Bild Markus Grüner-Musil, Sebastian Linz
Markus Grüner-Musil und Sebastian Linz (c) Hannah Inreiter

Mit frischem Wind ins „Übergangsjahr“ – Jahresprogramm 2018 der ARGEKULTUR

Organisatorisch steht die Salzburger ARGEKULTUR heuer im Zeichen eines „Übergangs“, welcher schon der der Vorstellung des Programms für 2018 deutlich wurde: Der scheidende künstlerische Geschäftsführer der ARGEKULTUR, MARKUS GRÜNER-MUSIL, und der designierte künstlerische Geschäftsführer der ARGEKULTUR, SEBASTIAN LINZ, informierten gemeinsam über das Programm 2018 der ARGEKULTUR, welche auch in der kommenden Spielzeit ein vielseitiges Programm in, zwischen und quer durch die Sparten Theater und Tanz, Musik, Kabarett und Kleinkunst, Medienkunst, Literatur präsentieren wird.

Neue künstlerische Geschäftsführung

Dabei wird Sebastian Linz ab 1. März die operative Leitung des Betriebs als künstlerischer Geschäftsführer übernehmen. Über seine Motivation für diese neue Aufgabe und über seine grundsätzlichen Zugänge zur Positionierung der ARGEkultur sagt er: „Ich sehe es auch als Aufgabe, den gut geölten Betrieb, das reibungslose Funktionieren, die tägliche Routine des Erfolges wieder einmal kritisch zu hinterfragen und so neue Frei-, Denk- und Handlungsräume zu schaffen.“

Zu diesem Zweck soll sich die ARGEkultur (auch angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen) noch deutlicher positionieren: „Ich möchte die ARGEkultur weiterhin als Ort der Begegnung, Offenheit, Toleranz, Inklusion und Diversität gestalten; als Ort der Kunst, der Ästhetik und des Experiments; als Ort der gesellschaftlich relevanten Themen und Debatten; als Ort der analytischen Reflexion, des kritischen Diskurse, und der lebendigen Auseinandersetzung.“

Zwar ist der Neo-Geschäftsführer erst für das Programm 2019 gesamtverantwortlich, er kuratiert aber schon heuer im November (zusammen mit Theresa Seraphin) das Open Mind Festival 2018 unter dem Motto „What‘s left / What‘s right“, nachdem die bisherige Festival-Kuratorin Cornelia Ahnhaus die Leitung des WERK X-Eldorado in Wien übernommen hat.

Neue Koproduktionen

Bild Hildegard Starlinger
“Oberösterreich” Hildegard Starlinger (c) Stefan Karlhuber

Mit dem Stück „Oberösterreich“ von Franz Xaver Kroetz (im Februar und als Koproduktion mit Hildegard Starlinger), der Koproduktion mit dem Rabenhof Theater Wien „Viel gut essen“ von Sibylle Berg und der Band Kreisky (im März), dem im September (als Kooperation mit dem oenm – österreichisches ensemble für neue musik) stattfindenden stART Festivals mit dem Motto „Hymnen und Lieder des 21. Jahrhunderts“ und der Produktion „trails“, der neuen Koproduktion der editta braun company mit der ARGEkultur, stehen für 2018 gleich vier neue Eigen- bzw. Koproduktionen auf dem Programm der ARGEkultur.

In der Sparte Theater und Choreografie wird es 2018 u. a. Produktionen wie „Try_Outs“ (Tanztheater des Musischen Gymnasiums, Februar 2017), „Salzburger Performancetage 2018“ (Kooperation mit tanzimpulse Salzburg, März), „English Drama Group Salzburg“ (Mai), „Sommerszene Salzburg“ (Juni), „Because the Night“ (Juni), „tanz_house Festival 2018“ (Oktober/November) sowie „ohne titel“ (Kooperation mit dem Schubert Theater Wien, Dezember) geben.

Der sehr erfolgreiche Kabarett-Schwerpunkt wird mit dem MotzArt Kabarett Festival der Reihe „Comedy im Pub“ sowie dem Nachwuchspreis Salzburger Sprössling, der im Oktober verliehen wird, weitergeführt. So stehen 2018 u. a. maschek, Alfred Dorfer, Gunkl, Science Busters, Florian Scheuba, Thomas Maurer, Heilbutt&Rosen, Hosea Ratschiller sowie Christoph & Lollo und Thomas Stipsits & Manuel Rubey, Simone Solga, Hazel Brugger auf dem Programm.

Ebenso wird es Literatur (u. a. mit Lesungen von Robert Pfaller und Wolf Haas) und den ARGE Poetry Slam geben.

