Die POPFEST WIEN SESSIONS, ein zweitägiges Diskussionsprogramm im Rahmen des Popfest Wien 2025, widmen sich den Rahmenbedingungen des aktuellen Popschaffens.
Das Popfest bietet in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Musikinformationszentrum mica – music austria seinen Besucher:innen alljährlich ein Forum, um Aspekte des Musiklebens zu beleuchten. Am Freitag den 25. Juli und am Samstag den 26. Juli 2025 finden die Popfest Sessions bei freiem Eintritt im Wien Museum statt.
Diskursiv und konstruktiv-kritisch sollen auch die wirtschaftlichen Bedingungen mit denen Musikschaffende zu kämpfen haben in den Popfest Sessions beleuchtet werden. Vertreter:innen der österreichischen und internationalen Musikindustrie, Musikjournalist:innen und –Kritiker:innen, Veranstalter:innen und Musikschaffende thematisieren die ästhetischen Dimensionen, die wirtschaftlichen Potenziale und Risiken einer sich rasant wandelnden Branche in Diskussionsrunden und Gesprächen.
Alle Talks, Touren und Workshops sind frei zugänglich.
Popfest Wien 2025 >> Sessions PROGRAMM
Freitag, 25. Juli | Wien Museum
14:30 Tour: Wien Popkultour
Tourguide: Geri Hollerer
Treffpunkt im Foyer des Wien Museums
Anmeldung unter popkultour@popfest.at
Es brauchte immer schon die „Zuagraasten“, um den Wiener:innen ihre Stadt zu erklären, die sie eigentlich nicht verdienen. Einer von ihnen ist Geri Hollerer, leidenschaftlicher Wiener geboren in Bruck an der Mur, DJ, Podcaster („Wödscheim“), FM4-Mitarbeiter, vor allem aber obsessiver Pop-Lokalhistoriker, der auf seinen chronisch ausgebuchten Walking Tours zum Thema Wiener Popkultur die verborgene Geschichte der Stadt viertel- und bezirksweise sichtbar macht. Für das Popfest wird er die Gegend um den Karlsplatz bewandern.
Seine Mission umrissen in Hollerers eigenen Worten: „Lange Zeit wurden wichtige pop- und subkulturelle Ereignisse der österreichischen Musikgeschichtsschreibung ignoriert bzw. sind sie über die Jahre hinweg in Vergessenheit geraten. Im Wien der 60er-, 70er-, 80er- und 90er-Jahre sei angeblich nix los gewesen. ‘Wien, du tote Stadt’ war vor knapp 50 Jahren der Leitsatz vieler Jugendlicher. Auch wenn sie damit nicht ganz unrecht hatten, denn im Vergleich zu Metropolen wie New York, London oder Berlin gab es in Wien tatsächlich wenig kulturelles Angebot für junge Menschen. Aber eben diese jungen Menschen waren es, die entgegen der Gesetzmäßigkeiten einer lokalen Musikindustrie und des Mainstreams in Eigenermächtigung zum Instrument bzw. zum Mikrofon griffen und mit rudimentären musikalischen Fähigkeiten und technischen Möglichkeiten großartige Tondokumente aufnahmen und somit für die Ewigkeit konserviert haben. Nun gilt es im Zuge der Wien PopkulTOUR diese spärlich dokumentierte Geschichte zu erzählen und unter die Leute zu bringen. Wien war und ist viel mehr als Falco, Mozart, Schubert & Wolfgang Ambros. Ich liefere euch den Beweis.“
16:00 Talk: Popkritik im Feed
Mit dem Niedergang klassischer Printformate geriet auch der Musik- und Kulturjournalismus in eine schwere Krise. Redaktionen wurden verkleinert, Magazine eingestellt, ganze Berufsbilder verschwanden – Pop- und Musikkritik verlor zunehmend an Sichtbarkeit. Oder – befinden wir uns vielleicht schon im „Danach“? Haben Podcasts, Streams und YouTube-Essays dem ohnehin längst stärker von Meinungen als von Fakten geprägten Kulturjournalismus neues Leben eingehaucht? Und ihn zugleich von seinem elitären Image befreit? Und wenn das so ist: Was bedeutet „Kritik“ heute noch, wenn Algorithmen, Likes und Kommentare darüber entscheiden, was relevant ist?
Am Podium: Anna Mayrhauser, Lea Neckel, Shilla Strelka, Aleksandra Timofeeva
Moderation: Martin Schüler
Anna Mayrhauser ist Journalistin und hat in Wien und Berlin Vergleichende Literaturwissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Kulturjournalismus studiert. Von 2016 bis 2023 war sie Redakteurin beim Missy Magazine, fünf Jahre davon als Chefredakteurin. Danach hat sie das Onlinemagazin tag eins mitbegründet und zwei Jahre lang die Redaktion geleitet. In ihren Texten beschäftigt sie sich gerne mit Kultur, Gesellschaft, Literatur, Film, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. 2019 hat sie gemeinsam mit Sonja Eismann die Anthologie Freie Stücke herausgegeben, zuletzt erschien ein Beitrag von ihr in der Anthologie Fickt euch! Sex, Körper und Feminismus, herausgegeben von der Missy-Redaktion.
