Bild (c) Katharina Hohenberger
Bild (c) Katharina Hohenberger

„Mein Ziel ist es, die Zielgruppe für das Wienerlied etwas zu verjüngen“ – KATHARINA HOHENBERGER (EINEDRAHN) im mica-Interview

Die Konzertreihe EINEDRAHN feiert heuer ihr fünfjähriges Jubiläum. Mittlerweile nicht aus dem Wiener Veranstaltungskalender wegzudenken, hat sich die Reihe längst zu einem der bedeutendsten Treffpunkte für das neue Wienerlied entwickelt. KATHARINA HOHENBERGER – die Initiatorin von EINEDRAHN – sprach mit Michael Ternai über ihre Liebe zum Wienerlied, ihr Vorhaben, es der jüngeren Generation bekannt zu machen, und das umfangreiche Programm des Jubiläumsjahres, das am 12. Jänner im Wiener Café Heumarkt mit Konzerten von HEINZ DITSCH und den STROTTERN  seinen Anfang nimmt.

Die Konzertreihe Einedrahn feiert heuer ihr fünfjähriges Jubiläum. Haben Sie sich zu Beginn eigentlich vorstellen können, dass sich die Reihe zu so einer langlebigen Veranstaltung entwickeln wird?

Katharina Hohenberger: Darüber habe ich mir damals eigentlich gar keine Gedanken gemacht. Ich habe mir eigentlich nur gedacht, dass ich es einmal ausprobiere. Der Grund, warum ich die Reihe überhaupt initiiert habe, war, dass viele in meinem Freundeskreis gemeint haben, ich könnte so gut organisieren und Leute zusammenbringen. Als ich gehört habe, dass das Café Schoppenhauer neu übernommen werde und die neuen Betreiber sehr offen für Neues seien, bin ich eben mit der Idee für eine Konzertreihe für das neue Wienerlied an sie herangetreten.
Ich wollte Einedrahn bewusst nicht als ein Festival konzipieren. Zum einen, weil es in der Stadt ohnehin schon mehrere Wienerliedfestivals gibt, und zum anderen, weil etwas Längerfristiges, etwas sich kontinuierlich Entwickelndes entstehen sollte. Ich denke, dass wir mit unserem Konzept bislang ganz gut gefahren sind. Natürlich war es zu Beginn nicht wirklich klar, in welche Richtung es gehen wird und ob es uns überhaupt gelingen wird, ein wirklich spannendes Programm auf die Beine zu stellen. Wir hatten für den Start ja nur ganz wenig Förderung erhalten. Umso mehr war ich dann überrascht, wie bereitwillig die Musikerinnen und Musiker trotz der eher wenigen Mittel mitgemacht haben.

War die musikalische Ausrichtung von Einedrahn eigentlich auch schon zu Beginn klar?

Katharina Hohenberger: Ja, auf jeden Fall. Ganz einfach, weil ich selbst ja aus dieser Richtung komme und das Wienerlied etwas ist, was mir wirklich am Herzen liegt. Ich will den Leuten – vor allem auch den jüngeren – zeigen, dass sie mit dem Wienerlied ein Kulturgut in der Stadt haben, von dem sie noch nichts wissen.

„Etwa achtzig Prozent der Befragten wussten nicht, was das Wienerlied ist.“

Hat sich in der Wahrnehmung des Wienerlieds in den letzten Jahren nicht vielleicht doch etwas verändert? Festivals wie wean hean und Wien im Rosenstolz zeigen doch, dass sehr wohl Publikum für das Wienerlied da ist.

Katharina Hohenberger: Es hat sich ganz sicher etwas verändert. Nur ist es immer noch so, dass die meisten Leute, die man auf der Straße fragt, oft nicht sofort wissen, was das Wienerlied ist. Ich habe anlässlich der Fünf-Jahr-Feier einen Trailer produziert und für diesen einige Leute auf der Straße befragt, ob sie mit dem Begriff „Wienerlied“ etwas anfangen können. Etwa achtzig Prozent der Befragten wussten nicht, was das Wienerlied ist.

Wie sieht es bei Einedrahn aus? Kommen da nicht doch immer mehr junge Leute zu den Konzerten?

Katharina Hohenberger: Doch, schon. Es geht schon in die Richtung, dass zu den Konzerten auch immer mehr junge Leute kommen. Aber trotzdem handelt es sich beim Wienerlied immer noch um ein Nischenprodukt. Mein Ziel ist es, die Zielgruppe für das Wienerlied etwas zu verjüngen. Und daran arbeite ich mit Nachdruck. 

Was ist eigentlich für Sie das Faszinierende am Wienerlied? 

Katharina Hohenberger: Man kann mit dem Wienerlied einfach super Geschichten erzählen. Ich finde es witzig, dass man zum Beispiel Makabres in etwas musikalisch Liebliches verpacken und es in einem sanften Klang ausdrücken kann. Das klingt dann vordergründig schnell ein bisschen liab. Ist es aber nicht, weil der Text ein ganz bissiger und manchmal auch gemeiner ist. Auch das Zweistimmige, dieses Gstanzlmäßige an der Musik gefällt mir sehr. Und natürlich die gewisse Traurigkeit, die in vielen Liedern immer irgendwie mitschwingt. Das Wienerlied spiegelt in gewisser Weise die Wiener Seele wider. 

Wo liegen die Schwierigkeiten, eine Reihe wie Einedrahn über eine so lange Zeit am Leben zu erhalten? Was ist das Schöne, das sie mit der Konzertreihe verbinden?  