Bild digital spring festival
digital spring festival (c) Miriam Schmidtke

Mehr in Richtung Zukunft wird dann im März beim digital spring festival 2018 unter dem Motto „Transhumanism. Updates are available“ geblickt. Die Initiative von ARGEkultur und subnet (in Zusammenarbeit mit Salzburger Kunstverein, Center for Human-Computer Interaction der Universität Salzburg) präsentiert dabei multimediale Projekte u. a. von monochrom (Wien) und qujOchÖ (Linz).

Erstmals erfolgte im Rahmen des digital spring festivals auch die Ausschreibung eines Arbeitsstipendiums des Landes Salzburg für Medienkunst in Höhe von 5.000 Euro, welches an das Medienkunst-Duo Apnoa (Sebastian Drack und Tobias Feldmeier) vergeben wurde.

Musik

In der Sparte Musik wird es 2018 zwei größere Schwerpunktsetzungen geben.

Da wäre einmal „Viel gut essen“ von Sibylle Berg und Kreisky. Die schon Ende letzten Jahres sehr erfolgreich in Wien präsentierte Koproduktion mit dem Rabenhof Theater (vgl. https://www.musicaustria.at/viel-gut-essen-franz-adrian-wenzl-kreisky-im-mica-interview/) wird am 8. und 9. März 2018 auch in Salzburg Station macht.

Sibylle Berg, eine der unmittelbarsten und bissigsten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur, hat gemeinsam mit Kreisky, der „übellaunigsten Band der Welt“, ihr Erfolgsstück „Viel gut essen“ für diese Koproduktion adaptiert und selbst Regie geführt.

Die Presse war jedenfalls hellauf begeistert: „Das ist Musiktheater im allerbesten Sinn. Und eine kluge, zeitgemäße, aufwühlende und ja, auch wahnsinnig witzige Studie in Entfremdung.“ (Profil)

Den zweiten größeren Brocken stellt heuer die stART-Produktion und deren Motto „Hymnen und Lieder des 21. Jahrhunderts“ dar. Die im September stattfindende Koproduktion des stART Festivals, des oenm und der ARGEkultur widmet sich dabei aktuellen politischen wie ästhetischen Dringlichkeiten.

„Das Konzept des Nationalismus, das im 20. Jahrhundert nicht nur gescheitert ist, sondern Hass, Zerstörung und Gewalt gebracht hat, erlebt eine Renaissance. Eine erneuerte radikal-nationalistische Perspektive Europas steht im Widerspruch zu einer solidarischen, gerechten und freien Gesellschaft.

Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, für das stART Festival 2018 neue Hymnen in Auftrag zu geben. Die Hymnen des 21. Jahrhunderts sollen nicht von den Schlachten und Heldentaten der Vergangenheit erzählen und unverrückbare Vorurteile von sogenannten Identitäten reproduzieren, sondern die Werte einer lebenswerten Gesellschaft besingen und vermitteln. Dazu werden LiteratInnen und KomponistInnen eingeladen, sich eine Form zu eigen zu machen, die weder in der Neuen Musik noch in der aktuellen Literatur besondere Wertschätzung genießt.“

stART hat dabei seit 2009 ein Produktionsprinzip entwickelt, das die Neue Musik als Teil neuer Produktionsaufträge sieht. Für die stART-Produktionen werden daher immer neue Produktionsteams zusammenstellt.

Neben diesen beiden größeren Projekten wird es natürlich auch weiterhin Konzerte im „Roten Salon“ geben (mit dem Schwerpunkt auf „alternativer Popkultur“). Ähnlich innovativ ist auch das Konzept in der elektronischen Musik. Als Schnittstelle zum musikalischen Bereich der Performance-Kunst wird die elektronische Musikreihe „performing sounds“ der Galerie 5020 ab 2018 nun regelmäßig in der ARGEkultur Station machen. Darüber hinaus gibt es wie bisher die Reihe „bassive“ in Kooperation mit dem Stereofreezed Sound System sowie die Kollektiv Tanzbar.

Konzerte in der ARGEkultur wird es dabei 2018 u. a. von Mile Me Deaf, Dazed Pilots, Cid Rim, Paul Plut, Der Nino aus Wien, Ernst Molden & Walther Soyka, Son of the Velvet Rat, Clara Luzia und Robert Rotifer geben.

Kulturvermittlung

Ergänzt werden diese Spartenprogramme noch durch diverse Kulturvermittlungen wie u. a. durch die „Kinderkulturwoche 2018“ (März), die „VolXtheaterwerkstatt“, durch Workshops für SchülerInnen, durch Wissens- und Kompetenzentwicklungen (zusammen mit der Arbeiterkammer Salzburg) sowie durch die schon legendäre „Pecha Kucha Night“.

Im Großen und Ganzen sind für das „Übergangsjahr 2018“ an die 300 Veranstaltungen aus den Bereichen Theater und Tanz, Musik, Kabarett und Kleinkunst, Medienkunst, Literatur sowie Kulturvermittlungsprogramme geplant.

Didi Neidhart

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