Das Sonus Brass Ensemble präsentiert „MähTropolis“, die Geschichte von Fred, Albert und John
Mit Musiktheaterproduktionen wie „Die Blecharbeiter“, „Rocky Roccoco“ oder „Die Verblecherbande“ hat das Sonus Brass Ensemble eine große Erfolgsgeschichte geschrieben. Für seine Produktionen wurde das Blechbläserquintett 2004 mit dem „Find It“ Preis sowie 2010 mit dem europäischen „YEAH!-Award“ ausgezeichnet. Seit 2019 musiziert das Ensemble in der Besetzung mit den beiden Trompetern Stefan Dünser und Attila Krako, Zoltán Holb am Horn, Jan Ströhle an der Posaune und dem Tubisten Harald Schele.
Sämtliche Familienkonzertprogramme von Sonus Brass gründen in der quirligen Fantasie von Stefan Dünser. Er ist der Mastermind des Ensembles, erfindet und konzipiert die Programme und sucht nach Kooperationspartnern. Das neueste Projekt „MähTropolis“ wird im Juni im Programm der Bregenzer Festspiele gezeigt.
Drei Schafe büxen aus
Mut und Freude spielen in Stefan Dünsers Musiktheatern stets eine zentrale Rolle, und ebenso wichtig sind Träume und die Realisierung eigener Träume im realen Leben. „Die jungen Menschen sollen auch in herausfordernden Zeiten erfahren, was uns verbindet: Ein tiefes Grundvertrauen ins Leben, eine verzeihliche Einstellung zueinander und das ständige gemeinsame Suchen nach kreativen Lösungen unserer Probleme“, konkretisiert der Musiker seine Ausgangsgedanken.
In „MähTropolis“ erzählen die fünf Musiker die Geschichte von drei Schafen, einem Hütehund und einem Bauern. Die entdeckungslustigen Schafe wagen den Schritt in die Freiheit, büxen aus und erreichen schließlich ihren Sehnsuchtsort, die Stadt. Dort erleben sie mit Erstaunen die befremdlichen Lebensrealitäten der Menschen.
Eine Geschichte jenseits der Sprache
Inhaltlich lassen sich Parallelen zu den Musiktheaterproduktionen „Unterwegs in Umbidu“ oder „Vergissmeinnicht“ ziehen, die Stefan Dünser für sein zweites, ebenso erfolgreiches Ensemble „Die Schurken“ konzipiert hat. „Die Themen, die Kinder auf der Bühne sehen sollen und auch verstehen, drehen sich meist um ähnliche Themen: Sich selbst erkennen, neugierig und mutig auf die Suche nach Neuem gehen, Gleichgesinnte finden und sich ihnen anvertrauen. Und letztlich der Blecharbeiter Slogan: ‚Zusammen viel besser‘. Diese Themenkreise beschäftigen mich in der Konzeption immer am meisten.“
Wie „Unterwegs in Umbidu“ kommen die Musiker in „MähTropolis“ ganz ohne Worte aus. Wurde in Umbidu eine musikalische Fantasiesprache gesprochen, so spielen in der Schafgeschichte Tierlaute eine vielsagende Rolle. Es sei erstaunlich, wie Schafe miteinander kommunizieren, stellten die Sonus Brass Musiker fest. „Wir haben Videos angeschaut und herzlich gelacht, wie unterschiedlich die Schafe alle ‚määähen‘ (blöken)“, erzählt Stefan Dünser.
