
Klemens Marktl wurde 1976 in Klagenfurt geboren und erhielt bereits im Alter von sechs Jahren klassischen Klavierunterricht. Es zeichnete sich jedoch sehr rasch ab, dass das Klavier nicht jenes Instrument seiner Wahl werden sollte. So wechselte er zu Beginn seiner Sturm und Drang Phase – oder auch Pubertät genannt – zum Schlagzeug, dass seither seine gesamte weitere musikalische Laufbahn bestimmen sollte. Die Aufnahme an das Konservatorium in Klagenfurt war nur mehr Formsache, gefolgt von Studienaufenthalten in Den Haag und Amsterdam. Den wohl prägendsten Feinschliff holte sich Marktl jedoch in New York City, der Stadt der Städte – zumindest was den Jazz anbelangt – bei einigen der größten Namen des Modern Jazz Drummings. Zu seinen Lehrern zählten keine geringeren als u.a. Carl Allen, der zu den wichtigsten Schlagzeugern des Neobop zu zählen ist und stark von Art Blakey und Elvin Jones beeinflusst wurde, Ralph Peterson Jr., der u.a. bei „Art Blakey‘s Jazz Messengers“ spielte, Ari Hoenig, der mit seiner sehr intensiven und präsenten Spielweise stark an Elvin Jones, Tony Williams und Jack DeJohnette erinnert, Gregory Hutchinson, der mit starken Anklängen an Roy Haynes und Philly Jo Jones aufwarten lässt und laut dem „Jazz Magazine“ zum besten „Drummer seiner Generation“ zählt oder der weltweit angesehene Musikpädagoge und Schlagzeuger John Riley. Bereits an dieser Auswahl an hochkarätigen Mentoren lässt sich Klemens Marktl’s einschlägige Stilprägung erkennen, die wie bereits erwähnt stark im Bereich des Modern Jazz und Neobop verankert ist. Und natürlich, wie kann es anders sein, spielt Klemens Marktl zu allem Überfluss auch noch „Gretsch“, eine der wohl traditionsreichsten Schlagzeugmarken der Welt.
Nach Abschluss seiner „Lehrjahre“ verschlug es Marktl zunächst ab 1997 für sechs Jahre in die Niederlande, wo er sich nach und nach als Schlagzeuger und Bandleader einen Namen in der internationalen Jazzszene zu erarbeiten begann. Dieser Prozess kulminierte schließlich in zwei Ereignissen, die auch das Ende seines Aufenthalts in den Niederlanden einläuteten. Einerseits der 1. Preis des „Leiden Jazz Award“ 2001, sowie die anschließende Aufnahme seines Debütalbums „The Challenge“ 2003 zusammen mit Michael Erian (Saxophon), Bob Wijnen (Piano, Feder Rhodes), Jeroen Vierdag (Bass) und Special Guest Jasper Blom (Saxophon). Noch im Jänner 2003 übersiedelte Klemens Marktl nach New York City, wo er rasch Teil der aufstrebenden Jazzelite rund um Vincent Herring, Rob Bargad, John Swana, Waldron Riks, Mark Rapp usw. wurde. Gemeinsam mit Chris Cheek (Saxophon), Aaron Goldberg (Piano) und Matt Penman (Bass) gründete Marktl zu dieser Zeit auch ein eigenes Quartett mit dem er 2004 seine zweite CD „Ocean Avenue“ veröffentlichte. Mit Ende 2004 zog es Klemens Marktl aber wieder in seine Heimat, wobei als Schaffenszentrum Wien auserkoren wurde. Von hier aus drückt er seither als Sideman und Bandleader der nationalen wie internationalen Jazzszene einen unverkennbaren Stempel auf.
Beachtenswert an Klemens Marktl’s Projekten – mit denen er die bekanntesten Jazzclubs Europas unsicher macht – ist die extrem hohe Dichte an internationalen MitmusikerInnen, deren Kontakte er während seiner langjährigen Auslandsaufenthalte diesseits und jenseits des großen Teichs geknüpft hatte. Dazu zählen u.a. die Formationen „Drums & Keys“ mit Rob Bargad (Piano, Hammond Orgel), Renato Chicco (Piano, Hammond Orgel) und Erwin Schmidt (Piano, Hammond Orgel), das „Klemens Marktl Quartett“ mit Johannes Enders bzw. Michael Erian (Saxophon), Peter Madsen (Piano) und Milan Nikolic (Bass) – mit dem 2008 auch Klemens Marktl’s dritte CD „Free Spirit“ live im Porgy & Bess in Wien aufgenommen wurde – sowie das „Klemens Marktl Sextett“ mit Andy Middleton (Saxophon), Johannes Herrlich bzw. Adrian Mears (Posaune), Flip Philip (Vibraphon), Demian Cabaud (Bass) und Luis Ribeiro (Percussion). Darüber hinaus lässt Marktl immer wieder mit weiteren spannenden Projekten als Co-Leader wie u.a. „Johnson 3!“ mit Michael Erian und Rob Bargad, „Organic Mode“ mit John Swana (Trompete), Herwig Gradischnig (Saxophon) und Rob Bargad oder „NY-Explosion“ mit Joe Locke (Vibraphon), Andy Middleton (Saxophon) und Michael Janisch (Bass) aufhorchen. Eine der aktuellsten Bands ist dabei die „Flip Philip / Klemens Marktl Constellation“ mit der auch 2011 die CD „Open Sea“ veröffentlicht wurde. Die Liste der weiteren Kooperationspartner ist beeindruckend, wobei hier nur ein paar wenige aufgezählt werden: Kenny Werner, George Garzone, Marc Abrams, Barry Harris, Harry Sokal, Oliver Kent, Jure Pukl, Martin Reiter, uva.
Neben seinen musikalischen Tätigkeiten ist der 2006 für den Hans Koller Preis in der Kategorie „Sideman of the Year“ nominierte Musiker, Arrangeur und Komponist ein gefragter Pädagoge. So ist Klemens Marktl Dozent am Institut für Kultur-, Literatur- und Musikwissenschaft (KLM) an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt sowie am Vienna Music Institute (VMI) und leitet diverse Workshops wie u.a. den „Poysdorf Jazz & Wine Summer“.
Klemens Marktl zählt ohne Zweifel zu einem der wichtigsten europäischen Schlagzeuger der jüngeren Generation und bietet mit seinen international besetzten Projekten die einzigartige Möglichkeit, erstklassigen Modern Jazz New Yorker Prägung hautnah zu erleben. Also, wer sich die Reise ins Blue Note in New York City ersparen möchte – und dabei noch einiges an Konsumation – sollte sich diesen Hip Cat auf keinen Fall entgehen lassen.
Georg Demcisin
http://www.klemensmarktl.com