserer Entwicklung: für andere Instrumente offen zu sein. Und wenn das Ding verzerrt gut klingt, dann kann man es gut einsetzen. So ein Synthesizer ist schon mächtig und macht Spaß.

:aexattack (c) Katharina Maria Schaffer

Inwieweit holt ihr euch im Laufe des Produktionsprozesses eines Albums Rückmeldungen von Fans oder Freundinnen und Freunden?

Axl Vers: Wenn man neue Songs macht, ist es natürlich mal die Band selbst, die reflektiert. Meistens weiß jeder von Anfang an schon ungefähr, wohin die Reise mit diesem einen Riff geht. Das ist schon mal das erste Feedback, auf das wir vertrauen. Unser ganzes Umfeld, unsere Bekannten und Verwandten sind alle Musikerinnen und Musiker, denen spielen wir die Songs vor und wir reden darüber. Das bleibt im Freundeskreis und auf diese Rückmeldungen vertrauen wir.

„Es gibt Szenen, die wir Wert schätzen und mehr als nur abfeiern“

Ihr singt auf Englisch und könnt dadurch weltweit verstanden werden. Außerdem kann man heute dank Streaming Menschen auf der ganzen Welt erreichen.

Axl Vers: Es passieren durch das Streaming interessante Dinge, weil die Menschen inzwischen ganz anders Musik konsumieren als noch vor zehn Jahren. Es ist natürlich wunderschön, dass die Musik diese Reichweite hat. Der Kontakt passiert auch zum Teil übers Radio, da haben wir Feedback aus englischsprachigen Regionen. Dorthin wollen wir unsere Musik auch treiben. Es gibt Szenen, die wir wertschätzen und mehr als nur abfeiern.

In welchen Ländern oder Regionen seid ihr präsent?

Axl Vers: An der Westküste der USA, in Polen, Deutschland und Österreich. Auch in England, in den Niederlanden, überhaupt in den Benelux-Ländern. Wir haben unser eigenes Label und haben das neue Album gemeinsam mit „Ink Music“ veröffentlicht. Man versucht natürlich, die Reichweite zu erhöhen. Da sitzt man dann halt wochenlang und schickt die Musik an Radiostationen und tatsächlich kommen dann auch Antworten und die Musik läuft im Radio. Man denkt sich am Ende des Tages: „Cool, die Musik findet Anklang.“ Social Media und Spotify beginnen sich dann in diesen Ländern auch zu bewegen und man merkt, dass es dort anscheinend eine Szene gibt, die auf unsere Art von Musik steht.

Ihr habt ein aufwendiges Video zum Lied „Sample Paranoid“ gedreht.

Axl Vers: Im Lied geht es um Herausforderungen, die auf einen zukommen. Man fragt sich, warum das so ist. Es geht um die Paranoia vor der Wiederholung und auch um unsere Generation mit der Krankheit Burn-out, die da irgendwie daherkommt. Dieses Thema wollten wir im Video durch die Illusion der Leute im Auto zeigen. Es geht um Leute im Jahr 2019, die nicht immer genau wissen, wo links und rechts ist.

„Mit den Jungs Musik zu machen, ist für mich das Paradies“

Ein Lied auf der neuen Platte heißt „Paradise“ – was könnte für dich das Paradies sein?

Halley Schwab: Im Paradies ist alles so, wie es sein soll. Ich glaube, dem jagt man immer hinterher. Mit den Jungs Musik zu machen, ist für mich das Paradies.

Axl Vers: Es kann, glaube ich, alles sein. Es gibt vielleicht faule Menschen, die die Welt deshalb am schönsten finden. Und es gibt fleißige Menschen, die ständig arbeiten und für die das das Paradies ist. Der Song meint genau das.

Ihr habt vorhin über Szenen gesprochen, die sich für eure Musik interessieren beziehungsweise in denen ihr gerne wahrgenommen werden möchtet. Wenn ihr euch zeitlich und räumlich beamen könntet – an welchen Ort oder in welche Szene würdet ihr euch beamen?

Axl Vers: 2061, auf den Mond – dort könnte voll arger Space-Rock abgehen. Wir wissen es nur noch nicht! Im Jahr 2061 kommt der Halley’sche Komet wieder, das geht sich für uns noch aus, das zu erleben.

Und in die Vergangenheit gedacht?

Axl Vers: Wenn man von der Vergangenheit redet, feiere ich alle Jahrzehnte irgendwo ab. Es gibt für mich kein Jahrzehnt, über das ich sagen würde, dass es schrecklich war. Ich finde sogar das Hier und Jetzt total spannend und interessant, weil es immer irgendwo eine Evolution gibt. Und trotzdem verwendet man noch die gleichen Mikrofone wie damals im Abbey Road Studio.

Was war ein Banderlebnis, das ihr für immer mit :aexattack verbinden werdet?

Halley Schwab: Jedes Mal, wenn wir unterwegs sind, passieren lustige Sachen.

Axl Vers: Wir haben im Weekender in Innsbruck gespielt. Es das war die letzte Show zum ersten Album und wir haben Spaß gehabt. Unser Bassist hat aber so viel Spaß gehabt, dass er irgendwann ins Bett gehen musste. Wir haben uns ein großes Wohnzimmer mit ganz vielen Betten geteilt und er ist schlafen gegangen – mit dem Schlüssel. Später haben wir ihn nicht erreicht und konnten nicht ins Zimmer. Wir sind in eine Bar gegangen und haben dort eine total nette Frau kennengelernt, die bei unserem Konzert gewesen ist. Sie hat uns alle mit zu sich nach Hause genommen und wir haben circa drei Stunden auf ihrer Couch schlafen können. Davon gibt es sogar ein Foto, acht Typen auf einer Couch!

Und euer Bassist?

Halley Schwab: Der hat uns in der Früh angerufen und gesagt: „Sorry, Jungs, aber ich habe das Handy wirklich nicht gehört!“

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Jürgen Plank

 

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