Tierlaute als Impulsgeber
Die Tiersounds seien wichtige Impulsgeber innerhalb der improvisierten Theaterszenen. Da und dort schaffen sie auch eine Landidylle. Die Verkehrssounds in der Stadt unterstützen das Verständnis in den vielen pantomimischen Szenen. Jeder der Ensemblemitglieder spielt eine ihm zugeschnittene Rolle. So verkörpern die höheren Register mit Trompete und Horn drei Schafe, die Posaune schlüpft in die Rolle des Hütehundes und der Bauer wird von der Tuba dargestellt. Jeder verkörpere einen Charakter, der seiner Persönlichkeit ziemlich genau entspreche, merkt Stefan Dünser an. „So können wir viel schneller und authentischer arbeiten. Die Tuba muss einfach den etwas trägen Bauer spielen, die Posaune mit ihrem ‚regulierenden Zug‘ den Hund.“
Eine gut durchdachte und originelle Werkauswahl
Zentral ist, neben einer ansprechenden Handlung, die Musikauswahl. Sie bestimmt auch die Dramaturgie des Stückes. Jedes Musikstück, das jemals komponiert worden sei, erzähle eine Geschichte, ist Stefan Dünser überzeugt. Sie habe einen Ablauf, der trage und etwas bewirken könne, davon würden sich die Musiker leiten lassen. Bedauernd merkt er an, dass das Komponieren von neuer Musik für „vorgedachte“ Szenen, oft eher schlecht funktioniere.
Bekannte und weniger bekannte Musikstücke quer durch musikalische Epochen und Stilrichtungen begleiten Fred, Albert und John. Die Musikliste für „MähTropolis“ umfasst ein Werk von Michael Praetorius aus dem 16. Jahrhundert und „Golliwog’s Cake Walk“ von Claude Debussy aus dem 19. Jahrhundert. Alle anderen Kompositionen sind unterhaltsame Stücke des 20. Jahrhunderts. So erklingen unter anderem zwei Songs aus der „Music Hall Suite“ von Joseph Horovitz, „How Down“ von Aaron Copland und „Thats a Plenty“ von Lew Pollack. Tänzerische Werke, wie der „Satirische Tanz“ von Dmitri Schostakowitsch, ein Galopp von Dimitri Kabalevsky, ein Marsch von John Cheetham sowie ein Walzer von Leonard Bernstein runden die Werkauswahl ab. Herbert Pixner steuert den „Diplomlandler“ bei.
Inspirierende Zusammenarbeit
Mit Markus Kupferblum hat das Sonus Brass Ensemble bereits sehr erfolgreich zusammengearbeitet, unter anderem bei den Produktionen „Die Blecharbeiter“ sowie „Don Quichotte“. Der Regisseur hat bei Le Coq in Paris Clown und Pantomime studiert. Mit interessanten Regisseur:innen zusammenzuarbeiten, sei etwas Wunderbares, denn die Künstler:innen würden einen Spirit, Arbeitswillen und eine ansteckende Fantasie einbringen, betont Stefan Dünser. Ebenso gut funktioniert die Zusammenarbeit mit der Bühnenausstatterin Nina Ball. „Sie ist eine gnadenlos klare und unverzichtbare Person in unseren Produktionen geworden, auch bei den Schurken. Ihre Stärken als Bühnenausstatterin sind Fantasie, Präzision und ihr Sinn für Umsetzbarkeit und viel Witz. Sie berät uns auch künstlerisch.“
Große internationale Konkurrenz
Es war eine harte Arbeit, für „MähTropolis“ kompetente Koproduktionspartner zu finden, damit das Musiktheater international gut aufgestellt ist. Er sei fünf Jahre damit beschäftigt gewesen, um schließlich die Philharmonie Luxembourg, das Tonhalle-Orchester Zürich, das Wiener Konzerthaus sowie die Bregenzer Festspiele mit ins Boot zu holen, berichtet Stefan Dünser. Ausschlaggebend waren das überzeugende Konzept und der gute Ruf, den das Sonus Brass Ensemble in der Musiktheaterszene genießt. „Dieser Markt ist mittlerweile international derart umkämpft, dass das jetzt schon ein kleines Wunder ist, solche Partner zu haben. Wir sind sehr dankbar. Wir planen, ‚MähTropolis‘ jetzt fünf Jahre lang anzubieten und freuen uns sehr auf die Konzertbesucher:nnen.“
Silvia Thurner
Dieser Artikel ist zuerst in die Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft im Mai 2026 erschienen.
++++
Termine Familienvorstellungen:
Sonntag, 14. Juni 2026, 11 und 16 Uhr
MähTropolis, Festspielhaus Bregenz: Seestudio,