Lea Neckel, online bekannt als 69lean666, ist eine österreichische Künstlerin mit einer transmedialen Praxis, die auch Social Media – vor allem TikTok–beinhaltet. Sie beschäftigt sich in ihrem Content mit popkulturell relevanten Themen sowie der Dokumentation ihres Lebens und verknüpft dieses mit ihrer künstlerischen Arbeit und dem Versuch, ein feministisches Utopia zu kreieren. Sie studiert an der Universität für angewandte Kunst unter Jakob Lena Knebel Transmediale Kunst.
Martin Schüler wird 1997 in den Süden Thüringens hineingeboren. Zwanzig Jahre darauf lässt ein Praktikum beim Dresdner Kulturmagazin den Berufswunsch Journalist aufkeimen. In Berlin volontiert er von 2021 bis 2023 an der Axel Springer Akademie, das Handwerk lehren ihn die Redaktionen des Musikexpress und Rolling Stone. Seit seinem Abschluss schreibt er als freier Autor für den Musikexpress sowie das Feuilleton der Berliner Zeitung – besonders verschlungene Portraits und literarische Reportagen faszinieren ihn. Nebenher interviewt er für sein eigenes Online-Magazin „Gusto – Ablass für Massenkultur“ Persönlichkeiten aus verschiedenen Feldern der Popkultur.
Shilla Strelka ist Festival-Kuratorin, Konzertveranstalterin, Dozentin und Journalistin mit Sitz in Wien. Sie studierte Digitale Medien an der Akademie der bildenden Künste Wien und schloss ihr Studium in Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Philosophie, Kunstgeschichte und Deutscher Literatur ab. Ihre kuratorische Praxis konzentriert sich auf klangliche Experimente und dissidente musikalische Ausdrucksformen. Ihr Forschungsansatz dreht sich um Konzepte postfundamentaler (klanglicher) Gemeinschaften und einer Politik der Ästhetik. Strelka gründete 2012 die Konzertreihe Struma+Iodine. Seit 2015 ist sie künstlerische Leiterin und Organisatorin des Unsafe+Sounds Festivals. Sie unterrichtet an der Fachhochschule Salzburg und gelegentlich als Gastdozentin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Zudem kuratiert sie den Klangraum Krems Minoritenkirche und ist Teil des Kuratorenteams des Elevate Festivals in Graz.
Aleksandra Timofeeva ist eine in Wien lebende russische Designerin und Art Director. Gemeinsam mit dem Journalisten Dávid Gajdos gründete sie Bohema, ein Online-Kulturmagazin, das von einer jungen Redaktion und einem Netzwerk junger Autor:innen gestaltet wird. Neben ihrer digitalen Arbeit beschäftigt sie sich auch mit Printmedien und ist Teil des Teams des Fleisch-Magazins (Wald Verlag).
Samstag, 26. Juli | Wien Museum
14:00 Styling Workshop w/Engelord
„Wie du deinen Style auf das nächste Level bringst (und auf den Mond fetzt)“
Nur mit ANMELDUNG unter: workshops (at) popfest.at (Die Teilnahme ist kostenlos)
In einem Workshop erklärt Engelord, wie du deine Persönlichkeit durch Mode, und Mode durch deine Persönlichkeit individuell entwickeln kannst.
Engelord ist ein erfahrener Influencer mit über 19 Jahren Expertise in den Bereichen Fashion und Persönlichkeitsentwicklung. Mit einem einzigartigen Gespür für Stil und einem tiefen Verständnis für individuelle Entfaltung inspiriert er seine Community täglich, über sich hinauszuwachsen – sowohl äußerlich als auch innerlich. Seine Inhalte verbinden modische Ausdruckskraft mit tiefgründiger Selbsterkenntnis und machen ihn zu einer authentischen Stimme in der digitalen Welt.
14:30 Tour: Wien Popkultour
Tourguide: Geri Hollerer
Treffpunkt im Foyer des Wien Museums
Anmeldung unter popkultour@popfest.at
Es brauchte immer schon die „Zuagraasten“, um den Wiener:innen ihre Stadt zu erklären, die sie eigentlich nicht verdienen. Einer von ihnen ist Geri Hollerer, leidenschaftlicher Wiener geboren in Bruck an der Mur, DJ, Podcaster („Wödscheim“), FM4-Mitarbeiter, vor allem aber obsessiver Pop-Lokalhistoriker, der auf seinen chronisch ausgebuchten Walking Tours zum Thema Wiener Popkultur die verborgene Geschichte der Stadt viertel- und bezirksweise sichtbar macht. Für das Popfest wird er die Gegend um den Karlsplatz bewandern.
