Wer Gloria Amesbauer alias GLAM kennt, weiß: Ihre Musik entsteht abseits gängiger stilistischer Zuordnungen – das gilt auch für ihre neue EP „(SYEA) Look Into the Sun“, die sie gemeinsam mit Markus W. Schneider und Aras Levni Seyhan im Trio realisiert hat. Seit 2021 stehen die drei Musiker:innen – alle mit Wurzeln in der experimentellen und elektroakustischen Musik – gemeinsam auf der Bühne. Mit dieser Veröffentlichung präsentieren sie nun ein kompaktes, aber vielschichtiges Werk, das mit Energie und künstlerischer Klarheit überzeugt.
Die EP verzichtet bewusst auf klassische Songstrukturen. Statt Strophe und Refrain dominieren eigene dramaturgische Formen. Rock-Elemente treffen auf elektronische Flächen, flirrende Synths auf triphoppige Beats, verdichtete Klangräume auf eingängige Melodien. Dabei entstehen Arrangements, die komplex, aber nicht verkopft wirken – die den Hörer:innen Raum lassen, ohne an Ausdruckskraft zu verlieren.
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Im Zentrum stehen Amesbauers Stimme und Texte. Sie changiert zwischen leiser Intimität und expressiver Vehemenz. Die Songs sind ein Aufruf zur Handlung, eine Erinnerung an unsere Verantwortung füreinander: „Borders are illusions. No one is coming to save us.“ In Kombination mit Synths, Keys und Sampler formt sie – gemeinsam mit Seyhans Bass- und Elektronikarbeit und Schneiders Effekt- und Gitarrenspiel – eine dichte klangliche Struktur, die sich weniger über Genrezuweisungen als über Atmosphäre und Dynamik definiert.
Trotz – oder gerade wegen – ihrer Kürze entfaltet die EP eine ungewöhnliche Spannung. Jeder Track wirkt notwendig, jedes Detail durchdacht. Die Musik verlangt Aufmerksamkeit – und belohnt mit Tiefe, Vielschichtigkeit und einem eigenständigen Zugang zu experimenteller Popmusik.
Michael Ternai
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