Porträt: Mono&Nikitaman

Als sich Monika Jaksch und Nick Tilstra einander im süditalienischen Salento kennenlernten, war ihnen von Anfang an klar, dass sie gemeinsam Musik machen würden. Die beiden Musiker, die als Mono&Nikitaman seit Jahren ein Monopol auf deutschsprachigen Dancehall-Punk haben, sind das mit der großen Musikkarriere ziemlich locker angegangen.

Beide waren schon zuvor als vielseitige Musiker und Künstler in der Weltgeschichte unterwegs gewesen. Mono hatte als gebürtige Linzerin an der Kunstuniversität studiert und für ein Filmprojekt lebte sie eine Zeit lang in Bristol und San Francisco. In dem Jahr als sie auf Nikitaman traf, tourte sie gerade mit dem oberösterreichischem Soundsystem Soundsgood als DJane und Sängerin. Nikitaman wiederum war in Düsseldorf großgeworden wo er  durch die durch Hausbesetzer-Szene auf Punk stieß. Durch afrikanische Musikerkollegen lernte er schließlich Reggae und Dancehall kennen, und machte diese Genres zu seinem persönlichen Steckenpferd. Und so kam es dann, dass sie beide Anfang der 2000er mit ihren Soundsystemen in Salento aufeinander trafen.

Aus der ersten Begegnung wurde sogleich ein gemeinsamer Auftritt. Man lobte die beiden für die Harmonie ihrer Stimmen und Mono sang 2002 sogar auf Nikitamans EP „Ahh…Loco…?“ auf den meisten Tracks mit. Sie beschlossen es gemeinsam zu versuchen, obwohl es für beide ein Zurückstecken der eigenen Freiheit bedeutete, wie es Mono in einem Interview des Reggae-Magazins BigUp! beschrieb.

Bei ihrem Debüt 2004 half besonders Teka von Rootdown mit, der die Riddims produzierte und auch auf den kommenden Alben ließen sie diese fremd produzieren. In einem Reggae-Track ist der „Riddim“ das zentrale Instrumentalstück, über das gesungen wird. Obwohl ihr Stil sich von Anfang sehr stark am Reggae bediente, fanden sie aber ihren eigenen Zugang zu der Musik. Ihre Mischung aus Ragga-Dancehall und Hip Hop war schon auf ihrer ersten Platte „Das Spiel beginnt“ ein ziemlicher Erfolg. Dass die beiden bis heute durchgehend auf Deutsch gerappt und gesungen haben, kann ihnen als Indie-Bonuspunkt verbucht werden. Independent kann man hier getrost als das was es ist, ergo Unabhängigkeit vom großen Musikbusinness, betrachten, schließlich können M&N frei von einem Major Label produzieren.

Schon 2006 folgte der zweite Longplayer „Für immer“, bei dem vor allem Flip von Texta mitgeholfen hat. Neben den gewohnten Tracks zum Partymachen, wurden auch kritische Texte mit einer Prise Lässigkeit nicht ausgelassen. Bald darauf sprachen sich die energiegeladenen Auftritte des Duos rum und sie avancierten sich zu einer der gefragtesten Live-Bands. Man buchte M&N für größere Festivals wie dem Chiemsee Reggae Summer oder das Frequency, natürlich immer als Co-, oder Headliner. Zur Unterstützung wurden immer wieder namhafte Musiker wie Gentleman oder House of Riddim dazu geholt.

Den Abstand von zwei Jahren zwischen den Alben fortsetzend, kam „Außer Kontrolle“ gut gelaunt in die Palttenläden. M&N brachte dieses dritte Werk nicht nur eine Nominierung für den Amadeus Award, sondern auch Platz 15 in den österreichischen Album-Charts. Neben ihrer Tour, standen sie 2009 bei der Großdemonstration Freiheit statt Angst in Berlin auf der Bühne.

Für die Produktion von „Unter Freunden“ waren sie gemeinsam in der Heimat des Reggaes, in Kingston, Jamaika und trafen dort nicht nur auf Shaggys Produzenten Robert Livingston, sondern auch auf Gambias größten Ragga-Export Rebellion The Recaller und Produzent Stephen McGregor, der ihnen einen Bad People Riddim beisteuerte. Mit neuen Erfahrungen im Gepäck, arbeiteten sie wieder in Deutschland angekommen mit Gentleman und natürlich Teka zusammen.

Mono&Nikitaman liefern seit zehn Jahren Ohrwürmer, und sind selbst Nicht-Reggae-Fans ein Begriff. Vor allem in Österreich sind sie Superstars. Warum das so ist, erklärten sich die beiden laut einem BigUp! -Interview so, dass die Szene in Österreich viel freier und offener ist, als in Deutschland. Und da dort selbst das Genre Reggae von den Majors hart umkämpft wird, ist es einfacher im Land der Berge mit diesem Konzept bekannt zu werden. Die beiden leben trotzdem in Berlin. Auf der einen Seite um in der pulsierenden Großstadt viel Input für neuen Output zu scheffeln, auf der anderen Seite, weil ihnen das Erkanntwerden auf den Straßen Wiens zu viel geworden ist.

Heuer haben sie ihre erste Live CD&DVD veröffentlicht, für alle die auf keinem der berüchtigten Konzerte dabei sein konnten. Von ihren vier Alben haben sie nur die besten raus gepickt, und die Wiener Arena zum Toben gebracht. Jetzt gönnt das ungleiche Pärchen eine Schaffenspause um bald wieder mit der gewohnten Leichtigkeit auf dem Indie-Radar aufzutauchen.
Anne-Marie Darok

Termine:

19.10. ((Stereo)), Klagenfurt (AT)
20.10. Posthof, Linz (AT)
23.10. Campus Event, Ilmenau (DE)
24.10. Lido, Berlin (DE)
25.10. Knust, Hamburg (DE)
26.10. Skaters Palace, Münster (DE)
27.10. Zakk, Düsseldorf (DE)
28.10. Neue Kantine, Augsburg (DE)
29.10. Alte Mälzerei, Regensburg (DE)
30.10. Kulturladen, Konstanz (DE)
31.10. E-Werk, Erlangen (DE)
01.11. Werk 2, Leipzig (DE)
02.11. Colos Saal, Aschaffenburg (DE)
03.11. Zapata, Stuttgart (DE)
08.11. Backstage, München (DE)
09.11. Kaminwerk, Memmingen (DE)
10.11. Rude7, Mannheim (DE)
23.11. WUK, Wien (AT)
24.11. Treibhaus, Innsbruch (AT)

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Mono Nikitaman