Seine Mission umrissen in Hollerers eigenen Worten: „Lange Zeit wurden wichtige pop- und subkulturelle Ereignisse der österreichischen Musikgeschichtsschreibung ignoriert bzw. sind sie über die Jahre hinweg in Vergessenheit geraten. Im Wien der 60er-, 70er-, 80er- und 90er-Jahre sei angeblich nix los gewesen. ‘Wien, du tote Stadt’ war vor knapp 50 Jahren der Leitsatz vieler Jugendlicher. Auch wenn sie damit nicht ganz unrecht hatten, denn im Vergleich zu Metropolen wie New York, London oder Berlin gab es in Wien tatsächlich wenig kulturelles Angebot für junge Menschen. Aber eben diese jungen Menschen waren es, die entgegen der Gesetzmäßigkeiten einer lokalen Musikindustrie und des Mainstreams in Eigenermächtigung zum Instrument bzw. zum Mikrofon griffen und mit rudimentären musikalischen Fähigkeiten und technischen Möglichkeiten großartige Tondokumente aufnahmen und somit für die Ewigkeit konserviert haben. Nun gilt es im Zuge der Wien PopkulTOUR diese spärlich dokumentierten Geschichte zu erzählen und unter die Leute zu bringen. Wien war und ist viel mehr als Falco, Mozart, Schubert & Wolfgang Ambros. Ich liefere euch den Beweis.“
16:00 Talk: Widerstand in der Filterbubble
Soziale Medien gelten seit geraumer Zeit nicht mehr als Demokratiebringer, sondern haben sich im vergangenen Jahrzehnt zunehmend zu Verstärker von gesellschaftlicher Spaltung entwickelt. Statt Partizipation und grenzenlosem Wissen bedeutet digitaler Raum zunehmend “Filterbubble”, algorithmisch verstärkte Empörung und gezielte Manipulation durch Fehlinformation. Was bleibt von der ursprünglichen Utopie des digitalen Raums? Welche Möglichkeiten gibt es im Netz, sich gegen Hass und Hetze einzusetzen – Sachlichen Diskurs zu fördern und in Zeiten eines globalen Rechtsrucks für ein humanistisches, politisches Miteinander einzustehen?
Am Podium: Mahdi Rahimi, Natascha Strobl, Alena Wacenovsky
Moderation: (Dr.) Ramón Reichert
Mahdi Rahimi ist in Wien geboren und hat Mathematik studiert. Er ist Teil des Hip Hop Lesekreis, beschäftigte sich mit Oligopolien und arbeitet derzeit im Bereich Entwicklungsökonomie.
Ramón Reichert (Dr.) lehrt und forscht am Institut für Kulturwissenschaften an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zuvor lehrte und forschte er in Basel, Berlin, Fribourg, Helsinki, Johannesburg, Lancaster, St. Gallen, Stockholm und Zürich und war viele Jahre EU-Projektkoordinator. Seit 2014 Redakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift Digital Culture & Society. Veröffentlichungen: Selfies. Selbstthematisierung in der digitalen Bildkultur (2023); Coding Covid-19: The Rise of the App-Society (2023); Networked Images in Surveillance Capitalism (2022); Politics of Metadata (2021); Sozialmaschine Facebook: Dialog über das Politisch Unverbindliche (2019).
Natascha Strobl: Die Politikwissenschaftlerin aus Wien forscht zu Rechtsextremismus, insbesondere der Neuen Rechten. Aktuelle Bücher sind „Radikalisierter Konservatismus“ (Suhrkamp, 2021), „Klassenkampf von oben“ (ÖGB Verlag, 2022), „Solidarität“ (Kremayr & Scheriau, 2023). Sie ist sowohl in sozialen Medien wie auch in Traditionsmedien präsent (u.a. Die Zeit, taz, Der Standard) Alena Wacenovsky ist Journalistin bei Die Chefredaktion. Sie ist 24 Jahre alt, in Wien geboren und aufgewachsen, hat Theater-, Film und Medienwissenschaften im Bachelor studiert und u.a. ein Praktikum bei der taz in Berlin absolviert. Seit die Chefredaktion 2021 gegründet wurde, ist sie sie dabei und beschäftigt sich in ihrer Arbeit damit, wie man junge Menschen auf Social Media mit Journalismus erreichen kann. Seit diesem Jahr setzt Die Chefredaktion außerdem einen Schwerpunkt auf den Medienkonsum junger Männer und Radikalisierung im digitalen Raum und versucht ein demokratieförderndes, journalistisches Gegenangebot auf TikTok, Instagram und Youtube zu schaffen.
Popfest Wien 2025 >> Sessions
Die Popfest Sessions werden präsentiert von der Wirtschaftsagentur Wien.
Eine Kooperation von mica – music austria und Popfest Wien. Organisation: Paul Buschnegg, Verena Haselböck, Franz Hergovich, Christoph Möderndorfer, Robert Rotifer