Katharina Hohenberger: Ein immer schweres Unterfangen ist, die Gelder aufzustellen. Wir kriegen zwar Fördergelder, aber man wünscht sich halt immer ein bisserl mehr. Besonders schwierig ist es, Sponsoren zu gewinnen. Da habe ich mir in der Vergangenheit schon des Öfteren die Zähne ausgebissen. Aber da werde ich mich in Zukunft noch mehr dahinterklemmen und versuchen, neue Kontakte zu knüpfen. Das Schöne ist, dass mittlerweile viele Musikerinnen und Musiker nachfragen, ob sie bei uns spielen können. Das zeigt, dass sich Einedrahn in den letzten Jahren doch einen Namen machen konnte.
Ich habe im Moment keine Probleme damit, für die Abende Bands zu finden. Ich muss mittlerweile immer wieder auch absagen, was mir jedes Mal auch wirklich leidtut. Aber ich habe halt nur eine begrenzte Zahl an Konzerten in einem Jahr und muss daher eine Auswahl treffen.

„Ich will zeigen, dass das Wienerlied heute mit dem Gesülze vom Heurigentisch eigentlich nichts mehr zu tun hat […]“

Das Schöne an Einedrahn ist ja auch, dass es musikalisch sehr vielfältig zugeht und das Dialekt-Singen mittlerweile quasi zur einzigen Klammer des Programms geworden ist.

Katharina Hohenberger: Ich versuche in den Programmen, schon sehr zu mischen, um den Leuten auch die musikalische Vielfalt des Wienerlieds näherzubringen. Ich will zeigen, dass das Wienerlied heute mit dem Gesülze vom Heurigentisch eigentlich nichts mehr zu tun hat, sondern seinen ganz eigenen Stil entwickelt hat.

Warum, glauben Sie, wird Einedrahn vom Publikum wie auch von den Musikerinnen und Musikern so sehr geschätzt?

Katharina Hohenberger: Ich glaube, es ist diese unverkrampfte Atmosphäre, in der die Konzerte ablaufen, die Einedrahn auszeichnet. Dieses gemütliche Beieinandersitzen und Geschichtenerzählen. Das Publikum und die Musikerinnen und Musiker kommen vor und nach den Konzerten zusammen und tauschen sich aus. In gewissem Sinne laufen die Konzerte genau in dem Rahmen ab, aus dem das Wienerlied eigentlich herkommt.

Einedrahn ist 2013 vom Café Schopenhauer ins Café Am Heumarkt übersiedelt. Warum?

Katharina Hohenberger: Warum? Weil das Café Schopenhauer doch ein wenig weit weg vom Schuss liegt. Es ist ein total schönes altes Vorstadtcafé und eigentlich auch relativ rasch zu erreichen. Nur empfinden es manche dennoch als etwas zu weit weg. Daher habe ich mich auf die Suche nach einem anderen Ort begeben. Nach einem, der Raum bietet und auch bekannt ist. Und da hat sich das Café Am Heumarkt angeboten.

Kommen wir auf das Jubiläumsjahr zu sprechen. Welche Specials dürfen sich die Leute erwarten?

Katharina Hohenberger: Es gibt zum fünfjährigen Jubiläum neben den Konzerten fünf über das ganze Jahr verteilte Specials. Das erste Special am 12. Jänner im Café Am Heumarkt ist gleichzeitig auch das eigentliche Geburtstagsfest. Spielen werden Heinz Ditsch und als Hauptact Die Strottern. Dazu präsentiere ich den vorher schon erwähnten von mir produzierten Jubiläumstrailer. Sein Finale findet das Geburtstagsfest mit einer Wienerlied-Disco.
Das zweite Special findet im März in Kooperation mit dem Konzerthaus statt. Dort spielen meine Gruppe Wiener Brut und das Trio Lepschi im Rahmen des Zyklus „Wiener Lieder“.
Das Sommerspecial ist eine Kooperation mit dem Festival WIR SIND WIEN. Das hatten wir schon letztes Jahr. Da spielen wir auf der Alten Donau auf einer schwimmenden Insel. Das wird mit Sicherheit ein ganz besonderes Konzerterlebnis. Dort spielen unter anderem bratfisch.
Das vierte Special, quasi der Herbst-Opening-Event, findet dann als Open Air in der Strandbar Hermann statt. Höchstwahrscheinlich mit Birgit Denk und Turumtay Zaric.
Mit dem letzten Special im Winter kehren wir mit Kollegium Kalksburg – die zum ersten Mal bei Einedrahn spielen werden – dann wieder zurück ins Café Am Heumarkt.

Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Soll Einedrahn in Zukunft vielleicht auch noch größer werden? 

Katharina Hohenberger: Für 2019 ist mein Plan, mit Einedrahn in Form eines Sommerspecials auch einmal raus aufs Land zu gehen. Vielleicht nach Niederösterreich. Es ist mir wichtig, mit der Reihe immer wieder auch woanders hinzugehen, um auch dort Leute für das Wienerlied zu begeistern.
Natürlich wünsche ich mir, dass Einedrahn auch größer wird. Aber in Maßen. Ich kann mir vorstellen, dass wir mit größeren Events immer wieder auch raus aus dem Kaffeehaus gehen, die Homebase aber stets der kleinere und intimere Rahmen bleibt. Denn der ist es, den die Leute so sehr schätzen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Michael Ternai

Einedrahn spezial, das Erste
12.Jänner 2018, 19.00 Uhr, Café Am Heumarkt
Die Strottern
Heinz Ditsch am Glühweinstand

Links:
Einedrahn
Einedrahn (Facebook)