Vesselsky // Kühn (c) Jürgen Berger

VESSELSKY // KÜHN – „wauns amoi so aufaungt“

So schmackhaft wie ein Cuvée ist auch die neueste Zusammenarbeit von Singer-Songwriterin IRMIE VESSELSKY und Mundart-Künstler WOLFGANG KÜHN: Auf „wauns amoi so aufaungt“ (Donauwalzer Records), dem ersten gemeinsamen Album, vereinen sich zarte Melodien mit rauem Waldviertler Dialekt und werden von stimmlichen Kontrasten untermalt.

Sie sind so unterschiedlich, wie sie kaum sein könnten: zarte versus raue Stimme, Englisch versus Mundart – und doch passen sie zusammen, als wäre es das Natürlichste der Welt. Beide verlassen ihre Komfortzone und begeben sich in den unbekannten Bereich des jeweils anderen: Das Resultat spricht für sich selbst.  Seit 2015 arbeiten die Sängerin Irmie Vesselsky und der Mundartpoet Wolfgang Kühn an einem gemeinsamen Projekt, der rohe Waldviertler Charme vermischt sich mit der weichen Stimme und so entsteht ein gefühlvolles Werk mit Ecken und Kanten, aber auch voller Harmonie.

„I wü ned besser sein, I wü nua sein“

Das Album steigt ein mit dem Lied „Woidviertel am Meer“, das das traumhafte Leben in einem Waldviertel, das, wie der Titel schon sagt, am Meer liegt, beschreibt. Der Track verdeutlicht auf ganz besondere Weise die Welt der endlosen Träume: Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht, aber im Traum gibt es alles. „Im Kölla“, das darauffolgende Lied, beginnt mit einem Sprechgesang von Wolfgang Kühn, der die ZuhörerInnen mit einer Erzählung über die Geschehnisse in seinem Keller fesselt. In diesem Keller darf man noch all das tun, was sonst schon verboten ist. Die instrumentale Begleitung ist dezent, aber unterstützt die Stimme sehr gut. Es folgt ein sehr melancholischer Track mit dem Titel „Da Neid is ka Guada“, der sofort Gänsehaut verursacht. Die Streicher gemeinsam mit dem Piano versetzen das Publikum in eine traurige Stimmung, die Melodie fließt dahin wie ein Bach, steigert die Stimmung niemals, sondern bleibt ruhig und gelassen.

Die Stimmung steigt erst wieder mit der sechsten Nummer des Albums, die etwas mehr Hoffnung in sich trägt als die Nummern davor. Eigentlich ist sie mehr geheimnis- als hoffnungsvoll und außerdem ist sie bilingual, auf Deutsch und Englisch. Diese Mischung ist wahnsinnig reizvoll, zumal man nur äußerst selten Lieder hört, die zweisprachige Texte beinhalten. Auch der Song danach ist etwas fröhlicher, wenn auch immer noch sehr ruhig und langsam – was aber irgendwie den Charme des ganzen Albums ausmacht. Sogar fast tanzbar ist „Wöd ohne Hengl“, eine der letzten Nummern der CD: Es geht um das Wohlfühlen, ganz im Sinne des Themas werden Bläser eingesetzt, die Drums stechen mehr hervor und die Stimmung steigt augenblicklich. Abermals hört man Wolfgang Kühn sprechen, was der Nummer ein etwas rustikales Flair verschafft. Das Album schließt mit einem melancholischen, langsamen Lied, das auf Englisch und Deutsch gesungen bzw. gesprochen wird. Obwohl die Stimmung eigentlich voller Hoffnung ist, überkommt die Zuhörenden doch ein wehmütiges Gefühl – wahrscheinlich auch weil das Ende der CD in Sicht ist.

VESSELSKY // KÜHN (KüVe) ist eine Kollaboration, die mit diesem Werk bewiesen hat, dass sich Gegensätze nicht immer abstoßen, sondern sich auch wunderbar ergänzen können. Wer gerne Cuvée schlürfen und dabei KüVe sehen und hören möchte, kann dies bei der Release-Party am 26. November 2016 im Arkadensaal Langenlois in Niederösterreich oder am 21. März 2017 in der Sargfabrik in Wien tun.

Antonia Seierl

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